Das Staffelsee-Museum Seehausen erinnert an den »Schnitzenden Bahnhofswirt«

Eine Gaststube voller Masken, Spruchtafeln und Wappen

Josef Schranz
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Das Bayerische Staatswappen schnitzte Josef Schranz für seine Wirtsstube.
  • VonGünter Bitala
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Seehausen – John F. Kennedy besaß ein besonderes Souvenir aus Bayern. Eine Portraitmaske, gemacht von Josef Schranz. Persönlich kennenlernen konnte der ‚Schnitzende Bahnhofswirt‘ den amerikanischen Präsidenten nicht; aber ein Dankschreiben bekam er zugeschickt. Das Geschenk aus Zirbelkiefer übergaben Angehörige der in Murnau stationierten US-Streitkräfte, als JFK im Juni 1963 auf Stippvisite in Berlin war.

Vor 35 Jahren ist Josef Schranz gestorben. Das Staffelsee-Museum Seehausen erinnert mit einer Sonderausstellung an diesen bescheidenen, gastfreundlichen Mann.

Als Josef Schranz und seine Frau Carola 1949 am Staffelsee ankamen, hatte der gebürtige Burgenländer die Konzession zum Betrieb einer Bahnhofsgaststätte in der Tasche. Die völlig herunter gekommene Wirtschaft in Murnau wollte lange Zeit niemand übernehmen, Josef Schranz griff zu. Mit vier Tragerl Bier eröffnete Joschi – wie ihn Freunde nannten – den Schankbetrieb. 12,75.- D-Mark klimperten abends in der Kasse. Die Eheleute Schranz krempelten die Ärmel hoch, sperrten ihr Wirtshaus und den dazugehörigen Kiosk täglich von 6 Uhr in der Frühe bis Mitternacht auf.

Gute Gäste für sein Lokal waren stets Passagiere, die mit dem Zug aus München kamen ind in die Bahn nach Oberammergau umsteigen wollten. Das Passionsjahr 1960 wäre also ein lukratives Geschäft gewesen, aber nix: Es kamen Sonderzüge, die nur kurz anhielten und dann – ohne Umsteigen – weiter ins Ammertal fuhren. Josef Schranz dachte ein paar Tage nach, dann baute er sich einen Servierwagen und brachte Leberkäse, Brezel und Weißwürst‘ direkt zu den Menschen in den Eisenbahnwagen.

Mit viel Fleiß und guten Ideen machten die beiden Zuagroasten aus dem ursprünglich tristen Wartesaal eine urgemütliche Gaststätte. Die Attraktion waren hunderte von Holzmasken, Spruchtafeln sowie Wappen, die Schranz in wenigen Jahren schnitzte und damit seine Gasträume ausschmückte. In einer Ecke des Kiosk richtete er sich eine Werkbank ein, die Leute schauten von der Schalterhalle des Bahnhofes aus beim Schnitzen zu. Die Tages- und die Eisenbahnfachpresse berichteten über den ‚Schnitzenden Bahnhofswirt‘, lockten damit immer wieder Reisegruppen an.

Kindheit im Burgenland

Um das Geburtsdatum von Josef Schranz spinnt sich ein kleines Geheimnis; im Mai 1899. Den genauen Tag weiß niemand. Er ist in Bernstein im heutigen Burgenland (Österreich) geboren. Die Hebamme trug die Daten der Neugeborenen nur einmal pro Woche gesammelt im Geburtsregister ein.

Der Reichtum der Eltern waren ihre 14 Kinder. Die Familie war bettelarm, als die Eltern 1907 für sieben Jahre als Fremdarbeiter nach Amerika auswanderten. Die Kinder blieben als Hütebuben bei Verwandten und Bekannten im Burgenland. Josef absolvierte die Volksschule und begann eine Bäckerlehre. Dann kam der Krieg und der junge Mann wurde Soldat.

1921, wieder daheim, eröffnete Schranz eine Bäckerei. Mit der Kraxe trug er Semmeln und Brote aus. Bald war er Innungsmeister und Gewerbevorsteher.

1930 verließ Josef Schranz seine Heimat. Seine Habseligkeiten passten in eine Persil-Schachtel als er in München ankam. Jetzt arbeitete er als Kohleträger, Hausmeister, Stundenkontrolleur und Büroangestellter. Sein legendärer Fleiß und seine Zuverlässigkeit eröffneten immer neue Perspektiven: Bäckermeister und Filialleiter der Großbäckerei Leutner in München. Direktor des Hotels Wetterstein in Mittenwald. Geschäftsführer des Seehotels in Leoni am Starnberger See. 1937 bekam Josef Schranz die Pacht der Bahnhofswirtschaft in Mittenwald. Die Gaststätte wurde zum In-Treffpunkt in Mittenwald. Als er 1943 seine Carola Klettenhofer heiratete, und die drei Töchter Carola, Gitta und Maria zur Welt kamen, wähnte sich Josef Schranz am Ziel seiner Träume.

Neue Heimat: Murnau

Die amerikanischen Besatzer verhafteten Josef Schranz, brachten ihn 1945 nach Moosburg. Im Internierungslager begann Schranz zu schnitzen. Mit einer alten Rasierklinge machte er Holzlöffel für sich und seine Kameraden. Im Dezember 1946 durfte Josef Schranz wieder nach Hause zu seiner Familie. In Mittenwald wollte er nicht bleiben. Das neue Ziel war die Marktgemeinde Murnau. Als ‚Schnitzender Bahnhofswirt‘ waren Portraitmasken seine Leidenschaft. Er schnitzte die Gesichter von Franz Josef Strauß, Fidel Castro, Konrad Adenauer, John F. Kennedy und viele andere Prominente der 1960er und 1970er Jahre. Einmal schnitzte er John Glenn; den ersten amerikanischen Astronauten der 1962 die Erde umkreiste. Zum Dank wollte ihn Glenn nach Amerika einlasen, aber Josef Schranz blieb lieber in Oberbayern.

Die Masken ‚Max & Moritz‘ stammen aus dem Jahr 1960.

Die Ausstellung ist im Staffelsee-Museum Seehausen (Seestrasse 1) zu sehen bis zum Sonntag, 31. Oktober 2021. Geöffnet: Samstag & Sonntag, von 14 – 18 Uhr. Informationen und Führungen: Susanne Horak (08841-629789, ab 18 Uhr) www.staffelseemuseum.de gb

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