Das Oberland steht zusammen: Penzberger Initiative für den Einzelhandel nach dem Lockdown

Der Einzelhandel schlägt Alarm

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Die zwei Corona-Lockdowns haben tiefgreifende Folgen für Gewerbetreibende.

Region – Der Einzelhandel im Oberland macht angesichts der wirtschaftlichen Folgen durch die Corona-Pandemie mobil: Fast 30 Gewerbevereine, Organisationen und auch Kommunen haben sich der Resolution „Wir bluten aus!“ an die Staatsregierung angeschlossen. Sie fordern nach dem zweiten Lockdown Soforthilfe von der Politik. Die Initiative ging vom Verein Pro Innenstadt in Penzberg aus.

Die Situation der Einzelhändler in den Innenstädten des Oberlands „ist dramatisch“: Monika Uhl, Vorsitzende von Pro Innenstadt in Penzberg, nimmt kein Blatt vor den Mund. Zwei Corona-Lockdowns binnen Jahresfrist haben katastrophale Folgen für viele Gewerbetreibende. Die Unterzeichner warnen davor, dass gerade auch alteingesessene Geschäfte „unverschuldet in Not geraten“. Online-Alternativen wie „Click & Collect“ seien zwar nett, würden aber letztendlich nicht den Fachhandel ersetzen. Die Auswirkungen des Lockdowns gehen „viel tiefer“, warnt Uhl und beklagt „eine fehlende Perspektive“. Aus diesem Grund hat Pro Innenstadt von Penzberg aus eine oberlandweite Initiative gestartet. Die große Frage dabei: „Wie geht es nach dem Lockdown weiter?“. Klar ist den Initiatoren: „Wir müssen uns zusammenschließen um Gehör zu finden.“

Vergangene Woche fingen die Penzbergerin und ihre Pro Innenstadt-Mitstreiterin Tatjana Patermann an, Unterstützer zu sammeln. Die Resonanz war groß, denn mit der Resolution sprechen die beiden vielen Gewerbevereinen aus der Seele. In nur fünf Tagen hatten sie Institutionen von Miesbach über Geretsried, Bad Tölz, Penzberg, Weilheim, von Murnau bis Garmisch-Partenkirchen mit im Boot. Die Unterstützer kommen aus der ganzen Region 17. Sogar aus Pfaffenhofen, Marktoberdorf und Würzburg gingen Zusagen ein. Am vergangenen Donnerstag wurde die Resolution „Wir bluten aus!“ in Bad Tölz offiziell vorgestellt und dann der Staatsregierung übergeben. Verbunden mit fünf Forderungen an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Verlangt wird für den Bayern-Haushalt 2021 die Auflage eines Sonderfonds „Innenstadt“: Bereits ab Mai sollten die Kommunen daraus Gelder abrufen können, um die Ortszentren attraktiver gestalten zu können – mit baulichen Maßnahmen aber auch Veranstaltungen und Digitalisierung.

Zum Zweiten verlangen die Unterzeichner für heuer eine einmalige Befreiung der Kommunen von den strengen Grenzen für verkaufsoffene Sonntage. Drittens soll der Freistaat auf Bundesratsebene eine Initiative starten, um die Mittel der Städtebauförderung für 2021 zu verdoppeln. Viertens sollen Einzelhandelsbetriebe, die ein behördlich geprüftes sicheres Hygienekonzept haben, von einem weiteren Lockdown ausgenommen werden. Zu guter Letzt gehen die Initiatoren ein viel diskutiertes Thema an: Supermärkte und Discounterfilialen dürften während eines Lockdowns keine Produkte mehr verkaufen, die nicht zur Deckung des täglichen Bedarfs dienen, heißt es – wenn gleichzeitig der Einzelhandel seinen Geschäften nicht nachgehen darf.

Sofortmaßnahmen gefordert

„Es ist nicht 5 vor 12, es ist 12 Uhr“: Die aktuelle Stimmung unter den bayerischen Einzelhändlern ist ernüchternd. Bei einer Kundgebung in der Marktstraße von Bad Tölz verabschiedeten 28 Gewerbevereine und Organisationen für innerstädtisches Marketing aus dem gesamten Freistaat die an die Politik gerichtete Resolution „Wir bluten aus! Innenstädte fordern Soforthilfe von der Staatsregierung“. Zu den Unterzeichnern gehört auch die Werbegemeinschaft „Garmischer Zentrum“, für die Thomas Grasegger vom gleichnamigen Trachten- und Modehaus nach Bad Tölz gereist war. „Während man in den großen Supermärkten von Bekleidung über Bücher, Sportartikel und Blumen bis hin zu Elektrogeräten alles bekommt, was das Herz begehrt, ist es dem traditionellen Einzelhandel trotz akribisch ausgearbeiteter Hygienekonzepte untersagt, genau dieses Sortiment über Click & Collect hinaus anzubieten“, so Grasegger. Die wirtschaftlichen Folgen für die gesamte Branche seien verheerend. „Tausende von Arbeitsplätzen sind in Gefahr und den Innenstädten droht die Verödung“, betont Grasegger. Wenn nämlich der traditionelle Einzelhandel ausblute, „sterben die Zentren und verlieren ihre wichtige Funktion als Begegnungsstätte sowie als Mittelpunkt der Städte und Gemeinden“. Andreas Baarf

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