Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Bildung, Kultur, Musik: Ein Stück Normalität kehrt langsam ein

Cellolehrerin Ursula Biedermann mit Pauline beim Unterricht mit Nasen- und Mundschutz und Plexiglas-Zwischenwand in der Musikschule Garmisch-Partenkirchen.
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Cellolehrerin Ursula Biedermann mit Pauline beim Unterricht mit Nasen- und Mundschutz und Plexiglas-Zwischenwand in der Musikschule Garmisch-Partenkirchen.

Landkreis – Räume anders bestuhlen, desinfizieren, Konzepte überarbeiten – doch nie waren die Verantwortlichen in den Erwachsenenbildungseinrichtungen des Landkreises lieber bei der Sache. Sie fühlten sich während des Lockdown von der Politik lange vergessen.

Wie viele andere waren auch die Volkshochschulen und Kreisbildungswerke auf behördliche Anordnung von heute auf morgen geschlossen worden. Das hieß Kurzarbeit für die Mitarbeiter, Verdienstausfall für die Kursleiter und eine große Ratlosigkeit bei allen. Einige Webinare liefen zwar weiter, es gab auch Versuche, Berufssprachkurse online zu stellen und interessierte Kursleiter im digitalen Bereich zu schulen, aber im Prinzip ruhte alles. 

„Standardangebote umzubauen, die von der Begegnung und Präsenz leben, das geht nur bedingt und schien uns nicht sinnvoll“, sagt Heinfried Barton, Chef der Murnauer Volkshochschule. Und dann endlich die gute Nachricht von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder: Die Schließungen wurden aufgehoben und eine Perspektive aufgezeigt. „Wir starten ab 15. Juni unter Einhaltung eines Hygienekonzeptes zunächst mit Prüfungen und prüfungsrelevanten Kursen in unseren Räumlichkeiten in der Burgstraße 21“, sagte Stephanie Berger, Leiterin der Volkshochschule Garmisch-Partenkirchen. Ähnlich handhabt es Heinfried Barton in Murnau. Berger und Barton waren während der letzten zweieinhalb Monate im ständigen Austausch. 

VHS: Viele haben ihre Kursgebühr gespendet 

„Das Semester hatte ja gerade erst so richtig begonnen, als alles heruntergefahren werden musste“, sagt Barton. Den Teilnehmern wurden anteilig die Kursgebühren zurückerstattet. Und dann das Überraschende: „Viele haben auf ihr Geld verzichtet, den Betrag in eine Spende umgewandelt, um ‚ihre‘ Volkshochschule zu unterstützen." Stephanie Berger zeigt sich gerührt. Die beiden vhs-Geschäftsführer haben erfahren dürfen, wie wichtig ihre Einrichtungen den Bürgern im Landkreis sind, dass es für sie unbedingt weitergehen soll. Auch wenn in den nächsten eineinhalb Monaten nur ein reduzierter Betrieb unter neuen Rahmenbedingungen möglich sein wird, kann für das Herbstsemester geplant werden. 

Katholisches Kreisbildungswerk: Positives mitnehmen

Auch beim Katholischen Kreisbildungswerk (KBW) kann es wieder losgehen. Benjamin Schwarz, der Geschäftsführer, sieht auch Positives. Da war die Zoom-Konferenz, der Austausch mit 14 anderen katholischen Bildungswerken, der beibehalten werden soll oder die Online-Kurse, die während des Lockdowns etabliert wurden. „,Besser als nichts', dachten wir. Während der Kochkurs niemanden interessierte, wurden die Senioren-Angebote überraschend gut in Anspruch genommen“. Die beiden Yoga-Online-Kurse hatten sogar die doppelte Teilnehmerzahl und werden als Hybrid-Angebot – zuhause und vor Ort – weitergeführt. Da in der Dompfaffstraße 1 nur Teilzeitkräfte beschäftigt sind, kam man  um Kurzarbeit herum, ansonsten waren Rückbuchungen an der Tagesordnung. Aus Solidarität wurden auch hier Kursgebühren gespendet.  Und der Ausblick ist gar nicht so schlecht: Besonders alles rund ums Pilgern und die Bergspiritualität erfreut sich bereits jetzt großer Nachfrage.

Das Musizieren zuhause als willkommene Abwechslung 

Celloklänge sind aus der Musikschule in Garmisch-Partenkirchner zu hören und auch in Murnau wird getrommelt, geblasen, gezupft und gestrichen. Etwas besser als den Erwachsenenbildungseinrichtungen erging es den Musikschulen im Landkreis sowie dem Musikzentrum Murnau. Unter Auflagen und Einhaltung des Hygienekonzepts, das heißt Plexiglas-Zwischenscheiben, Mund- und Nasenschutz, durfte hier offiziell ab 11. Mai wieder Einzelunterricht erteilt werden. Die Musikschulleiter Thomas Köthe (Camerloher Musikschule Murnau) und Helmut Kröll (Garmisch-Partenkirchen) und ihre Musiklehrerkollegen haben den Kontakt mit den Schülern in Corona-Zeiten gehalten, einige haben den Online-Unterricht genutzt. „In dieser besonderen Situation war das Musizieren zuhause eine willkommene Abwechslung, es wurde sogar mehr geübt“, sagt Köthe. Das kann auch Kröll bestätigen. Der direkte Unterricht sei natürlich durch nichts zu ersetzen, meint er. 

Der Probenbetrieb von Laienmusikern ist inzwischen auch wieder zugelassen. Allerdings gelten strenge Vorschriften, denn die Lockerung gilt vorerst nur für Instrumentalmusik in Gruppen von höchstens zehn Personen einschließlich des Leiters. Es ist ein Mindestabstand von zwei Metern, bei Blasinstrumenten von drei Metern zwischen allen Teilnehmern einzuhalten. Eine Mund-Nasen-Bedeckung ist von allen Musikern mit Ausnahme der Blasmusiker jederzeit zu tragen. Georg Sirsch, Leiter des privaten Musikzentrums Murnau, sieht die sechs Wochen Lockdown gut überbrückt. „Wir werden einige Online-Unterrichtsplätze sogar beibehalten. Gerade Erwachsene, die ein Instrument erlernen, beruflich bedingt aber oft absagen müssen, können jetzt per Skype unterrichtet werden“. Ob Musikschulen, Musikzentren, Volkshochschulen oder Bildungswerke – besonders für hier tätige Freiberufler war es eine schwierige Zeit. Alle sind nun froh, dass langsam Normalität zurückkehrt, dass Bildung, Kultur und Musik demnächst wieder unverzichtbar zum Alltag gehören. sm

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