Zwei Siege für die Partenkirchnerin bei den Heimrennen

Dahlmeier-Festspiele in Ruhpolding

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Laura Dahlmeier im ZDF-Interview, unmittelbar nach ihren Hammersiegen.

GAP/Ruhpolding – Das war der Hammer: Laura Dahlmeier hat am vergangenen Wochenende zwei Weltcupsiege bei den Heimrennen in Ruhpoding gefeiert – ab Donnerstag stehen weitere drei Rennen im oberbayerischen Biathlonmekka auf dem Programm.

Den Auftakt in Ruhpolding, das für das schneelose Oberhof einsprang, machte das Sprintrennen am Freitag. Hier siegte Franziska Hildebrand, die zum zweiten Mal in einem Sprintrennen ganz oben stand. Die 28-Jährige siegte vor der Gesamtweltcup-Führenden Gabriela Soukalova aus Tschechien (+0,3 Sekunden) und Kaisa Makarainen aus Finnland (+2,3). Für Hildebrand war es der achte Weltcup-Erfolg insgesamt.“Mit Braten und überhaupt gutem Essen habe ich meine Akkus über Weihnachten aufgeladen und mich im Kreis meiner Familie erholt“, sagte sie. „Wir hatten heute wirklich tolle Ski, das war mit die Grundlage für dieses Super-Ergebnis. Die groben Vorzeichen haben sich nicht geändert, aber ich weiß jetzt einfach, dass ich ganz vorne reinlaufen kann, wenn es ohne Fehler am Schießstand geht. Wer am Schießstand gut arbeitet, kann vorne weit reinlaufen.“ Platz vier ging trotz eines Schießfehlers an Laura Dahlmeier (+2,8). Die Partenkirchnerin überzeugte in Ruhpolding vor allem in der Loipe. Vom Infekt, der die 22-Jährige über den Jahreswechsel geplagt hatte, war nichts mehr zu merken. „Es freut mich wahnsinnig, dass es schon so gut geht. Umso ärgerlicher ist aber auch der Fehler im Schießen“, sagte Dahlmeier, die in der Loipe die Bestzeit erzielte. „Das überrascht mich schon, aber umso ärgerlicher ist es, dass ich den einen Fehler geschossen habe. Nervös war ich eigentlich nicht unbedingt, aber das ist halt Biathlon - und menschlich.“ Hildebrand war Mitte Dezember in Hochfilzen ihr erster Sieg im Weltcup gelungen. „Franziska musste sich ihren Erfolg über Jahre hart erarbeiten. Dahinter stecken viele tausende Kilometer und hunderte Stunden im Kraftraum“, sagte Bundestrainer Gerald Hönig. „Gerade Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier stehen sehr stabil da. Franziska musste sich diesen Erfolg über Jahre erarbeiten, sie hat sich sehr kontinuierlich verbessert, das zahlt sich jetzt aus.“ Miriam Gössner (+1:49,8 Minuten/4) aurde 46. und schaffte so die Qualifikation für das Verfolgungsrennen am Samstag. Hier lief Dahlmeier auf Rang eins. Sie siegte mit 7,3 Sekunden Vorsprung vor der Tschechin Gabriela Soukalova. Als Dritte landete die Italienerin Dorothea Wierer (53,6 Sekunden zurück) ebenfalls auf dem Podium.“Es war ganz schön hart, man hat es gesehen, auf der letzten Runde war es ein brutaler Fight“, sagte Dahlmeier nach ihrer Gala-Vorstellung. „Ich bin super happy. Das Kämpferherz auf der letzten Runde war ausschlaggebend, ich musste bis zum letzten Meter kämpfen.“ Es war ihr fünfter Weltcupsieg. „Ich hab mir gewünscht, ich wär auf der Couch und hätt‘s nur im Fernsehen gesehen,“ meinte die Partenkirchnerin. Sprint-Siegerin Hildebrand konnte nicht ganz an die Leistung vom Freitag anknüpfen und wurde nach insgesamt vier Schießfehlern Neunte. Drittbeste Deutsche war Vanessa Hinz auf dem 29. Rang. Miriam Gössner wurde mit vier Fehlern 38. Am Sonntag siegte Dahlmeier erneut. Ohne Fehlschuss setzte sie sich gegen die Französin Marie Dorin Habert und Tiril Eckhoff aus Norwegen durch. Gössner kam mit fünf Fehlern auf Rang 24. „Heute war es ein perfektes Rennen für mich, ein Wahnsinn, ein Traum, ein geiles Rennen“, sagte Dahlmeier. „Ich fühle mich gerade richtig stark, jedes Rennen macht richtig Spaß.“

Damit haben die deutschen Biathletinnen gezeigt, dass sie wieder eine Macht sind. Angeführt von den siegreichen Laura Dahlmeier und Franziska Hildebrand lieferten die Skijägerinnen erneut den Beweis, dass sie mit großer Nachhaltigkeit den Sprung zurück in die absolute Weltspitze geschafft haben. Dahlmeier schwingt sich langsam aber sicher zur größten WM-Hoffnung der deutschen Biathletinnen auf. Mit einer unfassbaren Souveränität und Abgezocktheit feierte die erst 22-Jährige beim Heim-Weltcup in Ruhpolding den ersten Doppelsieg ihrer Karriere und verwandelte die Chiemgau-Arena in ein Tollhaus. Angeführt von der Partenkirchnerin eilen die Damen weiter von Sieg zu Sieg und heizen knapp zwei Monate vor der WM in Oslo (3. bis 13. März) die Hoffnungen auf einen erfolgreichen Saisonhöhepunkt an. Denn durch den Sprinterfolg von Franziska Hildebrand gewannen die deutschen Damen erstmals seit fast vier Jahren wieder alle drei Einzelrennen bei einem Weltcup. „So was habe ich in diesem jungen Alter selten erlebt. Es ist beeindruckend, was Laura abliefert“, war auch Hönig von den Leistungen seiner Ausnahmeathletin fasziniert und verlor sich fast in Superlativen. Hätte Dahlmeier nicht wegen einer Krankheit die ersten drei Rennen gefehlt, wäre sie wahrscheinlich schon im Gelben Trikot. Sie ist die kompletteste deutsche Biathletin der letzten Jahre. Mit einem sehr hohen läuferischen Grundniveau und einer effektiven Technik ausgestattet, kann sie sogar gesundheitliche Rückschläge wie den Infekt über Neujahr, schnell kompensieren. Zudem agiert sie am Schießstand so abgeklärt, als wäre sie schon viele Jahre in der Weltspitze mitgelaufen. „Es ist der Wahnsinn, dass es schon jetzt so gut läuft. Davon habe ich immer geträumt.“ Mannschaftlich sind die Damen so stark wie lange nicht. „Das ist ein super cooles Gefühl, zu wissen, dass fast immer eine durchkommt. Mittlerweile ist es ja so, dass jede von uns in jedem Rennen ganz oben stehen kann“, sagte Dahlmeier. Angesichts von sechs Saisonsiegen und insgesamt 13 Podestplätzen wecken die Skijägerinnen Erinnerungen an die goldenen Zeiten mit Magdalena Neuner, Kati Wilhelm und Andrea Henkel, als das Motto hieß: Eine kommt durch. Denn außer in den ersten beiden Rennen stand immer mindestens eine Deutsche auf dem Podium. „Dieser gigantische Saisonverlauf ist eine schöne Momentaufnahme. Aber er ist kein Grund für Euphorie oder Selbstzufriedenheit“, mahnte Bundestrainer Gerald Hönig, wenngleich auch er den Höhenflug genießt: „Es macht gerade richtig Spaß.“ Auch Franziska Hildebrand legte endgültig ihr Image als zuverlässige „Mitläuferin“ ab und reifte zur Siegkandidatin. Lange Zeit galt die exzellente Schützin als läuferisch limitiert, jetzt zahlt sich ihre harte Arbeit aus. „Es ist ein geiles Gefühl, zu wissen, dass man vorne mitlaufen kann“, sagte die 28-Jährige. Am Donnestag geht es in Ruhpolding mit dem Einzelrennen über 15 Kilometer ab 14.15 Uhr weiter. Am Samstag folgt um 11.45 Uhr der Massenstart und am Sonntag um 11 Uhr die Staffel.

Von Titus Fischer

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