Bäuerinnen gestalten die Heimat

Selbstbewusst sind Hannes und Flori – die „Gruber-Buam“ - auf der Bühne des Gasthof „Stern“ in Seehausen gestanden und haben gesungen: „Gummibärle soll’s regnen und Himbeer-Eis solls schneien!“ Der Auftritt der beiden Uffinger Brüder war wohl der Höhepunkt des diesjährigen Landfrauentages – der die Bäuerinnen aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen an den Staffelsee geführt hatte. Zum Landfrauentag hatte BBV-Kreisbäuerin Christine Singer eingeladen, organisiert hatte den Tag Leni Iblher mit ihren Kolleginnen vom Ortsverband Seehausen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV).

Den Gottesdienst vor dem Treffen zelebrierte Robert Walter in der Seehauser Pfarrkirche St. Michael. Der Pfarrer appellierte in seiner Predigt an die Frauen: „Haltet den Hof und die Familien zusammen, und pflegt euer oberbayerisches Brauchtum.“ Nach der Messe begrüßte Christine Singer die Ehrengäste Renate Dodell (Landtagsabgeordnete), Markus Hörmann (Bürgermeister von Seehausen), Harald Kühn (Landrat) und BBV-Kreisobmann Nikolaus Onnich. Dabei ging Renate Dodell auf eines der drängendsten Probleme der Bauern ein: „Jeder Verbraucher muss überlegen, welche Milch oder welche Butter er kauft. Dabei sollte man schauen, dass von dem Kauf auch die heimische Landwirtschaft etwas hat. Für die Bauern gibt es da noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, denn die Menschen können nur das schätzen, was sie auch kennen.“ An zwei Themen erinnerte dann Kreisbäuerin Christine Singer in ihrem Rechen- schaftsbericht: Da war zum einen der in der Öffentlichkeit hervorragend angekommene „Milchherbst“ mit zahlreichen Veranstaltungen im Werdenfelser Land und im angrenzenden Pfaffenwinkel. Das Zweite war die Aktion „Zivilcourage gegen Gentechnik in der Landwirtschaft“. Den Festvortrag hielt die Landesbäuerin aus Südtirol, Maria Kuenzer. Sie erinnerte daran, dass es in Notzeiten immer die Frauen waren, die „die Heimat verteidigten und wieder aufbauten“ – sei das zur Zeit der Tiroler Freiheitskämpfe um Andreas Hofer gewesen, aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg: „Frauen gestalten die Dörfer; damals, heute und auch in Zukunft.“ Maria Kuenzer rüttelte die Frauen auf: „Es ist nicht ausschlaggebend, wie groß ein Hof ist, wie viel Milch man in der Molkerei abgibt, wie viele Kühe man im Stall stehen hat. Ausschlaggebend für die Zukunft der Landwirtschaft ist es, Perspektiven zu entwickeln. Diese müssen dann auch klar formuliert und beharrlich vertreten werden.“ Aber eines sollten die Landfrauen laut Maria Kuenzer nicht vergessen: „Bäuerin sein, heißt Freude zu vermitteln.“ Der Nachmittag war gefüllt mit musikalischer Unterhaltung durch die Seehauser Feierabend-Musi und einer Modenschau der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft: Mädchen aus der Staffelsee-Region präsentierten dabei moderne Berufskleidung. In einem Nebensaal des Gasthof Stern war eine Ausstellung mit Trachten-Zubehör, Trachtenschmuck und Klosterarbeiten aufgebaut. Margarethe Pfluger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten informierte noch kurz über Bildungsangebote speziell für Bäuerinnen. Dann waren die Gruber-Buam, Hannes und Flori, noch einmal dran: „Ja mia san mia – was kostet die Welt?“

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