Seit fünf Jahren gibt es Cheerleader im Olympia-Eissportzentrum

Icequeens im Scheinwerferlicht

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Die Cheerleader (von links): Alexandra Mai, Mirka Klöck, Sabine Aurhammer, Maresa Meier, Marie Käufer, Agnes Bieber, Lara Müller-Steinfahrt, Juina Klotz, Babsi Leitenbauer, Aurelia Glaser, Lea-Mara Aurhammer, Lilith Glatthor.

GAP – Wo stecken diese Cheerleader? Vortags hatte es per Email geheißen: „Treffpunkt beim Haupteingang.“ Aber dieses Tor ist an besagtem Montagabend fest verschlossen, und rechts um die Ecke durch den Spielereingang geht es auch nicht weiter. Von den Cheerleadern keine Spur.

Ein Großgewachsener schlurft daher und grinst, scheint ein Eishockeyspieler zu sein. Der kennt sich bestimmt aus: „Wo es zu den Cheerleadern geht? Keine Ahnung, aber es gibt sie.“ Klaro, nur wo? Wieder zurück beim Haupteingang des Olympia Eissportzentrums in Garmisch-Partenkirchen: Licht scheint jetzt durch einen halb zugezogenen Vorhang; dass gab es vor ein paar Minuten noch nicht. Ein bisserl spannen: Junge Frauen sind zu erkennen. Ihre Haare wirbeln zum Rhythmus der Musik. Gefunden...

Sekunden später sprudeln drei, vier Mädchen aus einer kleine Seitentüre ins Freie. Trotz der Kälte tragen sie weiße T-Shirts mit den aufgedruckten Buchstaben SCR. Sabine Aurhammer ruft „Hallo!“. Die Oberammergauerin ist die Chefin der Garmisch-Partenkirchner Cheerleader:„Willkommen bei den Icequeens!“

Vor einem großen Spiegel im Gymnastiksaal des Stadions formiert sich die Gruppe. Aus einem CD-Player quillt die Musik. Mit den ersten Tönen beginnen die Mädchen im Takt zu hüpfen. Die Arme in die Höhe. Mit der Taille kreisen. Rumpfbeugen. Die Bewegungen der Tänzerinnen werden immer schneller. Schon klar, warum ihre Wangen leicht rosa schimmern und ihnen ein paar Schweißperlen auf der Stirn stehen; scheint anstrengend zu sein. Hochtourig tanzen verlangt Kondition und Rhythmusgefühl. Cheerleading ist richtiger Sport!

Leidenschaft für den Tanz und für das Eishockey

Zur kurzen Pause sitzen die Mädchen im Halbkreis, stellen sich vor: Sabine, Mirka, Heidi, Babsi, Marie, Aurelia, Lea, Agnes, Luina, Lilith, Lara und Maresa. Anna, Tina, Jasmine, Mona, Jassi gehören ebenfalls zum Team, haben aber momentan keine Zeit zum aktiven Cheerleading . Die meisten sind Schülerinnen, ein paar studieren. Gemeinsam verbindet sie ihre Leidenschaft für das Tanzen, wobei einige von ihnen bereits Erfahrungen in Studios zwischen München und Garmisch-Partenkirchen sammelten oder auch in Gardevereinen. Schlittschuhlaufen mögen sie sowieso. Und Eishockey? Sabine Aurhammer, die bereits mit DJ Bobo auf der Bühne stand: „Klar schauen wir nach unseren Auftritten das Match an und fiebern mit der Mannschaft. Eishockey ist ein superschneller Hochleistungssport, der von den Jungs jede Menge Kondition und Balance abfordert. Uns fasziniert, dass Sekunden über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Da geht es zur Sache!“

Auftritte vor den Heimspielen

Die Icequeens gibt es seit fünf Jahren. Das ist eine vereinsfreie Tanzgruppe, die sich als Teil des SC-Riessersee sieht. Die Idee war in einem Garmisch-Partenkirchener Fitness-Studio geboren worden, und nach anfänglicher Skepsis konnten die Mädchen die Geschäftsführung des SCR von der Sache überzeugen. Sabine Aurhammer ist von Anfang an dabei und kümmert sich seit 2014 um die Organisation, um das Marketing, Training und Choreografie. Unterstützt wird die Betriebswirtin von Co-Trainerin Mirka Klöck.

Natürlich sollte man sich die Icequeens direkt beim Eishockey ansehen – immer vor den Heimspielen des SCR. Die brodelnde Atmosphäre im Stadion ist unvergleichlich. Nach der Saison allerdings kann man die Gruppe gelegentlich als Showtanzakt bei Firmen- und Vereinsfeiern erleben. Sie waren bereits beim FC Garmisch und beim TSV Murnau zu Gast. Die Icequeens sind reine Amateur-Sportlerinnen, ohne Sponsoren geht es trotzdem nicht. Die Outfits und die für Cheerleader typischen Pompons sind teuer. Sabine Aurhammer: „Wenn wir dürfen, nutzen wir die Gelegenheit, uns einmal bei Uwe Sengele (Krawatte), Uwe Meier (Kanzlei Jaklitsch & Meier) sowie Patric Engelbach (Subway) zu bedanken. Aber zu allererst bei der Vereinsleitung des SC Riessersee für deren Unterstützung.“

Show und Tanz mit Akrobatik

Beim Fototermin in der Eishalle funkeln und blitzen die Augen der Frauen. Trotz der Kälte fühlen sie sich hier wohl. Sabine Aurhammer schwärmt, beschreibt die Szene: „Ein paar tausend Menschen fiebern im Stadion einem spannenden Match entgegen. Das Licht geht aus. Unser Einlauflied beginnt. Im Spotlight laufen wir die Treppe auf der Seite des alten Foyers runter. Hier zeigen wir schon einmal eine erste Choreografie. Dann geht es weiter zum Fanblock, heizen den Leuten mit einer weiteren Performance ein.“ Nun aufs Eis. Das Programm auf dem rutschfesten Teppich dauert fünf bis sechs Minuten. Drei oder vier Lieder haben die Cheerleader für ihre Show zusammengeschnitten. Meist sind das tanzbare Melodien aus den aktuellen Hitparaden. Shakira kennt jeder. Für das ältere Publikum sind schon einmal Ohrwürmer aus den 80er oder 90er-Jahren dabei. Zum Abschluss gibt es einen Stunt, eine Hebefigur. Dann kommen die Spieler aufs Eis.

Anfeuernde Sprechgesänge – sogenannte Cheers, wie man das von amerikanischen Cheerleadern, den Squads, kennt – funktionieren im Eisstadion nicht. Da sind die Nebengeräusche zu ausgeprägt. Beim American Football oder beim Baseball ist das etwas anderes, da werden die Teams auch während des Spiels wirklich lautstark angeheizt. Die Icequeens machen Cheer-Dance; dabei stehen Show und Tanz mit Akrobatik-Elementen im Mittelpunkt. Die Zuseher sind begeistert, tosender Applaus ist jedesmal der beste Lohn.

Mitstreiterinnen jederzeit willkommen

Die Garmisch-Partenkirchner Cheerleader sind zwischen 14 und 35 Jahre alt und immer auf der Suche nach Mädchen, die mitmachen wollen. Sabine Aur­hammer: „Im Sommer hören ein paar Tänzerinnen auf, wegen Berufsausbildung oder Studium. Wir können Nachwuchs gebrauchen.“ Die Gruppe trainiert montags und donnerstags von 19 bis 20.30 Uhr im Eisstadion. Während der Eishockeysaison steht die Vorbereitung auf die aktuelle Show im Vordergrund, im Sommer wird die neue Choreographie erarbeitet und einstudiert – dabei schauen die Werdenfelserinnen gelegentlich über den großen Teich und spitzen sich bei den dortigen, professionellen Cheerleadern den einen oder anderen Tanzschritt ab.

Wer gerne tanzt und keine Scheu vor Publikum hat, älter als 14 Jahre ist und sportlich noch dazu, schickt eine kurze Nachricht an die Mailadresse scr-icequeens@gmx.de.

Sabine Aurhammer: „Viel Tanz­erfahrung muss niemand mitbringen. Wir binden die Neuen ins Training mit ein und schauen, ob wir zusammenpassen."

von Günter Bitala

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