Viel Schaden an den wassernahen Gehölzen können sie laut Experten nicht anrichten

Biber an Partnach und Loisach festgestellt

Paar in der Natur
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Die Landkreis-Biberbeauftragte Danielle Sijbranda und Martin Kleiner vom Bund Naturschutz beruhigen: Viel Schaden können die Biber an den wassernahen Gehölzen nicht anrichten.

Angefressene junge Bäume an der Böschung entlang des Partnachuferweges zwischen Bahnhof- und Schornstraße, die umzukippen drohen und darunter Späne – das erregt die Aufmerksamkeit von Spaziergängern. Gibt es Biber an der Partnach in Garmisch-Partenkirchen?

„Eindeutig ja“, bestätigt die Landkreis-Biberbeauftragte Danielle Sijbranda. Sie ist in Begleitung ihres Mischlingshundes Italy dabei, das Ufer unter die Lupe zu nehmen, sammelt dabei herumliegende, angenagte Zweige ein. „Eindeutig die Bissspuren eines erwachsenes Tieres“, so ihre Analyse. „Vielleicht sind es auch zwei“. Spuren von Jungtieren konnten weder sie noch Biologe Martin Kleiner, der entlang der Partnach auf der Suche nach weiteren Revieren war, entdecken. Kleiner ist seit über 20 Jahren im Auftrag der Bundes Naturschutz in Sachen Biberforschung ehrenamtlich unterwegs. Der Oberammergauer hatte auch vor zwei Jahrzehnten das erste, wiedereingewanderte Tier am Ettaler Mühlbach entdeckt. Seit circa vier bis fünf Jahren gibt es jetzt auch Biber an Partnach und Loisach.

Dass diese an den schnellfließenden Gewässern mit steinig-befestigtem Ufer eigentlich keine guten Bedingungen haben, kann der Fachmann bestätigen. Lieber haben sie es, wenn der Fluss langsamer fließt, wie in Oberau, Eschenlohe und weiter Richtung Norden, oder sie an einem Weiher ansässig werden können. „Aber sie passen sich an, besetzen jeweils ein Revier von mindestens einem Kilometer Ufer“. Er weiß von Bibern an der Loisach Höhe Obermühle und am Gröben und eben auch von denen im besagten Partnachabschnitt. „Viel Schaden können sie hier nicht anrichten, denn die nachgewachsenen, wassernahen Hölzer wurden sowieso gerade wieder vom Flussbauamt abgeschnitten“, urteilt Sijbranda. Die Tiere kämen aber zurecht, weil Weichholz schnell wieder austreibt. „Schwemmholzhaufen-Burgen wie es sie an der beschaulichen Isar gibt, sind hier nicht zu erwarten“, meint er.

Aber auch dort werden diese durch Hochwasser immer wieder weggeschwemmt. Das Todesurteil für die Nachkommen, die eh eine hohe Sterblichkeit aufweisen. 100 Biber-Reviere im gesamten Landkreis wurden bei der letzten Inventur gezählt. „Es gibt keine Explosion in der Population der Tiere“, beruhigt Sijbranda, die den Bestand im Auge hat. Für die Expertin, von Beruf Tierärztin für Wildtiere, die lange in Neuseeland lebte, sind die Nager ebenso wie für Kleiner faszinierend. „Sie sind uns Menschen ähnlich, leben in Familienbanden, gestalten wie keine andere heimische Tierart aktiv selbst ihren Lebensraum“, erklärt er. Das führt zu Konfliktsituationen, wenn Dämme gebaut, Nutzholz gefällt, flussnahe Zonen untergraben werden. „Aber Biber schaffen auch vielfältige Biotope, sorgen für Artenvielfalt“, kann Kleiner bestätigen. „So gibt es dank der Nager dort zum Beispiel wieder vermehrt Amphibien, Libellen und Schwarzstörche.“ sm

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