"Der Bahnhof ist eine Visitenkarte" – Bürgermeister Dr. Michael Rapp spricht Themen an, die Murnau derzeit bewegt

Bürgermeister Dr. Michael Rapp über Themen, die Murnau bewegen. Foto: Bitala

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GÜNTER BITALA, Murnau – Die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen ist vorbei. Der prophezeite Ansturm auch auf umliegende Kommunen blieb jedoch aus. So auch in Murnau. Der KREISBOTE sprach mit Bürgermeister Dr. Michael Rapp über die Ski-WM, aber auch über andere Themen, die die Murnauer Bürger derzeit bewegen wie Spekulationen über die Werdenfels-Kaserne, das Gemeindekrankenhaus, den Bahnhof und über die Nachbesetzung des Chefsessels im Schlossmuseum. Die Alpinen Skiweltmeisterschaften sind scheinbar spurlos an den Gemeinden im Landkreis vorübergegangen, dabei wurden auch hier große Erwartungen in diese „Festspiele im Schnee“ gesetzt . . . Rapp: „In der Tat waren vor allem unsere Wirte von diesem Großereignis enttäuscht. Sie hatten sich auf die Versprechungen der Veranstalter verlassen, ihre Gästebetten würden für die Besuchermassen gebraucht. Man muss aber eingestehen, dass in einigen Hotels die Auslastung während der WM ganz gut war, in anderen halt nicht.“ Was man während der Skiweltmeisterschaft vermisst hatte, war eine geballte Werbung in Garmisch-Partenkirchen für die Ferienregion ‚Das Blaue Land‘. Kann man das so sagen? Rapp: „‚Das Blaue Land‘ war während der WM in Garmisch-Partenkirchen nicht präsent. Diese Feststellung ist richtig, betrifft aber ebenso die Ferienregionen ‚Alpenwelt Karwendel‘ und ‚Ammergauer Alpen‘. Die Garmischer hatten uns im Vorfeld gebeten, ihre Werbepylonen in unseren Gemeinden aufzustellen. Im Gegenzug ist kein Angebot gekommen, uns eine Präsentationsmöglichkeit am Ort des Geschehens einzuräumen. Es fehlt auf Landkreisebene eine schlagkräftige Tourismus-Plattform, die einen solchen Werbeauftritt hätte schultern können.“ Woran liegt das? Eigentlich wäre das eine Aufgabe der bereits bestehenden Tourismus-Gemeinschaft ‚Zugspitzregion‘, in der die Zusammenarbeit der vier Talschaften – ‚Das Blaue Land‘, ‚Alpenwelt Karwendel‘, ‚Ammergauer Alpen‘ und ‚Zugspitz-Land‘ – koordiniert wird. Rapp: „Die ‚Zugspitzregion‘ funktioniert so nicht. Das haben wir Bürgermeister bereits vor der Weltmeisterschaft festgestellt. Tourismus-Marketing für den gesamten Landkreis kann nicht so nebenbei mit einer Halbtagskraft gemacht werden. Was wir brauchen, ist eine von einem Tourismusmanager professionell geführte Plattform. Die sind wir gerade dabei einzurichten.“ Ein anderes Thema, das im Landkreis diskutiert wird, ist der Mangel an Gewerbeflächen – und damit verbunden, die Abwanderung von lange hier ansässigen Firmen. Ist es für Lokalpolitiker nicht legitim, darüber nachzudenken, ob und wie das Areal der noch bestehenden Werdenfels Kaserne für eine zivile Nutzung in Frage kommt? Rapp: „Das Problem, dass wir zu wenig Gewerbegrund haben, lässt sich nur im Verbund mit mehreren Gemeinden anpacken. Da sind viele Gesichtspunkte zu berücksichtigen, nicht nur die Preisgestaltung – ich denke auch daran, wie Gewerbegebiete in unsere intakte Landschaft passen können. Unabhängig davon, dass wir alles daran setzen, die Werdenfels Kaserne in Murnau zu erhalten, ist es vollkommen vermessen, jetzt darüber zu spekulieren, dieses riesige Areal für ziviles Gewerbe auf den Markt zu werfen. Die Risiken dafür sind momentan gar nicht abzuschätzen.“ Risiken? Das Gelände wäre doch gut erschlossen. Rapp: „Wer glaubt, mit einer aufgelassenen Kaserne preiswerten Gewerbegrund zu bekommen, der irrt. Der Bund hinterlässt keine Flächen zum Verkauf. Die Kommunen werden bei der Verwertung von Kasernenflächen alleine gelassen, und sie tragen das finanzielle Risiko. Auf dem Kemmelgelände hatten wir ein funktionierendes Straßensystem mit übernommen, Grünflächen und so weiter. Das ist in der Werdenfels Kaserne überhaupt nicht gegeben. Da ist fast alles mit Asphalt versiegelt. Wir wissen nicht, welche Schäden im Boden stecken, wie es mit Abwasser und Kanalisation bestellt ist. Die Gefahr besteht, dass wir als Gemeinde mehrere Millionen Euro aufbringen müssen, um das Areal überhaupt für eine zivile Nutzung herzurichten. Das können wir als Gemeinde Murnau nicht leisten, zumal wir in den vergangenen Jahren bereits eine Kaserne konvertieren mussten.“ Zurück in den eigentlichen Gemeindebereich. Ist es notwendig, dass der Markt Murnau den örtlichen Bahnhof kauft? Rapp: „Während für das Gelände der Werdenfels Kaserne derzeit kein Handlungsbedarf besteht, außer – wie gesagt – dass wir den Bundeswehrstandort erhalten wollen, sieht die Situation am Bahnhof anders aus. Da ist ein Investor abgesprungen. Fast fertige Planungen wurden damit über den Haufen geworfen. Wir müssen jetzt die Weichen neu stellen: Der Bahnhof ist die Visitenkarte für Murnau und die Ferienregion ‚Das Blaue Land‘. Drei Optionen gibt es: Die Bahn wird ihrer Verantwortung für den Bahnhof alleine gerecht. Zweitens: Wir finden einen neuen Investor. Drittens: Die Gemeinde selbst könnte das Bahnhofsgebäude kaufen. Ein solches Engagement ist aber keine ureigene Aufgabe des Marktes und kommt nur in Frage, wenn es sich selbst trägt. Das heißt, wenn sich die Investitionen und die laufenden Ausgaben durch Vermietungen refinanzieren lassen.“ Wie sieht es mit dem Gebäude des ehemaligen Gemeindekrankenhauses aus? Rapp: „Da besteht Handlungsbedarf, sobald klar ist, wann das Kreisklinikum mit seiner Internen-Abteilung komplett in die Unfallklinik umziehen kann. Die Gemeinde Murnau hat die Option das alte Krankenhaus wieder zurückzukaufen. Aber man muss sagen, die Preisvorstellungen von Landkreis und Gemeinde liegen himmelweit auseinander. Wir in Murnau können uns in dem Gebäude eine Nachnutzung vorstellen, die weiterhin im sozialen Bereich liegt. Ein detailliertes Konzept dafür gibt es noch nicht.“ Die Bürgeraktion „Murnau Miteinander“ ist aktiv und stellt erste Ideen zur Diskussion. Da geht es beispielsweise um ein Wellness- und Gesundheitszentrum, um einen Kunsteisplatz und Eltern nörgeln am Zustand der Kinderspielplätze herum . . . Rapp: „Ich habe immer die Auffassung vertreten, ,Murnau Miteinander‘ ist kein Wunschkonzert. Wer Vorschläge macht, muss auch ein Konzept zur finanziellen Umsetzung beilegen. Das gilt für alle Projekte. Bei den Spielplätzen wird geprüft, ob die Kritik berechtigt ist. Die Sicherheit der Kinder haben wir sowieso ständig im Auge – wir haben dafür mit Herrn Neuner einen sehr gewissenhaften Sicherheitsbeauftragten. Wer seine Kritik alleine an einem Spielgerät festmacht, verkennt, dass wir beispielsweise beim Weindorfer Feuerwehrhaus, in Weindorf ‚Am Hang‘, bei der TSV-Halle und an der Seestraße sehr gut ausgestattete Kinderspielplätze haben. Das ist dem besonderen Engagement von Herrn Dr. Pesl zu verdanken, der immer ein offenes Ohr für dieses Thema hatte, und uns großzügig finanziell unterstützte.“ Noch ein letztes Thema: Im Murnauer Schlossmuseum steht heuer die Neubesetzung des Chefsessels an. Können Sie dazu schon etwas sagen? Rapp: „Für die Nachfolge von Dr. Brigitte Salmen sind zahlreiche, hochqualifizierte Bewerbungen eingegangen. Das unterstreicht den Stellenwert des Schlossmuseums in der Fachwelt. Die aufwendige Sichtung, Prüfung und Beurteilung der Bewerbungsunterlagen durch Fachleute ist zwischenzeitlich abgeschlossen. In den nächsten Tagen finden Vorstellungsgespräche statt. Die Einstellung obliegt dann letztlich dem Marktgemeinderat.“

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