Gedenktafel für „Rebecca“

Bagger legte zufällig Grabstelle bei der Farchanter Dorfkernsanierung frei

Gedenktafel
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Bürgermeister Christian Hornsteiner legt selbst Hand an und befestigt zusammen mit Wolfgang Graschberger die Gedenktafel. Mit dabei waren auch Heinrich Spichtinger (links) und Ehrenvorsitzender Josef Brandner (rechts).

Farchant – Im Rahmen der Dorfkernsanierung zwischen dem Rathaus und der evangelischen Kirche, legte ein Bagger in 1,10 m Tiefe eine Grabstelle frei. Dies war am 23. März vergangenen Jahres. Tage später waren Archäologen im Auftrag des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege vor Ort, sicherten die vorhandenen Skelettteile.

Heimatforscher Heinrich Spichtinger fertigte darüber hinaus für die Nachwelt eine Lageskizze mit genauen Maßangaben an. Bei den sterblichen Überresten handelte es sich um eine etwa 40 Jahre alte Frau. Von den Fachleuten erhielt sie den Namen „Rebecca“, jener Namenstag, der laut dem Heiligenkalender an diesem Fundtag begangen wurde.

Die einfache Grabkammer hielt lange Zeit selbst den rangierenden Feuerwehrfahrzeugen am früheren Gerätehaus der Farchanter Wehr stand. Vorsichtig abgebaut, wurden die aus Tannenbrettern bestehende Kammer einer dendrochronologischen Untersuchung unterzogen. Diese ergab ein Fälldatum für die Hölzer im Frühjahr/Sommer 809 n.Chr.! Soweit zur Vorgeschichte. Nunmehr brachten für die Nachwelt Bürgermeister Christian Hornsteiner und Wolfgang Graschberger, Vorsitzender des örtlichen Heimatvereins „Forcheida“ am früheren Feuerwehrhaus, nunmehr evangelische Kirche, also in unmittelbarer Nähe der Fundstelle eine Gedenktafel an.

„Ein äußerst wertvoller, archäologischer Fund“ urteilte dazu Hornsteiner, der die engagierte Arbeit gerade von Spichtinger würdigte. Auch wenn nähere Umstände der Bestattung nicht bekannt sind, so deutet alles darauf hin, dass es sich bei der Beisetzung um eine Sekundärbestattung handelte. Dies bedeutet, dass der ursprünglich bestattete Körper an einem anderen Ort beigesetzt war. Häufig wurde dabei nicht das gesamte Skelettmaterial umgebettet. „Auch lag diese Grabkammer bis etwa um das Jahr 1480 im absoluten Außenbereich des Ortes“, sagte Spichtinger. Lobende Worte fand Hornsteiner für die vom Heimatverein angestoßene Tafel. „Diese ist für Einheimische wie Gäste gleichermaßen interessant und eine richtige Ergänzung zum Tatzenkreuz“. Dieses ist im Straßenpflaster eingelassen und markiert die genaue Fundstelle.

Forcheida-Chef Graschberger sah es als selbstverständlich an, dass sich der Heimatverein hierzu maßgeblich einbringt. „Wir haben auch in unserer aktuellen Ausgabe des Jahresheftes einen 6-seitigen Beitrag von Heinrich Spichtinger zur Chronologie des frühmittelalterlichen Fundes veröffentlicht“, erinnerte Graschberger.

Nunmehr fiebern die Gemeinde und die Mitglieder von „Forcheida“ mit Spannung dem kommenden Herbst entgegen. Dann soll nämlich vom Denkmalamt der Abschlussbericht zu „Rebecca“ erfolgen und dem Ort noch weitere wissenschaftliche Erkenntnisse bringen. mun

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