Im Gespräch mit Hauptfeldwebel Nikos Kalinowski und Obergefreiter Nina Stenzenberger

Individuelle Karriere und Uniform

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Im Auslandseinsatz sind für die Kommunikation mit Deutschland Satelliten unerlässlich. Am Trainingsgerät (li.) Hauptfeldwebel Kalinowski und Obergefreite Stenzenberger.

Murnau – „Jeder Tag bringt etwas anderes, ist voller Abwechslung.“ „Ich freue mich immer auf neue Herausforderungen.“ So verschieden Nikos Kalinowski (31 Jahre) und Nina Stenzenberger (19 Jahre) sind, haben sie eines gemeinsam: Ihr Arbeitgeber ist die Bundeswehr und beide stehen voll und ganz hinter ihrer Tätigkeit. Warum sie sich verpflichtet haben, was zu ihrer Ausbildung gehört und welchen beruflichen Weg sie in oder außerhalb der Bundeswehr einschlagen möchten, erzählen sie in einem Gespräch mit dem Kreisboten.

„Ich wäre mit der Bundeswehr gar nicht in Berührung gekommen, hätte ich mich nicht einziehen lassen“, blickt der im Landkreis Weilheim-Schongau lebende Kalinowski auf den Beginn seiner Karriere in Uniform. Zu dieser Zeit hatte er bereits die Lehre zum IT-Elektroniker absolviert und arbeitete in diesem Beruf als Geselle. Heute ist der 31-jährige Hauptfeldwebel beim IT-Bataillon (ITBtl 293) in Murnau. Und weiß, dass er bei der Bundeswehr bleiben wird: „Nach der Grundausbildung habe ich mich für zwölf Jahre verpflichtet und 2016 bin ich Berufssoldat geworden“. Sein Part beim ITBtl 293 – in Murnau ist er seit 2013 stationiert – ist Netzwerkadministrator für Satellitenkommunikation. Er gehört, genau wie Stenzenberger, zur 4. Kompanie. Die 19-Jährige machten 2016 ihr Abitur. „Ich bin dann letztes Jahr im April zu Bundeswehr“. Inspiriert wurde sie dazu durch ihre Familie – zwei Cousins sind ebenfalls beim Bund und „mein Vater hat mir davon erzählt, wie gut die Zeit da war“. Dazu kam, dass „ich nach der Schule nicht direkt mit dem Studieren anfangen wollte“. Manche sammeln Erfahrungen beim Work and Travel oder einem Freiwilligen sozialen Jahr, Stenzenberger entschied sich für die Bundeswehr. „Ich habe mich zuerst für zwölf Monate verpflichtet und jetzt auf 15 Monate verlängert. Ab Oktober habe ich vor, Biomedizin zu studieren.“ Noch ist der Hörsaal aber in weiter Ferne: Ihre Grundausbildung absolvierte die Obergefreite in Murnau und kam nach einer zwischenzeitlichen Versetzung zurück nach Murnau. „Ich hatte mit IT nichts am Hut und wusste auch nicht, was sie hier im ITBtl exakt tun, aber mir hat es in Murnau gut gefallen, deshalb wollte ich zurück.“ Das Wissen ist gewachsen und Stenzenberger absolviert aktuell die Dienstpostenausbildung für Satellitenkommunikation.

Den Hauptfeldwebel und die Obergefreite verbindet, wie auch mit weiteren Kameraden in der Werdenfelser Kaserne, noch eine weitere Gemeinsamkeit. Beide sind Angehörige der Luftwaffe. Eine Besonderheit des ITBtl 293 ist, dass es sich aus den unterschiedlichen Waffen­gattungen zusammensetzt. Neben dem Heer ist eben auch die Luftwaffe und sogar die Bundesmarine vertreten. „Man sieht auf jeden Fall über den Tellerrand, aber wir sind hier ein Team und arbeiten zusammen. Da ist es dann nicht mehr so ausschlaggebend wo man herkommt“, erklärt Kalinowski. Und das, woran sie im ITBtl 293 gemeinsam arbeiten, ist die Bereitstellung der Telekommunikation für die Bundeswehr in Auslandseinsätzen. „Wir sind quasi die Telekom der Bundeswehr“, zieht der Hauptfeldwebel den Vergleich. „Ich war 2015 im Einsatz in Kabul. Anders als bei uns in Deutschland ist dort das Internet nicht einfach via Erdleitungen verfügbar. Via Satellit stellen wir den Zugang zur Telekommunikation und damit die Verbindung zu Deutschland her.“ Im Einsatz gibt es verschiedene Trupps. So decken zum Beispiel zwei Leute die Satellitenkommunikation ab, zwei weitere kümmern sich um das System. „In Kabul waren circa 15 Mann für die Fernmeldezentrale zuständig. In Masar-e Scharif sind es etwa doppelt soviele.“ Der 31-Jährige fasst es zusammen: „Egal wo auf der Welt ein Einsatz aufgemacht wird, sind die Fernmelder (die IT-Abteilung a. d. Red.) dabei.“ Insgesamt gibt es in Deutschland sechs IT-Bataillone, die im sogenannten Cyper- und Informationsraum zusammengefasst sind.

Kompakte Operationszentralen können weltweit in den Einsatz geschickt werden. Unerlässlich ist dann das Wissen, wie man den richtigen Satelliten findet.


Zum Alltag in der Werdenfelser Kaserne gehören natürlich die Wartung und Instandhaltung der Geräte für den Auslandseinsatz. Ebenso das Training an den Geräten und der Vorbereitungslehrgang für den Auslandseinsatz. Aber auch Schießtraining, Büroarbeit und Sport sind elementare Bestandteile. Für die sportbegeisterte Obergefreite macht es die Mischung aus. Für den Hauptfeldwebel kam mit dem anstehenden Tag der Bundeswehr (9. Juni) eine neue Aufgabe hinzu – Planung der Raum­ordnung für hunderte von Beteiligten.

Hauptfeldwebel Kalinowski und Obergefreiter Stenzenberger haben sich beide für die im Grunde doppelte Ausbildung – fachlich und militärisch – bei der Bundeswehr entschieden. Beide haben viele verschiedene Möglichkeiten sich weiterzubilden. Im Bereich der IT geht die Entwicklung immer weiter und folglich auch die Fortbildung für Kalinowski. Außerdem hat der 31-Jährige als Weiterbildung den IT-Projektleiter absolviert und könnte, sofern er sich dafür interessiert, auch zur Stabsarbeit oder von der Unteroffiziers- in die Offizierslaufbahn wechseln.

Auch wenn Stenzenberger die Bundeswehr wieder verlässt und einen neuen Berufszweig anstrebt, für sie lohnt sich die Erfahrung. Und wenn sie möchte, könnte sie der Reserve angehören.

„Ich werde es vermissen“, betont Nina Stenzenberger. Dabei bezieht sie sich sowohl auf ihren Dienst bei der Bundeswehr als auch auf die Kameradschaft und entstandenen Freundschaften. Sie verbringt schon mal auch ein Wochenende in der Kaserne, um mit anderen die Freizeit in der (Vor-)Alpenregion zu genießen. Zu ihren Hobbies zählt neben Sport die Fotografie. Dass sie eine der wenigen Frauen in ihrem dienstlichen Umfeld ist, stört sie nicht. „Manchmal ist es eher angenehm und beim Sport sogar motivierend.“ Nur wenn es zum Beispiel um das Marschieren mit schwerem Rucksack geht, „merke ich, dass es mir als kleinere Frau schwerer fällt, als einem großen Mann“. „Der Standort Murnau ist wunderschön. Wir haben die Berge zum Wandern und Seen zum Baden“, findet Nikos Kalinowski. „Ich bin so ein Mensch, den man für viel begeistern kann. Ich mountainbike in meiner Freizeit und gehe Angeln. Aber ich zocke auch gerne mal ein Spiel und interessiere mich für das Thema Finanzen.“

Beim Verlassen der Werdenfelser Kaserne bleibt der Eindruck, dass Hauptfeldwebel Nikos Kalinowski und Obergefreiter Nina Stenzenberger für sich selbst die richtige Entscheidung getroffen haben.

von Melanie Wießmeyer

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