Sondereinheit in Garmisch-Partenkirchen für das ganze Oberland zuständig

CBRNE-Einheit des BRK seit einem Monat im Dauereinsatz

BRK Spezialeinheit
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Beim Anlegen der Schutzausrüstung muss jeder Handgriff sitzen.

GAP – Bisher waren sie nur Filmfiktionen, wie in „Outbreak“, „Contagion“ oder „I am Legend“: Menschen in signalfarbenen Schutzanzügen, die eher an Astronauten denn an Wissenschaftler oder Ärzte erinnern. In Zeiten von Corona sind sie auch bei uns zum Alltag geworden.

Sie kümmern sich in Garmisch-Partenkirchen um die Versorgung von Patienten, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Ihre Ausrüstung sieht nicht ganz so martialisch aus wie in den Filmen, doch sie verbreiten in ihren Schutzanzügen mit drei Lagen Gummihandschuhen, Atemmasken und Schutzbrillen ein mulmiges Gefühl. „Wir können Menschen nur in solche Einsätze schicken, wenn wir sie bestmöglich vor einer Ansteckung schützen“ sagt Hans Steinbrecher, der die sogenannte CBRNE-Einheit des Roten Kreuzes im Landkreis Garmisch-Partenkirchen leitet. 

Das Kürzel steht für Einsätze mit chemischen, biologischen, radiologischen, nuklearen oder explosiven Stoffen und Materialien. Elf solcher Einheiten gibt es in Bayern, die Garmisch-Partenkirchner sind für das gesamte Oberland zuständig. Weil glücklicherweise solche Einsätze eher die Ausnahme sind, kommen die Spezialisten im Umgang mit gefährlichen Stoffen außerhalb von Pandemiezeiten nur selten zum Einsatz. 2017 etwa, als im Wellenberg in Oberammergau ein Unfall mit Chlorgas für Aufregung sorgte. Oder 2015, als einige Gegendemonstranten des G7-Gipfels von Tränengas gereinigt werden mussten. Trotz der vergleichsweise wenigen Einsätze müssen die Spezialisten permanent den Umgang mit Schutzausrüstungen und Hilfsmitteln üben. Damit sie in Krisensituationen einsatzbereit sind. Wie jetzt während der Coronakrise. 

„Trotz des Dauerstresses ist die Stimmung gut“, erzählt Steinbrecher. „Alle Helfer sind nach wie vor mit großem Engagement dabei“. Besser vielleicht sogar als bei den Übungen, die sonst den Alltag bestimmen. Denn die 13 Mitglieder der Schnelleinsatzgruppe Gefährliche Stoffe und Güter (SEG GSG) wie sie in der Nomenklatur der Katastrophenschützer offiziell heißen, werden überall gebraucht. Als Einsatzkräfte, aber auch als Anleiter für Rettungsdienstmitarbeiter, die derzeit auch COVID-19-Patienten in die Kliniken fahren. Seit einem Monat befinden sich durchgehend sechs bis acht Rotkreuz-Retter im Dauereinsatz. 

Nur an zwei Sonntagen gab es bisher Pause. Ansonsten rücken sie täglich aus, um bei Verdachtspersonen zu Hause oder im „Drive-In“ in Garmisch Abstriche vorzunehmen. Oder bei den bislang drei Massentestungen in Seniorenwohnheimen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Am bisher größten Einsatztag kamen 140 Tests innerhalb eines Vormittags zusammen. Immer mit dabei Hans Steinbrecher und sein Stellvertreter Benedikt Oswald. Steinbrecher ist stolz darauf, dass sich bislang keiner seiner Helfer selbst mit dem Virus angesteckt hat. „Das zeigt, dass jeder Handgriff sitzt und sich die vielen Übungen gelohnt haben“. 

So müssen zum Beispiel mehrere Lagen Gummihandschuhe übereinander angezogen werden, damit später beim Ausziehen kein möglicherweise kontaminiertes Stück der Schutzausrüstung mit bloßen Händen angefasst werden muss. Die Gummihandschuhe werden zudem mit Klebeband mit dem Schutzanzug verklebt, um dem Virus kein Schlupfloch zu lassen. „Jeder Mann der in den Einsatz geht, hat einen Helfer, der ihm beim An- und Ausziehen hilft und darauf achtet, dass sich keine Nachlässigkeit später zu einem Gesundheitsrisiko entwickelt“. Am Ende landet die komplette Schutzausrüstung in einem eigenen Müllsack der als Sondermüll entsorgt wird. Nur die Brillen werden desinfiziert und wieder verwendet. Wie lange die Krise noch dauert und damit auch der tägliche Einsatz, weiß im Moment niemand. „Ein paar Wochen werden wir sicher noch ausrücken“, schätzt Steinbrecher. kb

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