Insekten fliegen auf Löwenmäulchen

Blühkisterl-Aktion der BBV-Landfrauen

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Wie man ein Schlaraffenland für Insekten schaffen kann, wissen v.l.: Lisa Krötz (stellvertretende BBV-Kreisbäuerin), Konstanze Kley (Gärtnerei Sauer), Lisa Loth (Zugspitzregion GmbH), Christine Singer (BBV-Kreisbäuerin), Anni Hindelang, Martina Weingand und Martina Guglhör.

Jetzt einmal ganz tapfer sein: Hände weg von Geranien! Diese Storchenschnabel-Gewächse bringen zwar die menschlichen Augen zum leuchten, wenn sie als dichte Gehänge oberbaye­rische Balkone zieren. Beim Gesummse hingegen lassen Belargonien die Mägen knurren. Bienen mögen keine Geranien! Wie kann man die Hungersnöte der gelbschwarzen Honigmacher sowie ihrer Konsorten verhindern, gleichzeitig bunte Farbtüpferl an Hauswände und in Vorgärten zaubern?

Die Bäuerinnen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wissen Rat. Sie geben dieses Wissen an Menschen weiter, die ihren häuslichen Blumenschmuck so gestalten wollen, dass sich die fleißigen Bienen, die farbenfrohen Schmetterlinge, die brummeligen Hummeln am köstlichem Nektar ihre Bäuche vollschlagen können. BBV-Kreisbäuerin Christine Singer: „Wenn es schon Geranien sein müssen, sollte man sie mit Pflanzen mischen, die Insekten Nahrung bieten. Etwa die gelb oder weiß blühende Goldmarie (Bidens Ferulifolia).“ Ein Schlaraffenland! Das Projekt heißt ‚Blühkisterl-Aktion – Bienen, Blumen und Leckerbissen‘. Das passiert im Rahmen des „Blühenden Landkreises“, den die Zugspitz-Region-GmbH ins Leben gerufen hat, und gemeinsam mit den Landfrauen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), sowie Gartenbaubetrieben mit Leben füllt. Lisa Loth (Zugspitzregion): „Wir wollen, dass Privathaushalte wertvolle Tipps bekommen, wie sie ohne eigenen Garten etwas für die nützlichen Insekten tun können. Es gibt eine große Auswahl an Pflanzen, die nicht viel Platz benötigen und dennoch eine wertvolle Nektarquelle sind.“

Es gibt ein Faltblatt, das einige Pflanzen vorstellt, die für Insekten und das Klima geeignet sind. Im Internet als pdf-Datei zu beziehen bei www.zugspitz-region-gmbh.de (unter ‚Blühkisterl-Aktion‘ nachschauen). Kreisbäuerin Christine Singer (BBV) stellt das Projekt ‚Blühkisterl - Bienen. Blumen, Leckerbissen‘ vor: „Mir und meinen Kolleginnen ist es wichtig, etwas für die Artenvielfalt zu tun. Unsere Balkonkästen und Bauerngärten bepflanzen wir mit einem bunten Blumenmix und mit Kräutern, die mit langen Blühzeiten bis in den späten Herbst hinein, den Insekten zur reich gefüllten Nahrungsquelle werden. Je vielfältiger die Bepflanzung, um so mehr Insekten finden sich ein.“ Bevor man seine Pflänzchen im Frühling einkaufen geht, einmal bei den Profis in den Gartenbaubetrieben vorbeischauen und gezielt nach insektenfreundlichen Blühern fragen: Löwenmäulchen, Schneeprinzessinnen, Fächerblume, Mehliger Salbei, Schmalblättrige Studentenblume. Vanilleblume, Lobelien, Zinnien, Schneeflockenblumen, ungefüllte Margeriten; Christine Singer: „Ungefüllte Blüten sind wichtig, weil bei denen der Weg für die Bienen zum schmackhaften Nektar nicht mit Blütenblättern versperrt ist. Gezielt danach fragen und lieber auf Kulturrosen verzichten, weil die nicht genügend oder nur schwer zugängliche Nahrung für die Tiere bieten und weil viele Züchtungen keine Staubgefäße und damit keinen Pollen mehr haben.“

Lisa Loth von der Zugspitzregion und BBV-Kreisbäuerin Christine Singer haben gemeinsam mit den Ortsbäuerinnen in den jeweiligen Gemeinde eine Reihe von Beratungsterminen organisiert, bei denen es den einen oder anderen Geheimtipp gibt. Lisa Loth: „Den passenden Termin aussuchen, sich bei uns anmelden. Wer schon weiß wieviele Kästen man bepflanzen will, soll uns die Anzahl nennen, damit wir die richtige Menge an Pflanzen über die beteiligte Gärtnerei reservieren können.“ Eigene Blumenkästen und Pflanzkübel können zum Termin mitgebracht werden. Christine Singer ist überzeugt: „Platz für Bienen und Pflanzen ist auf dem kleinsten Raum, auf Balkonen und in Gärten, selbst auf dem Fensterbankerl. Jeder kann durch insektenfreundliche Blumen und Kräuter helfen, die Artenvielfalt bei den kleinsten Lebewesen zu erhalten.“  gb

Beratungstermine: 

Sonntag, 19. Mai – ab 10 Uhr, in Grafenaschau: Infostand mit Beratung (ohne Anmeldung) zur Eröffnung des Bienenlehrpfades.

Dienstag, 21. Mai – 9 bis 12 Uhr, bei der Gärtnerei Sauer in Murnau. Anmeldung bis zum 14. Mai bei Martina Höck, Tel: 08845-703293.

Dienstag, 21. Mai – 14 bis 17 Uhr, bei der Gärtnerei Schneller in Oberammergau. Anmeldung bis zum 17. Mai, Tel.: 08822-240.

Mittwoch, 22. Mai – 14 bis 18 Uhr, bei der Gärtnerei Böhmer in Farchant. Anmeldung bis zum 15. Mai bei Lisa Krötz, Tel.: 0152-26312300.

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