Gemeinderat mehrheitlich für einen erneuten Anlauf

Ja zur WM Bewerbung 2027 in Garmisch-Partenkirchen

Ski-WM
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Einmarsch der Athleten bei der Eröffnungsfeier zur Ski-WM 2011. Mit dabei natürlich die Lokalmatadoren Felix Neureuther und Maria Riesch.

Update vom 16. April: Der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen hat gestern Abend mehrheitlich dafür gestimmt, dass sich die Marktgemeinde für die Alpinen Weltmeisterschaften 2027 bewirbt. Mit 23:6 Stimmen fiel die Entscheidung. Die Grünen-Fraktion, Anton Hofer von Ga+Pa miteinander und die fraktionslose Gemeinderätin Lilian Edenhofer (Freie Wähler) verweigerten einer erneuten Bewerbung ihre Stimme. Mit der Beschlussfassung steigt Garmisch-Partenkirchen gemeinsam mit dem Deutschen Skiverband und dem Skiclub Garmisch in das offizielle Bewerbungsprozedere ein. Einen Mitbewerber gibt es bereits: Crans-Montana aus der Schweiz. Sowohl die Schweizer, als auch Garmisch-Partenkirchen hatten bei der Bewerbung für die Ski-WM 2025 das Nachsehen gehabt. Der Zuschlag hier ging an Saalbach-Hinterglemm in Österreich. Nun also der erneute Anlauf für Garmisch-Partenkirchen. Bereits 1978 und 2011 hatte die Marktgemeinde Alpnie Ski-Weltmeisterschaften ausrichten dürfen und für Festspiele im Schnee gesorgt. Mit einer guten Bewerbung will man die WM 2027 erneut nach Bayern holen. Ende Mai 2022 soll die Entscheidung fallen.  

Update vom 14. April: Am morgigen Donnerstag findet im Kongresshaus eine Gemeinderatssitzung statt, deren wichtigster Punkt gleich zu Beginn behandelt wird. Es geht um die Bewerbung für die Alpinen Skiweltmeisterschaften 2027. Der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen muss beschließend darüber entscheiden, ob sich die Marktgemeinde für das Jahr 2027 bewerben soll.

Im vergangenen Oktober hatte man eine deutliche Niederlage für die Bewerbung 2025 einstecken müssen, jetzt will man vor allem mit Nachhaltigkeit punkten. So soll neben der Kandahar, die den neuesten Vorgaben bereits entspricht, der Gudiberg als Wettkampfstätte genutzt werden. Dass sich die Mehrheit des Gemeinderates für eine Bewerbung aussprechen wird, scheint gesetzt. Wie viele Gegenstimmen es geben wird, ist hingegen ungewiss. Bündnis 90/Die Grünen und Anton Hofer (Garmisch+Partenkirchen miteinander) haben bereits im Vorfeld Bedenken geäußert und werden vermutlich gegen die Bewerbung stimmen. Während Hotellerie und Gastronomie voll hinter einer neuen Kandidatur stehen, spart der BUND Naturschutz nicht mit Kritik. Axel Doering findet deutliche Worte: „Diese Bewerbung mitten in der Klimakrise ist einigermaßen absurd. Zum einen müssen die 15 Tage, die die WM dauert (2011 waren es noch 11 Tage und einige Wettbewerbe weniger), Verhältnisse herrschen, dass Wettkämpfe möglich sind, zum anderen heizt die WM mit ihren Baumaßnahmen, möglichen Waldrodungen und ihrer verkehrsreichen Durchführung die Klimakrise weiter an.“ Ob der Gemeinderat mit einer möglichst geschlossenen Abstimmung ein machtvolles Signal an die FIS senden kann, entscheidet sich morgen.

Update vom 23. März: Der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen muss bis spätestens Ende April entscheiden, ob sich die Marktgemeinde um die alpine Ski-Weltmeisterschaften im Jahr 2027 bewerben soll. Nach dem man im vergangenen Oktober eine deutliche Niederlage für die Bewerbung 2025 einstecken musste, ist das Stimmungsbild für die Bewerbung 2027 noch nicht ganz klar. Wie der Münchner Merkur berichtet, hat der Deutsche Skiverband (DSV) zuletzt mit Plänen, sich erneut um eine Nordische Ski-WM in Oberstdorf ebenfalls im Jahr 2027 zu bewerben, für Verunsicherung und Verärgerung hinter den Kulissen gesorgt. Die Bewerbung für die Nordische WM 2027 soll als Corona-Bonus dienen, weil bei den Wettkämpfen im Allgäu in diesem Jahr die Zuschauer fehlten.

Momentan gäbe es für die Alpine Ski-WM 2027 nur Crans Montana als Mitbewerber. Doch wie stünden die Chancen für Garmisch-Partenkirchen, sollte sich Oberstdorf tatsächlich für die Nordische WM ebenfalls 2027 bewerben? Zwei Weltmeisterschaften, in unmittelbarer Nähe und im gleichen Jahr?

Gegenwind kommt von Naturschützern

Während bei Hotellerie und Gastgewerbe in Garmisch-Partenkirchen breite Zustimmung für eine erneute Bewerbung herrscht, begründete der BUND Naturschutz jetzt in einem offenen Brief an die politischen Entscheidungsträger in Garmisch-Partenkirchen seine klar ablehnende Haltung zu einer neuen Bewerbung. Bereits die letzte Ski-Weltmeisterschaft 2011 in Garmisch-Partenkirchen habe gezeigt, „dass einem geringen wirtschaftlichen Nutzen erhebliche Eingriffe in die Natur gegenüberstehen“, so Axel Doering, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen. „Um Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen zu ermöglichen, sind voraussichtlich massive Ausbauten von Beschneiungsanlagen und Beschneiungsbecken nötig“, mutmaßt er.

Auch Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz, begründet die Ablehnung: „In den letzten 40 Jahren ist die Durchschnittstemperatur in Garmisch-Partenkirchen um 1,5 Grad Celsius gestiegen. Das entspricht einer Differenz von 300 Höhenmetern, die Garmisch heute klimatisch niedriger liegt“, sagt er. Und weiter:„Ski Weltmeisterschaften in Bayern sind eine Anachronismus in Zeiten der Klimakrise. Wir lehnen sie daher ab.“ Christian Hierneis und Andreas Krahl, Mitglieder des Bayerischen Landtages, Fraktion Bündnis90/Die Grünen, positionieren sich ebenfalls gegen die Pläne für eine neue wintersportliche Großveranstaltung in Garmisch-Partenkirchen.

Das Versprechen, die WM mit der bereits vorhandenen Infrastruktur bestreiten zu können, hätte man auch 2011 schon gebrochen: Damals setzte die FIS eine zweite Trasse neben der weltberühmten Kandahar durch. „Die Zeche zahlen am Ende die Bürger*innen und vor allem die Natur“, so der Murnauer Krahl. Die beiden Abgeordneten sind sich einig: „Garmisch-Partenkirchen ist ein wunderschöner Ort inmitten einer atemberaubenden, schützenswerten Natur. Ein Sehnsuchtsort mit touristischem Potential jenseits des Wintersports. Garmisch-Partenkirchen kann mehr als Ski und Rodel, denn das wird nie mehr gut.“ tra

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