Über die Ammerschlucht schiebt sich die größte, jemals in Deutschland gebaute Behelfsbrücke

Brückenbau der Superlative

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Der Neubau der Echelsbacher-Brücke wird in den kommenden zwei Jahren das größte Brückenbau-Projekt in Bayern werden. Allein der Aufbau der Behelfsbrücke ist gigantisch – die Konstruktion schiebt sich derzeit mit fünf bis acht Metern pro Stunde über die Ammerschlucht.

Bad Bayersoien / Region – Der Bau ist gigantisch, die Kosten werden enorm sein – aber lamentieren hilft nichts, sagt der Leiter des Staatlichen Bauamtes in Weilheim, Uwe Fritsch: „Nur mit einer eigens errichteten Behelfsbrücke kriegen wir den Autoverkehr von der ursprünglichen Echelsbacher-Brücke runter, und können diese anschließend grundlegend erneuern.“

Ohne dem Provisorium wäre der Landkreis Garmisch-Partenkirchen vom Nachbarlandkreis WeilheimSchongau, vom Allgäu und von der Direktverbindung nach Augsburg abgeschnitten gewesen; auf mehrere Jahre hinaus.

Die Echselsbacher-Brücke ist marode geworden. Den 90.Geburtstag im Jahr 2019 wird das imposante Bauwerk in der heutigen Form nicht mehr erleben. Vorgesehen ist, die Brücke durch einen Neubau an gleicher Stelle zu ersetzen, der die beiden als Baudenkmal geschützten Bögen als Behausung für 600 Brutpaare der geschützten Grosses-Mausohr-Fledermaus mit einbezieht, ihnen aber keine tragende Aufgabe mehr zugesteht. Es wird das größte Brückenbau-Projekt seit Jahren in Bayern. Die Echelsbacher-Brücke spannt sich mit 270 Metern über die 70 Meter tiefe Ammerschlucht. Ein wichtiger Faktor bei den anstehenden Arbeiten ist der laufende Verkehr mit täglich 10000 Autos. Bauamtsleiter Uwe Fritsch: „Es gibt keine Umleitungsstrecke, und auch eine Trasse durch die Schlucht kommt wegen der starken Steigung nicht in Frage.“

Eine Ersatzkonstruktion ist notwendig. Die Arbeiten dazu begannen im April 2017 und werden bis zum Mai 2018 abgeschlossen sein. Dann können die Autos über das Provisorium rollen; Uwe Fritsch: „Die Behelfsbrücke ist so breit konzipiert, dass selbst zwei große LKW nebeneinander Platz haben. Wir müssen die Geschwindigkeit jedoch aus Sicherheitsgründen auf 50 Stundenkilometer drosseln.“ Die Behelfsbrücke erhält einen Bürgersteig, damit auch Fußgänger die Schlucht überqueren können, oder von dort aus die Arbeiten an der neuen Echelsbacher-Brücke verfolgen können. Uwe Fritsch ist zufrieden: „Die Behelfsbrücke wird mit Auf- und Abbau circa 8 Millionen Euro kosten. Wir liegen derzeit voll im Zeit- und Kostenrahmen.“

Wer auf dieser Baustelle arbeitet, sollte unbedingt schwindelfrei sein.


Die Behelfsbrücke über die Ammerschlucht ist übrigens keine Neukonstruktion, sondern kann als Bausatz aus dem Bestand des Bundesverkehrsministeriums angemietet werden. Uwe Fritsch: „Der Staat hat solche Brücken mit dem Fachnamen ‚SS80m‘ (Schweres Straßenbrückengerät mit 80 Meter Spannweite) auf Vorrat eingelagert, um – beispielsweise im Kriegsfall – beschädigte Autobrücken rasch ersetzen zu können.“

Weil an der Ammerschlucht 270 Meter Spannweite in 70 Meter Höhe gebraucht werden, wird es die größte in Deutschland jemals gebaute Behelfsbrücke sein. Das Material wird mit 70 LKW-Ladungen ins nördliche Ammertal angeliefert; darunter alleine 23000 Schrauben.

Auf der Seite von Bad Bayersoien wird die Brücke zu jeweils 30 Meter-Teilen zusammengeschraubt und anschließend in neun Phasen mit sogenannten Rollenbatterien und hydraulischen Litzenhebern über die Schlucht geschoben. Der Vorschub – so sagt Christoph Prause vom Staatliches Bauamt Weilheim – läuft mit etwa 5 bis 8 Metern pro Stunde: „Im Dezember soll die Brücke am Ziel auf der Rottenbucher-Seite angekommen sein.“ Zur Montage der Brücke sind zwei Hochbaukräne mit jeweils 80-Meter-Auslegern im Einsatz. Ein Kran ist 60, der andere 48 Meter hoch. Die gesamte Konstruktion ruht auf drei Türmen, von denen der höchste direkt im Flußbett der Ammer steht und 70 Meter hoch ist. Die anderen Beiden sind an den Hängen der Schlucht aufgestellt – mit 15 und 50 Metern Höhe. Problematisch waren die Fundamente dieser Türme; Christoph Prause: „Der Fels der Ammerschlucht ist durchzogen von natürlichen Höhlen, aber auch von Bergwerksstollen in denen vor 100 Jahren Kohle und Wetzsteine abgebaut worden waren. Wir mussten deshalb die Fundamente mit 32 Pfeilern verankern, die wir bis zu 22 Meter in den Boden einbrachten. Der weitere Fahrplan: Ab Juli 2018 wird die alte Echelsbacher-Brücke abgetragen, und neu aufbauen. Die Kosten dafür stehen noch nicht fest, da die Ausschreibungen erst im kommenden Februar erfolgen. Die Verkehrsfreigabe ist für Dezember 2020 geplant. Dann beginnt auch der Abbau der Behelfsbrücke, der Stütztürme, der Rampen und der Fundamente in der Ammerschlucht. Als letzte Maßnahme ist eine Renaturierung aller von den Baumaßnahmen betroffenen Flächen notwendig. Das dauert dann noch einmal bis Mitte 2021.

von Günter Bitala

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