Gold für Dahlmeier auch im letzten Rennen der WM

Bravo, Laura!

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Laura Dahlmeier enteilte der Konkurrenz.

GAP/Hochfilzen - Sechstes Rennen – sechste Medaille und zum fünften Mal Gold. Es gibt keine Superlative mehr für die Leistung, die Laura Dahlmeier bei den Weltmeisterschaften in Hochfilzen lieferte. Nach ihrem Sieg im abschließenden Massenstart sammelte die Partenkirchnerin als erste Biathletin überhaupt fünf Goldmedaillen bei einer WM.

Dahlmeier ist außerdem die erste, die elf WM-Medaillen in Serie schaffte. Und schließlich ist sie nun auch die erfolgreichste Deutsche bei einer einzelnen WM. „Ich hätte nie gedacht, dass das möglich ist“, sagte Dahlmeier. „Das ist gigantisch, Wahnsinn, wie das alles ausgegangen ist. Das ist ein ganz großes Geschenk.“ Und sie strahlte, wie es in Tirol schon zur Gewohnheit geworden war. Ihr Trainer Gerald Hönig adelte sie: „Ich hatte noch nie eine so komplette Biathletin.“ Dahlmeier siegte vor der am Schießstand ebenfalls fehlerfreien US-Amerikanerin Susan Dunklee (+4,6 Sekunden), Bronze ging an die Finnin Kaisa Mäkäräinen (1/+20,1). Gleichzeitig war Dahlmeier die dritte Biathletin nach Berger (2013) und der Französin Marie Dorin-Habert (2016), die in jedem Rennen einer WM eine Medaille holte.

Die Entscheidung fiel auf der Schlussrunde, die Dunklee mit einem Vorsprung von 5,2 Sekunden in Angriff genommen hatte. Schritt für Schritt näherte sich Dahlmeier, beim langen Anstieg setzte sie dann die entscheidende Attacke. Auf der Zielgeraden durfte sie sich dann von Tausenden Fans feiern lassen. „Es war ein Katz und Maus-Spiel, es war jede Runde das Gleiche. Am Ende sah sie nicht mehr ganz so fit aus, da bin ich dann vorbeigezogen. Aber ich glaube, sie freut sich auch über ihre Medaille“, sagte die Siegerin zum Duell mit dem US-Girl. Nach dem Zieleinlauf wurde die 23-Jährige indes erst einmal von Mannschaftsarzt Klaus-Jürgen Marquardt gecheckt. Nach zwei Schwächeanfällen in den vergangenen vier Tagen wollte man beim Deutschen Ski-Verband (DSV) auf Nummer sicher gehen. „Ich glaube, die Zweifel waren vor allem um mich herum. Das hat man schon gemerkt, ich habe viele Nachrichten bekommen, wie es mir geht. Alle haben mir viel Kraft und Glück gewünscht. Ich soll auf meinen Körper hören“, sagte Dahlmeier. Bei der Siegerehrung versicherte sie dann den 22.300 Zuschauern: „Es geht mir gut. Ich habe es mir ganz gut eingeteilt, alles ist wunderbar.“

Für die Konkurrenz dagegen war Dahlmeier der lächelnde Albtraum dieser Titelkämpfe. Dass die Deutsche in der Loipe kaum zu schlagen sein würde, ist jeder im Weltcup klar. Dass sie inzwischen aber auch kaum noch Schwächen beim Schießen zeigt, und wenn doch, dann nur solche, die sie in der Loipe korrigieren kann, demoralisiert all die, die sich selbst Hoffnungen gemacht hatten, den ein oder anderen WM-Titel zu holen. Einzig Gabriela Koukalová mit ihrem Sieg im Sprint - vier Sekunden vor Dahlmeier - verhinderte einen vollständigen Triumph der DSV-Vorzeigeathletin. Das Geheimnis des Erfolges gliedert sich bei Dahlmeier in drei Aspekte auf. Zum einen ist da ihre Technik und Physis auf den Skiern, dann ihre taktische Flexibilität auf der Strecke und schließlich ihre mentale Stärke am Schießstand. Und nun? „Das größte Verlangen ist jetzt, ganz in Ruhe und entspannt an der Berg zu gehen. Heute wird sich das nicht mehr ausgehen. Die nächsten zwei, drei Tage müsste das aber drin sein“, sagte sie zum Abschluss „ihrer“ Titelkämpfe.

Zwei Rekorde

Laura Dahlmeier lag entkräftet im Schnee, dann bejubelte sie auf den Schultern der Teamkolleginnen ihr Wintermärchen: Die überragende Biathletin der WM hat die deutsche Frauenstaffel wie vor zwei Jahren zu Gold geführt und stellte mit ihrem vierten Titel am Freitag in Hochfilzen gleich zwei Rekorde auf. Als erste Athletin überhaupt holte die Partenkirchnerin saisonübergreifend zehn WM-Medaillen in Serie (am Sonntag kam noch die elfte hinzu). Außerdem überflügelte sie Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner als erfolgreichste Deutsche bei einer WM. Neuner hatte 2011 in in Chanty-Mansijsk dreimal Gold und zweimal Silber gewonnen. „Das war ein gigantischer Tag für uns, die Rekorde sind fantastisch. Vor allem will ich aber herausheben, dass wir eine super Staffel hatten. Wir haben gewusst, dass wir gewinnen können“, sagte Dahlmeier. Vieles deutete im Vorfeld auf einen deutschen Erfolg hin, schließlich hatte das DSV-Quartett in diesem Winter alle Staffelrennen gewonnen. Die einzige WM in diesem Jahrtausend ohne Medaille war 2013 in Nove Mesto gewesen, als Dahlmeier ihr erstes Weltcup- und WM-Rennen bei den „Großen“ überhaupt bestritt – damals überzeugte sie im Gegensatz zu ihren drei Teammitgliedern. Vier Jahre sind seit diesem Tag vergangen, und Dahlmeier ist mittlerweile die dominierende Person bei den Frauen.

Am Freitag bestritt Dahlmeier als Schlussläuferin zunächst ein einsames Rennen an der Spitze. Knapp zehn Sekunden betrug ihr Vorsprung beim Wechsel und es war klar: Würde sie ihre Normalform erreichen, wäre Gold so gut wie sicher. Doch Dahlmeier benötigte drei Ersatzpatronen und machte es noch einmal spannend. Es sollte dennoch reichen, im Ziel lag Deutschland 6,4 Sekunden vor der Ukraine und 8,1 vor Frankreich. Startläuferin Hinz hatte zuvor ihren Job mit ein paar Wacklern erledigt. Nachdem sie im ersten Anschlag alle Scheiben im ersten Versuch abgeräumt hatte, schoss sie Stehend zweimal daneben. Die Strafrunde drohte - doch Hinz machte mit zwei Nachladern auch die letzten Scheiben weiß. „Ich wollte es zu schnell machen. Wenigstens habe ich aber die Nachlader reingebracht, also passt es schon“, sagte die 24-Jährige, die Hammerschmidt mit 10,6 Sekunden Rückstand zur Spitze als Dritte auf die Strecke schickte. Die 27-Jährige, die nicht zur Bronze-Staffel 2016 gehört hatte, schoss liegend einmal daneben. Weil sie ihre Patronen aber schneller als die Konkurrentinnen abfeuerte, verlor sie trotz des Nachladers kaum Zeit. Beim nächsten Anschlag war sie der Strafrunde sogar noch näher als vor ihr Hinz - es ging gerade noch gut. „Es war echt nicht einfach, meine Beine waren ziemlich zittrig“, sagte Hammerschmidt. 6,0 Sekunden betrug die Lücke zwischen Italien und dem DSV-Team zur Halbzeit, als Hildebrand übernahm. Die 29-Jährige, in diesen Tagen die schwächste deutsche Skijägerin, überzeugte: Sie übernahm nach nur 1,1 km die Führung und schoss toll: Zehn Schüsse und zehn Treffer waren die Folge sowie ein Vorsprung, den Dahlmeier nach Hause brachte. „Man hat heute gesehen: Das war kein Selbstläufer. Wir mussten mit den wechselnden äußeren Bedingungen im Vergleich zu den Vortagen zurecht kommen. Aber ein Riesenkompliment an die Mädels“, war Bundestrainer Gerald Hönig glücklich.

Von Titus Fischer

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