Ausstellung über die Olympische Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen soll gesehen werden

Die »Kehrseite der Medaille«

Mann mit Buch in der Hand.
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Franz Wörndle mit dem Buch über die Ausstellung, das 2016 in einer Auflage von 2000 Exemplaren erschien.

GAP – Vor knapp drei Jahren musste die Ausstellung „Die Kehrseite der Medaille“ aus den Räumen im Olympiastadion in Garmisch-Partenkirchen weichen – wegen Umbaus sind sie derzeit nicht zugänglich. Seither sind die Beteiligten, Alois Schwarzmüller, pensionierter Gymnasiallehrer und ehemaliger SPD-Gemeinderat, Franz Wörndle, Archivar im Ort, Josef Ostler und Peter Schwarz. Sie hatten die Ausstellung 2011 zur Alpinen Weltmeisterschaft ins Leben gerufen und sich händeringend um eine Lösung bemüht.

Nachdem die Ausstellung zunächst zwei Jahre lang im Garmischer Kurhaus im Michael Ende Park zu sehen war, siedelte sie am 6. Februar 2013 in den Ostflügel des Skistadions um. Doch auch hier waren ihre Jahre gezählt und seit Beginn der Baumaßnahmen 2018 ist sie in Kisten verpackt. Einige Exponate wurden im Keller des Kindergartens Partenkirchen eingelagert. Derzeit weiß niemand, wie es weitergeht. In jedem Fall wäre es für viele jammerschade, wenn diese Ausstellung, die sich mit den Olympischen Winterspielen 1936, also in der Nazizeit, beschäftigt, und in die viel Zeit und Herzblut geflossen ist, so mir nichts Dir nichts endgültig aus dem Ort verschwinden würde. Die Pläne, die Ausstellung im Zusammenhang mit einer Erlebniswelt wieder ins Leben zu rufen, liegen jedenfalls auch schon seit längerer Zeit auf Eis (wir berichteten). Nun trug Wörndle auf Anraten von Elisabeth Koch (CSU) dem Kulturbeirat auf seiner zweiten Sitzung im Rathaus in Garmisch-Partenkirchen die Entwicklung und die Ist-Situation vor.

Die Rathauschefin versprach sich von diesem Schritt nicht nur, möglicherweise eine neue Örtlichkeit zu finden, sondern auch, dass ein unabhängiges Gremium vielleicht auch etwas zur Klärung der Frage würde beitragen können, wie wertvoll die ursprüngliche Ausstellung denn tatsächlich gewesen ist. Denn es gibt und gab immer wieder Kritiker und Stimmen, die von einem fehlenden roten Faden sprachen. Elisabeth Koch gehörte übrigens selbst zu dieser Fraktion. Auch von „hingepappten Flyern“ war die Rede, Wörndle wehrte sich auch während der Sitzung wieder gegen Vorwürfe dieser Art, „die Ausstellung war durchdacht“, so der Mitinitiator. Und so beschäftigte man sich nicht nur mit der Frage ob, sondern auch mit der Frage wie, in welcher Form es die Kehrseite der Medaille wiedergeben könnte. Ein Vorschlag lautetet, die gesamte Ausstellung auch in englischer Sprache zu konzipieren, um sie auch für Touristen anderer Länder verständlich zu machen. Doch zu einem einheitlichen Beschluss kam man nicht.

Die beiden Probleme, geeignete Räumlichkeiten und eventuell auch ein wenn auch nicht gänzlich neues, so doch geändertes Konzept zu finden, konnte auch der Kulturbeirat, nicht lösen und wieder einmal warf das Thema, dass die Gemüter nun schon einige Jahre lang beschäftigt, mehr Fragen als Antworten auf. Einig war man sich lediglich darin, dass man sich in der Marktgemeinde weiter mit dem Zusammenhang der Olympischen Spiele und dem Nazireich aktiv auseinandersetzen muss. Die Idee, die „Kehrseite der Medaille“ eventuell mit zwei etwas leichteren Themen zu lancieren und ihr somit die Schwere zu nehmen, damit Besucher wie Einheimische einen einfacheren Zugang zu der Ausstellung erhalten, fand indes Gehör.

Koch meinte, das wäre dann vielleicht ein wenig „gefälliger“, wenn die Kehrseite der Medaille in Zukunft von zwei anderen Themen umrahmt werden würde. Doch konkret fasste man auf dieser zweiten Beiratssitzung keinen Beschluss, denn dass die Umsetzung einer solchen Idee eine Frage der Finanzen bleibt, war allen im Saal Anwesenden und auch den online zugeschalteten klar. Nicht nur, weil die Sanierung mehr Geld verschlingt als gedacht, sondern weil sich in Coronazeiten die Haushaltslage auch alles andere als entspannt zeigt. bf

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