SCR bestätigt Trend mit Harti Wild – 2. Bundesliga setzt vermehrt auf deutsche Goalies

Auch der SCR setzt mit Harti Wild auf einen deutschen Goalie. Foto: Sehr

Es gibt einen neuen Trend in der 2. Eishockey-Bundesliga, der hin zu Deutschen Torhütern geht. Mitten drinnen ist der SC Riessersee, der bei der wichtigsten Postion in der schnellsten Mannschaftssportart genauso verfährt und bislang sehr gute Leistungen zeigte.

Noch vor einigen Jahren war die Sache sonnenklar: Nicht nur in der Deutschen Eishockey Liga, sondern auch in der 2. Bundesliga wurden nahezu alle Torhüterpositionen mit ausländischen Goalies besetzt: Nolan McDonald, Mark McArthur, Alfi Michaud oder Patrick Couture standen für diverse Spielzeiten zwischen den Pfosten ihrer Vereine. Nun ist das anders: In der laufenden Saison bilden die ausländischen Torhüter plötzlich die Ausnahme, die deutschen Goalies sind in der Überzahl. Lediglich vier Vereine, also ein knappes Drittel, vergibt eine Ausländerstelle im Tor: Die beiden Ostvereine Lausitzer Füchse und Dresdner Eislöwen sowie die Heilbronner Falken und die Starbulls Rosenheim. In der vergangenen Saison war die Situation ausgeglichen: Sieben Deutsche standen sechs Ausländer „gegenüber“. Damit gibt es nur einen einzigen ausländischen Torhüter, der wie in der vergangenen Saison im Kasten seiner Mannschaft blieb: Norm Maracle in Rosenheim. Den Wechsel zu einem Deutschen Goalie unternahm Vizemeister Schwenninger Wild Wings. „Es war eine harte Entscheidung“, sagt Manager Stefan Wagner. „Sie fiel nicht gegen Steve Silverthorn, sondern zu Gunsten einer stärkeren Mannschaft aus.“ Der Kanadier war in den letzten zwei Spielzeiten bei den Baden-Württembergern im Tor gestanden. Trainer Axel Kammerer, der inzwischen seinen Posten räumen musste (wir berichteten), hatte ihn von den Tölzer Löwen „mitgebracht“. „Silverthorn hat in seiner Zeit bei uns konstant starke Leistungen gehabt, es waren mehr Ups als Downs“, so der Manager. „In der vergangenen Saison kam dann Sinisa Martinovic zu uns. Er hat gezeigt, dass er ein sehr guter Goalie ist. Durch ein deutsches Torhüterduo haben wir den Vorteil, dass wir alle fünf Ausländerstellen im Feld besetzten können.“ Wagner rechnet vor, dass mit Torhüter Martinovic und dem zusätzlichen Kontingentspieler Justin Mapletoft das Team stärker besetzt sei als mit Silverthorn im Tor und einem deutschen Stürmer. „Einen anderen ausländischen Torhüter zu holen, der so viel besser als Martinovic ist, war ebenfalls zu schwierig“, beschreibt Wagner die Kaderplanungen. Auch SCR setzt auf deutschen Goalie Während Absteiger Freiburger Wölfe in der vergangenen Saison auf den Slowaken Petrik Imrich setzte, ist bei Aufsteiger SC Riessersee wie in der vergangenen Saison Harti Wild die Nummer eins. Die Verantwortlichen waren im Sommer froh, dass der ehemalige deutsche Nationaltorhüter seine Karriere fortsetzte, auch wenn er nicht mehr für alle Spieler zur Verfügung stehen wird. „Wild ist sehr erfahren und hat in allen Ligen gespielt“, sagt Bader. Trainer Zdenek Travnicek hat einen genauen Plan ausgearbeitet, wann er und wann Daniel Huber, der aus Passau zu den Weiß-Blauen kam, im Tor stehen wird. Auch wenn dessen erster Auftritt am vorletzten Sonntag in Bietigheim-Bissingen nicht von Erfolg gekrönt war – nach 14 Minuten musste er nach drei Gegentreffern vom Eis – wird der 27-Jährige immer wieder zum Einsatz kommen. Im Gegensatz zu den Werdenfelsern setzten die Lausitzer Füchse wieder auf einen Kanadier: Jonathan Boutin löste Ryan MacDonald ab. „Boutin hat eine sehr gute Reputation bei uns“, sagt Manager Ralf Hantschke. „Ich hoffe, dass er sein Leistungsniveau von vor zwei Jahren wieder erreichen wird.“ An den ersten Spieltagen war dies auch der Fall. Denn völlig überraschend stehen die Füchse derzeit auf Rang eins und das obwohl sie nach dem SC Riesserseee einen der kleinsten Etats der Liga zur Verfügung haben. In der Saison 2009/10 war der heute 26-Jährige der Garant für die sensationelle Saison der Sachsen, die als Abstiegskandidat gehandelt bis ins Viertelfinale kamen. Es war nicht so, dass die Füchse keinen Deutschen Torhüter wollten. „Aber wir hatten nicht die Möglichkeit einen in seiner Klasse zu verpflichten“, betont Hantschke. „Das Risiko einen Deutschen Torhüter beispielsweise aus der DEL zu holen, der dort die Nummer zwei war, war uns zu groß. Wir sind aber auch gewillt in Zukunft einen deutschen Torhüter aufzubauen, der dann mal die Nummer eins sein kann.“ Ähnlich waren die Überlegungen bei den Dresdner Eislöwen. Dort ersetzte zunächst Kellen Briggs Pasi Häkkinen. „Wir waren mit Häkkinnen zufrieden und hätten ihn gerne gehalten, doch dann hat er sich anders entschieden“, berichtet Trainer Thomas Popiesch. Der Finne ging zum HC Gomel nach Weißrussland. „Unsere nächst Option war Briggs zurückzuholen, da wir mit ihm gute Erfahrungen gemacht haben“, erklärt Popiesch. „Auf dem Deutschen Markt gab es keinen gleichwertigen Deutschen. Das Risiko wäre für uns zu groß gewesen. Die Torhüterposition ist zu wichtig, um hier etwas zu riskieren. So sind wir lieber mit Briggs auf Nummer sicher gegangen.“ Doch als sich nun dieser verletzte musste erneut gehandelt werden. So wurde Jordan Parise geholt, der gleich beim ersten Spiel vor einer Woche beim SC Riessersee seine Klasse zeigte und nur einen Gegentreffer zuließ. Der 29jährige US-Amerikaner mit kanadischem Pass kam aus Minnesota an die Elbe. Auch bei Briggs Vorgängerverein, den Heilbronner Falken setzten die Verantwortlichen nach wie vor auf einen Kontingentspieler. Der Kanadier Todd Ford wurde der Nachfolger des US-Amerikaners. „Wir hätten schon einen Deutschen Goalie genommen. Aber es gibt nur wenige und die sind auch teuer“, sagt HEC-Trainer Ricco Rossi rückblickend. „Ich denke, dass ein ausländischer Torhüter wertvoller für unsere Mannschaft ist als beispielsweise ein ausländischer Stürmer.“ Anders in Crimmitschau: Joey Vollmer wurde der Nachfolger von Tobias Güttner. „Es gab bei uns schon Überlegungen, einen Ausländer zu holen, aber als wir gesehen haben, dass wir Vollmer bekommen können, dann war die Entscheidung klar. Er ist ein starker Torhüter und ich denke, dass wir mit ihm die Qualität im Kader erhöhen konnten“, betont Geschäftsführer René Rudorisch. „Ich denke schon, dass ein Grund für die Entwicklung ist, dass in der Oberliga nur noch deutsche Torhüter zugelassen sind“, sagt Dresdens Trainer Thomas Popiesch und Rudorisch meint: „Es kommen gute, junge deutsche Goalies nach, insbesondere wenn man auf die U19- und U20-Natioalmannschaft blickt.“ Es könnte also gut sein, dass in den nächsten Jahren noch mehr deutsche Stammtorhüter in der 2. Bundesliga spielen. Übrigens war der letzte ausländische Torhüter, der einen Meistertitel in der 2. Bundesliga feierte, 2007 der US-Amerikaner Chris Rogles. Seithe hielten immer deutsche Nummer eins- Goalies den Pokal hoch: 2008 der kurz zuvor eingebürgerte Boris Rousson (Kassel Huskies), 2009 Sinisa Martinovic (Bietigheim Steelers), 2010 das Duo Sebastian Elwing/Jochen Vollmer (EHC München) und zuletzt das Duo Christian Rhode/Mathias Lange (Ravensburg Towerstars). Ob sich die Serie fortsetzt? Rein statistisch stehen die Chancen bei 69 Prozent.

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