Dr. Sigrid Meierhofer verabschiedet sich nach sechs Jahren aus dem Garmisch-Partenkirchner Rathaus

Mit dem Titel Altbürgermeisterin

Meierhofer
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Der Schreibtisch ist geräumt, Dr. Sigrid Meierhofer verabschiedet sich nach sechs Jahren aus dem Garmisch-Partenkirchner Rathaus.

GAP - Auf der letzten Gemeinderatssitzung der „alten“ Wahlperiode in Garmisch-Partenkirchen wurden die Mitglieder, die in der Sitzungsperiode 2020 bis 2026 nicht mehr im Gremium vertreten sind, verabschiedet und geehrt. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) erhielt als Zeichen des Dankes und der Anerkennung die Goldene Ehrennadel und darüber hinaus die Altbürgermeisterwürde.

Das Ergebnis der Stichwahl hat geschmerzt, daraus hat SPD-Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer keinen Hehl gemacht: „Ich bin eine Frau der leisen Töne und es ist mir offensichtlich nicht gelungen, die Haushaltskonsolidierung, die nur durch eine Reihe unpopulärer Entscheidungen realisiert werden konnte, den Bürgerinnen und Bürgern nahe zu bringen. Aber es ist gut, dass wir diese Rücklagen erarbeitet haben, die eigentlich für notwendige Investitionen gedacht waren – nun aber sicherlich zur Bewältigung der Coronakrise eingesetzt werden müssen.“   

Zweiter Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) hatte ihre Arbeit auf der letzten Gemeinderatssitzung der „alten“ Wahlperiode am 22. April im Namen des gesamten Kollegiums ausdrücklich gelobt und der scheidenden Ersten Bürgermeisterin als Zeichen des Dankes und der Anerkennung die Goldene Ehrennadel und darüber hinaus die Altbürgermeisterwürde überreicht. Eine angemessene Würdigung, schließlich geht Dr. Sigrid Meierhofer als erste Frau im Bürgermeisteramt von Garmisch-Partenkirchen in die Annalen ein. Am 4. Mai wird ein neues Kapitel aufgeschlagen, dann ist CSU-Frontfrau Elisabeth Koch neue Erste Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen.

„Ich mache meinen Job bis zum Schluss“, hatte Dr. Sigrid Meierhofer nach ihrer Wahlniederlage angesichts der turbulenten Zeiten angekündigt und auf Resturlaub verzichtet. Inzwischen ist der Schreibtisch geräumt und Zeit, eine kleine Rückschau zu halten. Die SPD-Politikerin hatte 2014 kein leichtes Amt angetreten. Mit strenger Sparpolitik aber schaffte sie es gemeinsam mit dem Gemeinderat, die Finanzen der Marktgemeinde zu konsolidieren.

„Trotz des Sparkurses konnten knapp 60 Millionen Euro in wichtige Vorhaben investiert werden“, zieht Meierhofer Bilanz. Der Erweiterungsbau der Gröben-Schule gehört dazu, 100 zusätzliche Kindergartenplätze, 30 bezahlbare Familienwohnungen am Bahnhof. Für den Umweltschutz wurde einiges in die Wege geleitet, auch das war der 64-jährigen Kommunalpolitikerin wichtig. Der Taktfahrplan beim Ortsbus wurde eingeführt, die Fernwärme ausgebaut, Burgrain wurde Modellortsteil für Verkehrssicherheit und Verkehrsberuhigung und Teile eines umfassenden Fahrradkonzeptes umgesetzt. Dieser Schwerpunkt bereitete der passionierten Radfahrerin, die während ihrer Amtszeit auf ein Dienstauto verzichtet hatte, zugleich eine ihrer größten Niederlagen. Denn das Vorhaben zum fahrradgerechten Umbau der Bahnhofstraße fand bei einer Patt-Situation keine Mehrheit. Was der SPD-Bürgermeisterin sonst für viele Projekte gelungen war – nämlich im Gemeinderat eine entsprechende Mehrheit auszuloten und zu finden – schlug damals fehl. Auch in Sachen Kongresshaus hatte die stets diszipliniert wirkende Amtsinhaberin die Stimmung falsch eingeschätzt; der Bürger­entscheid war die Quittung. 

Auf die vergangenen sechs Jahre kann Sigrid Meierhofer dennoch mit Stolz zurückblicken. Etliche Bewährungsproben wurden in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und den übergeordneten Behörden mit Bravour überstanden: Der G7-Gipfel sei hier genannt, der auch seitens des Rathauses gut vorbereitet war; der Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015, als alle an einem Strang gezogen haben oder die Vorbereitungen der LongLeif-Projekte, die die Marktgemeinde künftig noch beschäftigen werden. Auf der Haben-Seite führt Meierhofer die Gründung der Tourismus GmbH an, die Umsetzung der neuen Rechtsform für das Richard-Strauss-Festival, die Entwicklung eines integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK), die Stärkung der Bürgerbeteiligung durch die Mitwirkung verschiedener Beiräte (Senioren / Kinder & Jugend / Soziales & Integration) oder den Prozess zur kinderfreundlichen Kommune.

 „Wir haben viele Probleme gelöst und viele Projekte angepackt“, zieht sie Bilanz. Aus der Politik wird sie sich nicht ganz verabschieden – sie bleibt der SPD als Kreisrätin treu. An einen Ruhestand denkt die studierte Medizinerin nicht, sie möchte dem Aufruf von Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt folgen, der u.a. Ärzte im Ruhestand im Kampf gegen die Corona-Pandemie um Hilfe ersuchte.  

Ilka Trautmann

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