Positive Stimmung nach Bürgerinfo: Beuting und Hibler beantworten Fragen der Bürger – Weniger Sorgen und Ängste

"Als Gemeinde für Asylbewerber da sein"

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Um die 200 interessierten Zuschauer und auch Anwohner von Moosrain kamen zur Bürgerinfo dann ins Kultur- und Tageszentrum.

Murnau – Aus dieser Situation etwas positives herausnehmen und als Mensch von neuen Zuwanderern profitieren und lernen, das möchte Michael Zickerick, der 35 Jahre lang als Diplomat u.a. auch in islamischen Ländern gearbeitet hat. Er lebt seit kurzem in Moosrain und ist der Meinung, dass jeder einzelne Bürger etwas zur Verständigung mit den 48 im März kommenden Asylbewerbern beitragen kann.

Es komme auf die innere Einstellung an, sagt eine Besucherin. Die kann sich dann ändern, wenn Fragen und Ängste geklärt sind. Mehr als 200 Murnauer und Moosrainer kamen daher am Donnerstag ins Kultur- und Tagungszentrum, um Florian Hibler vom Ausländeramt und Bürgermeister Rolf Beuting zuzuhören. Eine Gruppe von Anwohnern, darunter Dr. Peter Asam, stellte einen Fragenkatalog zusammen, der an diesem Abend beantwortet wurde. „Wir in Moosrain sind nicht gegen das Flüchtlingsheim. Wir haben Fragen, um in Zukunft die Flüchtlinge unterstützen zu können und damit wir alle zusammen in Ruhe und Frieden leben können“, so Asam am Anfang des Infoabends.

Sicher ist, dass bis Ende 2015 der Landkreis Garmisch-Partenkirchen 455 bis 560 Flüchtlinge aufnehmen muss. „In den letzten zwei Jahren haben wir in Grainau, Garmisch-Partenkirchen und Bad Kohlgrub 425 Flüchtlinge untergebracht. Es kann nicht sein, dass diese drei Orte die ganze ,Last’ tragen. Jetzt sind Mittenwald und Murnau dran“, erklärte Hibler. Die Flüchtlinge kommen „peu a peu“, wie Hibler betont. Sie können innerhalb der nächsten sechs Wochen oder drei bis vier Monate kommen – je nach Druck. Die Idee mit dem Kemmelpark zerschlug sich, wie Beuting erklärte, „aus mehreren Gründen.“ Dann wurde ein Aufruf an Privatpersonen gestartet. „Auch diese Aktion war leider erfolglos“, erklärte der Bürgermeister. Doch dann kam Licht ins Dunkel: „Wir sind dankbar, dass die Innere Mission München, die Eigentümer des CVJM-Heims ist, dem Landratsamt das Gebäude für zwei Jahre verpachtet“, erklärt Hibler. Die Caritas wird das Heim betreiben und es werden um die 50 Stunden Betreuung pro Woche investiert. 33 Stunden werden vom Landratsamt bezahlt . Die restlichen 17 Stunden kommen aus dem Pool des Mehrgenerationenhauses. Für die Sozialberatung sind drei Kräfte vor Ort und für Ordnungs- und Verwaltungsaufgaben sind mehrere Personen des Landratsamtes zur Stelle. „Eine 24-Stunden-Betreuung wird es nicht geben und diese ist auch nicht notwendig“, so Hibler. Das unterstützt auch Caritas-Fachdienstleiter Wolfgang Schweiger. „Das ist auch ausreichend. Freiwillige Helfer können für eine gute Atmosphäre sorgen und so bringen wir die Asylbewerber an einen Ort der Sicherheit und Perspektive.“ Ein Dolmetscher wird für die Versändigung da sein, aber nicht den ganzen Tag. „Viele Flüchtlinge sprechen Englisch und die Mitarbeiter und Helfer auch. Bisher gab es in den anderen Einrichtungen keine Verständigungsprobleme, diese sollte es in Moosrain auch nicht geben“, sagte Hibler. In Moosrain werden die Asylbewerber sich selbst verpflegen. Sie erhalten je nach Familienstand bestimmte Geldbeträge, die sich nach dem Hartz-IV-Satz richten. Eine berechtigte Frage kam aus dem Publikum: „Und wie sollen die Asylbewerber zum Einkaufen gehen?“ Immerhin ist Moosrain gute fünf Kilometer von Murnau entfernt und ein Auto haben die Flüchtlinge nicht. „Sie können mit dem Zug fahren, der kostet zwei Euro. Sollte das nicht klappen, wird sich die Gemeinde noch etwas einfallen lassen“, antwortet Bürgermeister Beuting. Wirklich zufrieden mit dieser Antwort schienen die Besucher nicht zu sein. Eventuell soll die Buslinie Grafenaschau-Murnau wieder eingesetzt werden. Sicher ist das aber noch nicht.

Bürger können sich einbringen

Anette Köhler vom Verein „murnau miteinander“ ist im Team 7 - Soziales und Bildung tätig. Sie kann Positives über das ehrenamtliche Engagement der Bürger berichten, die sich mit Asylbewerbern in anderen Gemeinden beschäftigen. „Das Thema Deutschkurs ist sehr beliebt. Dieser Bereich ist gut abgedeckt. Wir haben 80 bis 100 Interessierte, die vormittags Asylbewerbern Deutsch beibringen.“ Außerdem hat sich das Landratsamt für zwei Kurse im Berfusförderzentrum beworben. „Wichtig ist uns, dass die Bürger, wenn sie helfen wollen, mit uns in Kontakt treten und wir alles mit der Caritas zusammen koordinieren können“, sagt Köhler. Weitere Infos gibt es unter www.murnaumiteinander.de oder per E-Mail an Anette Köhler, team7@murnau-miteinander.de.

Arbeit suchen und finden

Asylbewerber, die länger als drei Monate in Deutschland sind, dürfen auch arbeiten gehen. Es haben sich laut Beuting auch schon Unternehmen gemeldet, die eventuell Interesse daran haben, einen Flüchtling einzustellen. Sobald ein Flüchtling seine Genehmigung bekommen hat, wird dieser aufgefordert, sich eine Wohnung zu suchen. Denn er oder sie darf dann nicht mehr in einer Flüchtlingsunterkunft leben.

Sorgen ernst nehmen

Joachim Loy, Inspektionsleiter der Polizei Murnau, sieht die Situation mit den Asylbewerbern in Murnau recht entspannt. „Wir nehmen Ihre Sorgen sehr ernst, denn wir sind dafür da, dass Sie sich sicher fühlen. Wir sehen das aber entspannt. Es werden 48 Bürger mehr in Murnau sein, das bringt uns nicht durcheinander.“ Asam macht sich dennoch Sorgen. Er befürchtet nämlich, dass „ein Nazi, der gut vernetzt ist, viel Schaden anrichten kann.“ Loy konnte ihn beruhigen: „Wir haben bisher nichts bemerkt und, falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist, wird fahren zur Zeit öfters durch Moosrain als sonst.“ Loy sprach bereits mit den Kollegen in Weilheim sowie in Garmisch und konnte keine nennenswerte Probleme nennen. In Bad Kohlgrub gab es zwei Vorfälle, die für die Bevölkerung von Interesse waren. „Wir hatten einen Scheckbetrug und einen Streit, bei dem zwei Polizisten verletzt wurden. Das hätten aber auch deutsche Staatsbürger sein können.“

Im großen und ganzen waren die Anwesenden beruhigt und zufrieden mit den Antworten, die sie bekommen haben. Murnau möchte die Asylbewerber begrüßen und möchte, dass sie sich hier wohlfühlen. Dazu wollen viele beitragen. Der unmittelbare Nachbar des CVJM-Hauses sprach ein schönes Schlusswort nach der knapp zweistündigen Veranstaltung: „Wir als Gemeinde sollten hinter diesem Projekt stehen. Wir sollten uns diesen Menschen nicht verschließen. Sie bringen viel Bewegung in diese Marktgemeinde und wir sollten gemeinsam für sie da sein.“

 

Zuhörer- und Anwohnerstimmen

„Wir sind 12 000 Einwohner in Murnau. Eigentlich sollten auch wir uns überlegen, was wir für 48 Menschen, die zu uns kommen, tun können.“

„Ich kenne Murnau als freundlichen und offenen Ort mit einer besonderen Atmosphäre. Bisher hat niemand erwähnt, dass wir Deutsche von dieser Situation profitieren können. Auch wir können von den Leuten, die zu uns kommen, sehr viel postivies dazulernen.“

„Es kommt auf die innere Einstellung an.“

„Wir sind die unmittebaren Nachbarn und hatten in den letzten 60 Jahren eine optimale Verbindung zum CVJM-Heim. Es hat uns immer gefreut, wenn neue Menschen da waren. Sie sind eine Bereicherung für uns. Wir als Gemeinde sollten hinter diesem Projekt stehen: Kommt, wir nehmen euch auf und arbeiten an einer gemeinsamen Zukunft.“

Von Alma Jazbec

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