"Der Blaue Reiter" feiert 100-Jähriges – Murnauer Touristinformation hält für das ganze Jahr ein abwechslungsreiches Programm bereit

Uwe Prechtl, Leiter der Touristinformation Murnau, und Stephanie Klotz kündigen ein vielfältiges Programm an. F: Bitala

Es ist ein Jubiläum, dem ein rauschendes Fest nur angemessen ist. „Der Blaue Reiter“ feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Fest, das Murnau gebührend zu feiern weiß.

Die Heimat jener Maler, die vor 100 Jahren zwischen dem Kochelsee und dem Murnauer Moos Kunstgeschichte schrieben, kann idyllischer kaum liegen. Da tauchen barocke Dorfkirchen mit ihren Zwiebel- türmchen auf, rustikale Wirtshäuser, sanft gewellte Blumenwiesen und im Hintergrund die Berge vor einem tiefblauen Himmel. Der Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim hatte diese Explosion an Eindrücken einmal als ein „Fest für die Augen“ bezeichnet. So ähnlich mögen es Wassily Kandinsky und Gabriele Münter empfunden haben, als sie 1908/09 die Großstadt München immer wieder zu Malausflügen verließen und schließlich am Staffelsee sesshaft wurden. Bei einem seiner ausgedehnten Spaziergänge durch Murnau entdeckte Kandinsky ein unscheinbares Landhaus. „Er hatte sich auf den ersten Blick in die kleine Villa verliebt“, erinnerte sich Münter in ihren Tagebuch-Aufzeichnungen. Kandinsky war fasziniert vom Leben der einfachen Leute. Nicht nur, dass er geraume Zeit in den Werkstätten der am Staffelsee ansässigen Hinterglasmaler verbrachte, ihre Geschichten hörte und sich von den naiv bemalten Glasbildern inspirieren ließ. Der Russe kam dabei in Sandalen daher, mit grünen Wadlstrümpfen und einer speckigen Lederhose, die er sich bei einem Bauern geschnorrt hatte. Er war auch oft mit den Einheimischen unterwegs und half mit der Harke bei der Heuernte. Die Villa an der Kottmüllerallee wurde zum Zentrum einer Entwicklung hin zur abstrakten Kunst. Kandinsky scharte Maler und Bildhauer um sich, zudem Musiker, Dichter, Tänzer und Kunsttheoretiker. Treffpunkt für die nächtelangen Gesprächsrunden waren Küche und Wohnzimmer im Erdgeschoss des sogenannten „Russenhauses“. Aus diesen Zusammenkünften heraus gipfelte 1911/12 der Almanach „Der Blaue Reiter“, eine der wichtigsten Schriften zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Das 100-jährige Jubiläum dieses Kunsterbes wird heuer gefeiert. Unter dem Motto „Das blaue Jahr“ haben sich südlich von München zwölf Partner zusammengeschlossen, darunter Tourismusorganisationen, Museen und Schlösser. Der Leiter der Murnauer Touristinformation, Uwe Prechtl, stellt die Höhepunkte heraus: „Im Schlossmuseum ist vom 21. Juli bis 6. November die Ausstellung ‚Die Maler des Blauen Reiters‘ und der Einfluss des Japanismus zu sehen. Im Münter-Haus können sich die Besucher an den Textilarbeiten und Perlenstickereien von Kandinsky und Münter erfreuen, die dort noch bis August gezeigt werden. Aus dem Kreis der lebendigen Murnauer Künstlerszene widmet der Kunstverein Murnau dem ,Blauen Jahr’ vom 1. bis 8. August eine Ausstellung mit dem Titel ‚Blau‘.“ Kunstspaziergänge durch den Ort ermöglichen Besuchern den direkten Vergleich mit den Originalmotiven der oft weltberühmten Gemälde anzustellen. Schnell ausgebucht werden die Vorträge und Führungen mit Fritz-Walter Schmid sein, der mit Kunstliebhabern auf den Spuren der Blauen Reiter wandelt. Junge Künstler stehen im Mittelpunkt einer Aktion, die im Frühling startet. Das Motto dazu lautet „Lebendige Kunst mit der Spraydose – Junge Aktionskünstler aus Murnau interpretieren den Blauen Reiter“. Diese lokalen Arbeiten werden erstmals beim Münchner Stadtgeburtstag am 18. und 19. Juni am Münchner Rindermarkt gezeigt und bekommen dann feste Plätze in der Marktgemeinde. Im Verlauf des Jahres wird zudem der Künstler-Wanderweg eröffnet, der von Murnau hinüber an den Kochelsee führt. Kandinsky und Münter sind diese 18 Kilometer lange Strecke oft geradelt, um Franz Marc zu besuchen. Das zweite Standbein des heurigen Tourismus-Programmes „Das Blaue Jahr“ ist der Todestag des Märchenkönigs, der sich im Sommer zum 125. Mal jährt. Ludwig II. legte auf den Fahrten aus der Residenzstadt München hinaus nach Linderhof immer wieder Rast in Murnau ein. „Die Murnauer waren sehr königstreu. Und so kam es, dass August Bayerlacher nach dem Tod des Monarchen das bayernweit erste Ludwig-Denkmal aufstellen ließ“, weiß Prechtl. Seit 2010 gibt es in der Marktgemeinde den „Königsweg“, auf dem Wanderer durch die Geschichte der Herrscherfamilie der Wittelsbacher spazieren können. In der Zeit von Mai bis Oktober sind geführte Wanderungen auf diesem Weg geplant mit den Höhepunkten am 16. und 30. Juli sowie am 20. August, wenn der Märchenkönig in der Kutsche vorfährt. Dazu wurde Sepp Daser als Kini-Darsteller verpflichtet. Da will auch Sepp Taffertshofer aus der Schöffau nicht zurückstehen. Er hat eine Geschichte geschrieben, die im Puppentheater auf dem Blaslhof zu sehen sein wird: „Bauer Sepp und der Märchenkönig“. Um die Angebote des „Blauen Jahres“ genießen zu können, wurden sogenannte Kulturreiseboxen herausgebracht. So gibt es die ‚Blaue Reiter Box‘ und die ‚König Ludwig Box,‘ jeweils wahlweise mit Übernachtungs- und Eintrittsgutscheinen und mit reichlich Infomaterial. Die Boxen sind auch ohne Übernachtungen zu haben und daher auch für Einheimische und Tagesgäste geeignet. Infos: Touristinformation Murnau, Tel. 08841/61410 und unter www.murnau.de.

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