Caritas Garmisch-Partenkirchen plädiert für eine differenzierte Sicht auf Flüchtlingsthemen

Sozialen Frieden beibehalten

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Integration spielt eine große Rolle. Doch wie kann sie gelingen? 81 Prozent der Deutschen finden laut „Deutschlandtrend“, die Regierung habe die Situation nicht im Griff.

GAP – Nach dem Vorfall in der Silvesternacht in Köln spitzt sich das Thema „Asylbewerber in Deutschland“ immer weiter zu. In den Sozialen Netzwerken werden viele Geschichten erzählt. Zum Beispiel, dass eine Frau von einem dunkelhäutigen Mann im Parkhaus eines Kaufhauses im Auto bedrängt wurde. Das erzählt die Freundin einer Freundin, die es von den Nachbarn gehört haben will. Ob man diesem Glauben schenken mag, bleibt jedem selbst überlassen. Einige sehen den Flüchtlingsstrom gar als „Untergang des Abendlandes“. Diskussionen führen auch zu keinem Ergebnis, wie man es oft, wenn man abends den Fernseher einschaltet, sehen kann. Dass nicht jeder Asylbewerber eine Straftat begangen hat, sollte (hoffentlich) klar sein.

Dass es auch im Landkreis eine differenzierte Sicht auf Flüchtlingsthemen geben soll, dafür plädiert die Caritas. Den sozialen Frieden beibehalten, das ist der Tenor. Wie das die Caritas schaffen möchte, erklärten mehrere Fachkräfte vor kurzem in Garmisch-Partenkirchen. „Wir haben 1300 Asylbewerber im Landkreis. Wir betreuen die Flüchtlinge in allen Unterkünften. Darunter sind auch 18 Plätze in der stationären Jugendhilfe. 350 ehrenamtliche Helfer stehen uns momentan zur Seite“, erklärte Alexander Huhn, Caritas Kreisgeschäftsführer. Sarah-Jean Buck ist Leiterin der Fachdienststelle für Asylberatung. Seit dem Umzug im Januar können sie und ihre Stellvertreterin Laura Eder ohne Terminvereinbarung Asylbewerbern unkompliziert helfen. Oft geht es um Einschulungen der Kinder, Ämtergänge, Familienberatung u.v.m. „Wir hatten bisher keine Schwierigkeiten. Wir vermitteln auch Werte, die wir hier in Deutschland leben. Zu uns sind die Flüchtlinge immer sehr höflich und dankbar, wenn wir ihnen weiterhelfen“, erklärte Buck.

Ein Asylbewerber darf, solange das Landratsamt es erlaubt, nach drei Monaten in Deutschland arbeiten. Aber nur dann, wenn die Stelle nicht ein Deutscher oder EU-Bürger antreten kann. Einige Flüchtlinge haben eine Ausbildung in ihrem Herkunftsland genossen. Diese Papiere zu übersetzen und beglaubigen zu lassen, dauert aber bis zu sechs Monate. „Wir müssen uns da Schritt für Schritt durcharbeiten“, so Eder. Es kommt vor, dass dann ein Akademiker als Spüler in der Gastronomie landet, bis er seine Dokumente fertig hat. „Da könnte man vom Jobcenter ein bisschen mehr Geschmeidigkeit erwarten“, fordert Huhn. Elisabeth Klump ist für die Jobvermittlung zuständig. Sie wünscht sich, dass mehr Handwerksbetriebe Flüchtlinge beschäftigen würden. Sie versteht aber auch, dass dies sehr zeitaufwendig ist und sich nicht jeder diese Zeit nehmen kann.

Aus Flüchtlingen werden Migranten

18 männliche Minderjährige aus Somalia, Afghanistan, Syrien und Eritrea leben in Garmisch-Partenkirchen. Birgit Weiß ist Fachdienstleiterin bei der stationären Jugendhilfe und sie kennt die Realität dieser Jugendlichen. Diese ist fast dieselbe, wie bei deutschen Jugendlichen, die mitten in der Pubertät stecken. „Da wird untereinander auch gestritten und es fliegt mal ein Topf. Aber das ist noch im Rahmen“, sagt sie. Ziel der Jugendhilfe ist es, den jungen Flüchtlingen eine Unterstützung zu geben, dass sie bei Volljährigkeit ausziehen können, sich zurecht finden, einen Abschluss machen und eine Ausbildung bekommen. „17 von ihnen besuchen die Schule und einer ist noch im Alphabetisierungskurs“, so Weiß. Sieben Tage die Woche für 24 Stunden ist pädagogisches Personal vor Ort und zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wird. „Die Helfer sind meist weiblich und das klappt sehr gut miteinander. Da gibt es keine Probleme.“

"Ihnen ist es peinlich"

Dass, was in Köln passiert ist, ist vielen Asylbewerbern peinlich und unangenehm, weiß Alexander Huhn. Auf die vielen Fragen zur Asylpolitik gibt es keine einfachen Antworten. „Asyl-Talkshows, sie sozialen Medien und die Polemik, die hier betrieben wird, machen uns unsere Arbeit nicht einfacher“, so der Kreisgeschäftsführer. Von der vielfach geforderten „Obergrenze“ hält die Caritas Garmisch-Partenkirchen nichts. Die Einrichtung ist von der „Strategie“ der Regierung enttäuscht. Sie wünschen sich höhere Fördergelder, da ein Drittel der Kosten von der Caritas bzw. der Erzdiözese übernommen werden. Auf 150 Flüchtlinge kommt ein Berater. In Oberbayern gibt es mittlerweile über 100 Asylsozialberatungsstellen. Sie tragen einen großen Teil zum sozialen Frieden bei, hieß es im Pressegespräch. Finanzielle Hilfe gibt es von der Langmatz- und der Bürgerstiftung. „Dafür sind wir sehr dankbar“, erklärte Huhn.

Die Beratungsstelle für Migration vom Sozialdienst katholischer Frauen ist für anerkannte Flüchtlinge da. Die Mitarbeiter unterstützen bei der Antragsbearbeitung, beruflichen Orientierung, bei der Vernetzung von Behörden sowie bei der Alltagsbewältigung. German Kögl, Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen: „Aus Flüchtlingen werden Migranten.“ Wer mehr über die Arbeit mit Flüchtlingen wissen möchte, kann weitere Infos im Internet auf „Asyl in Gap“ finden, allerdings erst in zwei Wochen, wenn die Seite fertig ist.

Von Alma Jazbec

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