Wichtiger Beitrag zur Eindämmung von Covid-19

Contact Tracing Teams: Dem Coronavirus auf der Spur

Die Mitarbeiter der Contact Tracing Teams haben vollen Einsatz bei der Eindämmung der Corona-Pandemie gezeigt.
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Die Mitarbeiter der Contact Tracing Teams haben vollen Einsatz bei der Eindämmung der Corona-Pandemie gezeigt.

GAP – Das Erdgeschoss des Alten Finanzamts erinnert an die Räume eines Ermittlungsbüros: Große Landkarten bedecken die Wände, Mitarbeiter sitzen konzentriert an ihren Rechnern, tippen Daten ein oder telefonieren. Kaum zu glauben, dass man sich in einer provisorisch eingerichteten Abteilung des Gesundheitsamts befindet. Hier arbeiten seit einigen Wochen die Contact Tracing Teams mit großem Einsatz.

Die Arbeit der Contact Tracing (Übersetzung: Kontaktrückverfolgung) Teams (CTT) ähnelt der Spurensuche eines Detektivs. Was in den Nachrichten kurz und sachlich abgehandelt wird, nimmt unheimlich viel Zeit und Aufwand in Anspruch. „Rückverfolgung der Infektionsketten“, „Kontaktpersonen ermittelt“, „unter Quarantäne gestellt“ – kaum jemand kann sich vorstellen, was hinter diesen Begriffen an Arbeit steckt. 20 zusätzliche Mitarbeiter waren bis heute für das Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen im Einsatz. Viele von ihnen sind Beamtenanwärter und wurden vorübergehend vom Finanzamt versetzt. Auch Amtsärzte, Medizinstudenten und weitere Mitarbeiter mit medizinischer Vorbildung werden für das Contact Tracing eingesetzt. 

Betreuung der Quarantäne-Betroffenen sehr aufwendig

Gemeinsam waren sie dafür verantwortlich, die Kontaktpersonen von Covid-19-Infizierten zu ermitteln und sie während der Quarantänezeit zu betreuen. Konkret bedeutet das, dass die Mitarbeiter der CTT täglich bei den Quarantäne-Betroffenen anrufen und ihren gesundheitlichen Zustand dokumentieren. Sie prüfen, ob sich die Personen an die Quarantänevorschriften halten. Sie organisieren bei Bedarf medizinische Behandlungen unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um Covid-19-Symptome handelt oder einen schmerzenden Zahn – solange der Patient unter Ansteckungsverdacht steht, darf niemand gefährdet werden. 

Überstunden in der Anfangszeit der Pandemie

Pro infizierter Person kann man im Durchschnitt etwa mit fünf Kontaktpersonen rechnen, die ermittelt und beaufsichtigt werden müssen. Die Außenstelle im Alten Finanzamt war sieben Tage die Woche besetzt. Michael Voß, Hygieneinspektor des Gesundheitsamts Garmisch-Partenkirchen, erinnert sich: „Ohne diese Unterstützung hätten wir in der Hochphase die Arbeit unmöglich bewältigen können. Bevor die Teams im Einsatz waren, sind wir teilweise bis tief in die Nacht im Büro gesessen.“ Unzählige Überstunden seien angefallen, denn für die zusätzlichen Aufgaben während der Pandemie sei das Gesundheitsamt unterbesetzt gewesen. Nun kehren die Beamtenanwärter wieder zu ihren Ausbildungsstellen zurück. Voß bedauert, dass die Gruppe auseinandergerissen wird: „Wir sind ein eingespieltes Team, die Auszubildenden haben ausgezeichnet gearbeitet.“ Doch selbstverständlich müssten sie jetzt wichtige Prüfungen ablegen. „Bei der momentanen Infektionslage kommen wir aus, wenn die Zahlen aber wieder steigen sollten, brauchen wir dringend Unterstützung“, schätzt Voß die Lage ein. 

Leistung des Gesundheitsamts wird häufig nicht anerkannt

Dass in unserer Region die Infektionszahlen so stark zurück gegangen sind, ist mitunter dem Einsatz der Contact Tracing Teams zu verdanken. Doch in der Bevölkerung wird diese Leistung oft übersehen. „Wir kriegen häufig wütende Anrufe, werden sogar beschimpft“, berichtet Voß. Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen wurden von der Politik teilweise sehr dynamisch umgesetzt, Änderungen wurden häufig erst kurzfristig bekannt gemacht. Die Bürger können Pressekonferenzen heutzutage live im Internet verfolgen und erwarten, dass das Gesundheitsamt in Echtzeit informiert ist. Das sei aber nicht der Fall. „Wir kriegen Änderungen im ersten Moment selbst nur aus dem Internet mit. Bis eine verlässliche offizielle Mitteilung kommt, dauert es einige Zeit“, erklärt Michael Voß. Seit fast 25 Jahren ist der Leiter der Abteilung „Seuchen und Umwelthygiene“ mittlerweile beim Gesundheitsamt. „Erst jetzt wird langsam erkannt, wie wichtig unsere Arbeit ist.“ Bleibt zu hoffen, dass auch die notwendige Wertschätzung folgt. 

Conie Morarescu

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