Beifall für "Kabale und Liebe"

„Die Limonade ist so blass,“ sagt Ferdinand bedeutungsschwer zu seiner Luise, an deren Treue er durch einen fingierten Brief zweifelt. Er holt das Gifttütchen aus der Tasche, schüttet das Pulver in das Glas, aus dem beide nacheinander trinken. Als er von der sterbenden Luise erfährt, dass sie unschuldig ist, trinkt er verzweifelt den Limonadenrest und bricht über ihr zusammen.

Das dramatische Ende von Schillers bürgerlichem Trauerspiel „Kabale und Liebe“, zeigt die ganze Tragik höfischer Korruption, dünkelhaftem Standesunterschied, die Ignoranz jeden Gefühls und damit ein fast apokalyptisches Schicksal der Sturm- und Drang-Zeit. Schillers Leitmotiv fast all seiner Dichtungen ist der Wunsch nach Freiheit und Menschenwürde, vom jugendlichen, revolutionären Aufbegehren bis zur späteren, menschlichen Reife. Er verstand es meisterhaft, dramaturgische Spannung mit Bühnenwirksamkeit zu verbinden, in der auch humoristische Figuren nicht fehlten. Es gibt Problemthemen, die veralten nie, sind immer gegenwärtig und die daraus entstehenden Konflikte hat Regisseurin Regina Rohrbeck zum 250. Geburtstag von Friedrich von Schiller in klassischer Form auf die Bühne des „Kleinen Theaters“ gebracht. Schon der Titel „Kabale und Liebe“ verheißt nichts Gutes und das eindrucksvolle, karge Bühnenbild von Rainer Pokorny unterstreicht den Ablauf der Tragödie. Die Liebe zwischen der schönen bürgerlichen Luise (in Bestform Tatjana Pokorny mit ausgezeichneter Rhetorik) und dem adeligen Ferdinand von Walter (Christian Freude, jugendlicher Heißsporn mit Gefühl) hat schlechte Karten. Der Standesunterschied macht Luises Vater, dem Musikmeister Miller (liebevoll besorgt Georg Löcherer) große Sorgen, während Mutter Miller (Barbara Magener köstlich als naives Muttchen) die Besuche des „gnädigen Herrn“ bei ihrer Tochter als Ehre sieht. Ferdinands Vater, Präsident von Walter (Stephan Schuster, ganz der arrogante hohe Herr) hat jedoch andere Pläne für seinen Sohn. Denn Ferdinand soll Lady Milford (überzeugend ehrlich in wunderschöner lila und beiger Robe - Alexandra Kienig), die letzte Maitresse des Herzogs heiraten, damit das Gerede aufhört. Der böse Geist und Intrigant zwischen den Liebenden und teuflischer Berater des Präsidenten (Benedikt Kumeth könnte seinen konspirativen, arglistigen Einflüsterungen und Schmeicheleien noch mehr Schärfe geben), Haussekretär Wurm, findet einen Weg, Luise zu zwingen, einen Liebeebrief an den skurrilen Hofmarschall von Kalb (Christoph Walter als geckenhafte, komische Hoffigur) zu schreiben, der davon überhaupt nichts weiß. Das fein gesponnene Netz von Wurm trägt Früchte: Luises Eltern kommen wegen Mißachtung des Präsidenten in den Kerker. Luise besucht Lady Milford, die die Juwelen des Herzogs zurückweist, da sie mit dem Erlös von „siebentausend verkauften Landeskindern“ als Soldaten nach Amerika bezahlt wurden. Eine starke Szene von Lady Milford mit ihrer Kammerzofe Sophie (Marianne Wiedemann). Sie reist ab, Luise hat keine Rivalin mehr, aber der inzwischen misstrauische Ferdinand wird zum Richter. Im Streit gehen Vater und Sohn auseinander, Ferdinand eilt zu Luise . . . Das Premierenpublikum war beeindruckt und zollte den Akteuren und der Regie herzlichen Beifall. Es gab viele Blumen und ebenso viele Vorhänge. Weitere Vorstellung zeigt das „Kleine Theater“ am Richard-Strauss-Platz am 17. April und 13. Mai, jeweils 20 Uhr. Karten für diese Vorstellungen und alle weiteren Stücke, die auf dem Spielplan des Kleinen Theaters zu finden sind, gibt es auch beim KREISBOTEN-Verlag.

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