Beatrix von Storch (AfD) sprach vor "überschaubarem Publikum" – Friedliches Adventsfest auf dem Kirchplatz

"Einwanderer ja, aber wir suchen aus"

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Diese drei Mädls und viele weitere Bürger kamen zum Kirchplatz, um zu zeigen: Garmisch-Partenkirchen ist bunt. 

GAP – „Auf Werte, die uns wichtig und unumgänglich sind, Werte wie Menschlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe, wollen wir aufmerksam machen“, erklärt Christine Doering, die Organisatorin des Adventsfestes für Toleranz und Menschlichkeit auf dem Kirchplatz in der Historischen Ludwigstraße gegenüber dem Gasthof zum Rassen, in dem am Freitag die EU-Parlamentarierin und AfD-Politikerin Beatrix von Storch sprach.

Es gab Stände mit Lebkuchen und Plätzchen, aus den Lautsprechern klang gemütliche Weihnachtsmusik und sogar der Nikolaus schaute vorbei und verteilte Süßigkeiten. Lediglich Absperrungen und ein erhebliches Polizeiaufgebot deuteten darauf hin, dass es sich hier um keinen Christkindlmarkt handelt. Der evangelische Pfarrer Thomas Lichteneber rief die etwa 120 Besucher zu „Mitgefühl und Barmherzigkeit“ auf. Anschließend gab es ein „offenes Mikrophon“, an dem jeder seine Gedanken zu diesem Thema vorbringen konnte. Dies nutzte auch eine Gruppe junger Flüchtlinge aus Eritrea. Die jungen Männer bedankten sich auf Deutsch, dass sie „so gut aufgenommen wurden.“ Alles verlief friedlich und harmonisch. Auch aus Sicht der Polizei verliefen beiden Versammlungen „absolut störungsfrei.“

Bei der AfD-Veranstaltung im Rassensaal saß ein überschaubares Publikum im durchweg gesetzteren Alter. Bevor Beatrix von Storch das Wort ergriff, bezog die Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Oberbayern Süd-West, Edeltraud Schwarz, in ihrer Rede kritisch Stellung zum gesellschaftspolitischen Konzept des Gender-Mainstreaming und der Frühsexualisierung an Kindergärten und Grundschulen. Anschließend referierte von Storch zum Thema „Das Asylchaos und die Folgen.“ In den Mittelpunkt ihrer Rede stellte sie das Versagen der Regierung bei der Asylpolitik . Man müsse „genauer unterscheiden zwischen verfolgten Flüchtlingen und Migranten, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen“. Von Storch plädierte für ein Einwanderungsrecht nach kanadischem oder australischem Vorbild mit strengeren Kriterien. „Einwanderung ja, aber wir suchen uns die Leute aus“, meinte sie. Von ihren Anhängern im Saal erhielt die Politikerin für ihre Ausführungen großen Beifall und viele standen dabei auf.

Keine kritischen Fragen

Frau von Storch begrüße es, wenn sich im Anschluss an ihren Vortrag ein Dialog mit den Besuchern ergibt, um miteinander zu diskutieren und gegenseitig voneinander zu lernen, so hieß es seitens der AfD zur Veranstaltung mit Beatrix von Storch am Freitagabend in Garmisch-Partenkirchen. Allerdings wurden kritische Fragen nicht wirklich akzeptiert – und gestellt werden durften sie erst recht nicht. Drei junge Männer aus Garmisch-Partenkirchen sahen auf den Tischen im Rassensaal AfD-Aufkleber, auf dem eine Karikatur eines „Bayern mit Gamsbart und einem Bier“ zu sehen war. Darauf stand geschrieben „Jetzt langt‘s“. Richard Loher, Julian Zwerger und Anton Höger wollten daraufhin wissen, ob die Partei ihre Wähler und die Garmisch-Partenkirchener als „bayerische Bierdimpfel“ sieht. Diese Frage wurde allerdings nicht zugelassen. Später suchten die drei Schüler dann nochmal ein Gespräch mit Edeltraud Schwarz.

Von Lilian Edenhofer

Kommentar: 

So, wie es war - fair, neutral und nicht selektiv

Es ist bekannt, dass die Presse in einer Demokratie die Aufgabe hat, über alles zu berichten. Aber wie schaut es mit der Pressefreiheit bei Veranstaltungen der AfD aus? Stimmt also das Bild, dass man von der rechtspopulistischen Partei hat? Lassen wir einige Zitate aus der Veranstaltung für sich sprechen! Die Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Oberbayern Süd-West, Edeltraud Schwarz stellte sich dem Publikum als „echte deutsche Frau vor, auch wenn ich Hosen trage.“

Florian Jäger, Vorsitzender des AfD-Bezirksverbandes Oberbayern, sprach von „medialer Verblödung“ und einer „Deutschland bewusst machenden Politik“. Er echauffierte sich in süffisantem Ton über ein junges Mädchen, das draußen beim Adventsmarkt der Toleranz gesprochen hatte: „Steht da draußen in der Kälte mit brüchiger Stimme und wir sind drinnen im warmen Saal. So soll es auch in Zukunft sein, wir drinnen und die da draußen.“ Beatrix von Storch zu der scharfen Kritik der Kirchen an den Thesen der AfD: „Die Herren Bischöfe sollen sich auf das konzentrieren, was ihre Arbeit ist, in vier Wochen ist Weihnachten, da habe sie genug zu tun, die Weihnachtsbotschaft zu verkünden.“ Gelächter im Saal.

Am Ende der Veranstaltung wartete Torsten Probst, Vorsitzender des Kreisverbandes München-Land, auf Helmut Filser, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbandes Oberbayern Süd-West, der Beatrix von Storch ein Geschenk überreichte. Als Filser auf die Bühne trat, um dies zu tun, rief Probst ins Mikrofon: „Er kommt jetzt von rechts, von wo auch sonst.“ Und dann fällt er, der Begriff, „Lügenpresse“. Plötzlich ein Schlag auf die Schulter von hinten. Es ist der Mitsiebziger vom Nebentisch, er spricht in strengem Ton: „Junge Frau, ich habe durch mein rechtes Brillenglas gelinst und ganz genau beobachtet, wann sie mit notieren. Sie sind selektiv, Sie sind nicht fair, Sie müssen neutral sein. Sie brauchen sich gar nicht wundern, wenn sie als Lücken- oder Lügenpresse bezeichnet werden.“

Von Lilian Edenhofer

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