In der Region steht man dem Umfrageergebnis der Grünen kritisch gegenüber

Debatte um möglichen Nationalpark in den Ammergauer Alpen

Ammergauer Alpen
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Die Ammergauer Alpen mit der Kapelle Hegratsried im Vordergrund.

Region / München – Die Entscheidung der Koalition aus CSU und Freien Wählern, in dieser Legislaturperiode keinen dritten Nationalpark zu gründen, war längst gefallen. Doch das Thema um einen möglichen Nationalpark in den Ammergauer Alpen hat vor kurzem noch einmal Fahrt aufgenommen: Eine Umfrage der Grünen hat ergeben, dass eine Mehrheit der Befragten in den Landkreisen Ostallgäu,Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen einen Nationalpark zwischen Mittenwald und Füssen befürwortet.

Demnach sind 81 Prozent der Teilnehmer für eine Gründung. Während Naturfreunde frohlocken, halten die Nationalpark-Gegner an ihrem Ziel fest: „Das Ammergebirge ist kein Experimentierfeld für Ökoideologen“, sagt zum Beispiel Michael Weisenbach, Vorsitzender des Fördervereins „Unser Ammergebirge“.

Mit der Begründung, Nationalparks seien gegen den Willen der Bevölkerung vor Ort nicht machbar, hatten sich CSU und Freie Wähler in ihren Koalitionsverhandlungen darauf verständigt, bis auf weiteres keinen dritten Nationalpark im Freistaat ausweisen zu wollen. Vom Tisch schien damit ein „König Ludwig Nationalpark“ im Ammergebirge. Dieser soll nach dem Willen seiner Befürworter auf 250 Quadratkilometern Staatsfläche zwischen Füssen und Garmisch-Partenkirchen entstehen. Eine gemeinsam durch die Grünen-Fraktion im Bayerische Landtag, den Förderverein „Nationalpark Ammergebirge“ sowie den „Verein Nationalpark Steigerwald e.V.“ in Auftrag gegebene Umfrage scheint die Befürworter zu bestätigen: von den 1004 Befragten in den betroffenen Landkreisen Ostallgäu, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen stehen demnach 37 Prozent dem Park „ausschließlich auf Staatsflächen“ „sehr positiv“ und 44 Prozent „eher positiv“ gegenüber. Elf Prozent der Interviewen gaben an, den Nationalpark „eher negativ“ zu sehen, drei Prozent „sehr negativ“.

„Dieses Ergebnis zeigt, dass der lautstarke Widerspruch gewisser Kreise überhaupt nicht der Mehrheit der Bevölkerung entspricht“, meint der Grünen-Kreisrat Hubert Endhardt, Vorsitzender des Fördervereins „Nationalpark Ammergebirge“. Am höchsten ist die Zustimmung demnach unter den Befragten im Kreis Weilheim-Schongau, wo insgesamt 82 Prozent der Befragten den Park befürworten. Im Kreis Ostallgäu sind es 80 Prozent der Befragten und im Landkreis Garmisch-Partenkirchen 78 Prozent. Doch ist die Befragung überhaupt repräsentativ?

»Keine Veranlassung«

Florian Streibl, MdL und Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, betont angesichts der neuen Versuche der Grünen, „den Menschen im Oberland einen Nationalpark Ammergebirge aufzwingen zu wollen“, dass es dazu keine Veranlassung gebe. Mittlerweile existiert der Naturpark Ammergauer Alpen seit vier Jahren und dank der engagierten Arbeit von Touristikern, Kommunalpolitikern, Land- und Forstwirten sowie im Naturschutz Engagierten ist der Gedanke des Natur- und Umweltschutzes hier in der Region noch stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt.

Das Ammergebirge unterliegt schon seit Mitte der 1960er Jahre einem besonderen Schutzstatus, als im August 1963 die Landesverordnung über das Naturschutzgebiet „Ammergauer Berge“ in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Füssen in Kraft getreten ist. Diese Benennung zum Naturschutzgebiet jährt sich bald zum sechzigsten Mal und dokumentiert, wie verantwortungsvoll der Freistaat und die kommunalen Gebietskörperschaften im Bereich des Ammergebirges mit der Natur in ihrer Heimat umgehen.Die von der Landtagsfraktion der Grünen vorgelegte Umfrage erscheint dem Abgeordneten aus Oberammergau „alles andere als repräsentativ“. Offensichtlich werde das, wenn man die Zahlen der Befragten betrachtet. Der geringste Anteil der Befragten kommt aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, der den Löwenanteil des Nationalparks tragen würde. Bedauerlich sei für Streibl zudem, „dass bei der Durchführung der Befragung den Befragten wiederum nicht deutlich gemacht wurde, welche parteipolitische Motivation hinter dieser Befragung steckt, wie Streibl von Befragten geschildert wurde.“

Kampf um Erhalt

Unbeeindruckt von den Umfrage-Ergebnissen zeigte sich auch Michael Weisenbach, Vorsitzender des Fördervereins „Unser Ammergebirge“. Dieser wurde 2017 mit dem Ziel gegründet, einen Nationalpark im Ammergebirge zu verhindern. An diesem Ziel will er festhalten. „Das Ammergebirge ist meine Heimat, Grundlage unserer Kultur und Teil meiner Identität“, teilte er auf Anfrage des Kreisboten mit. „Die Berge werden von uns seit Jahrhunderten bewirtschaftet, das Ergebnis ist eine atemberaubende Kulturlandschaft. Wir werden bis zur letzten Patrone dafür kämpfen, dies zu erhalten“, betonte er.

Zwar weise die Umfrage auf ein stetig wachsendes Umweltbewusstsein in der Bevölkerung hin. Andererseits zeige sie aber auch, „dass die sehr erfolgreichen bestehenden Schutzkonzepte für das Ammergebirge, wie zum Beispiel den Naturpark Ammergauer Alpen, das Trittsteinkonzept zum Biotopverbund, die Gebietsbetreuung durch den Landkreis Ostallgäu und besonders der praktisch praktizierte Naturschutz durch die Alpwirtschaft Forst und Jagd in der Bevölkerung zu wenig wahrgenommen” werden.

Populistische Methoden

Hinsichtlich der Debatte um einen dritten Nationalpark zwischen Füssen und Mittenwald empfindet er die Umfrage weder als objektiv, noch aussagekräftig. „Ich halte es für ein Trauerspiel, wie hier versucht wird mit populistischen Methoden Meinungsbildung zu betreiben”, kritisiert Weisenbach. So beinhalte die Umfrage nach verschiedenen vorbereitenden Suggestivfragen lediglich eine Frage zum Thema Nationalpark im Ammergebirge, kritisiert er.

Dass die Umfrage die politischen Entscheidungsträger zum Umdenken bewegen wird, glaubt Weisenbach nicht. „Der Naturpark Ammergauer Alpen wurde bereits mit großem Erfolg umgesetzt“, erklärt er. Außerdem seien nahezu alle direkt betroffenen Anliegergemeinden Mitglied des Vereins „Unser Ammergebirge“ und keine direkt betroffene Anliegergemeinde habe den Vorschlag zur Gründung des Nationalparks unterstützt. Daran werde auch eine gesponserte Umfrage nichts ändern, so der Fördervereins-Vorsitzende im Gespräch mit unserer Zeitung. mm/tra

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