"Der größte Erfolg meiner Karriere" – WM-Teilnehmer Marcus Kink im Interview mit dem KREISBOTEN

Geschafft: Marcus Kink steht im Kader der Nationalmannschaft. Foto: Fischer

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TITUS FISCHER, Region – Derzeit läuft die Eishockey-Weltmeisterschaft in der Slowakei. Die Deutsche Mannschaft schwimmt auf einer Euphoriewelle. Alle drei Vorrundenspiele wurden gewonnen. Dem 2:0-Sieg gegen Russland folgte der 4:3-Krimi gegen die Slowakei und der 3:2-Erfolg gegen Slowenien. Zuvor war es erst ein Mal –1930 – einer Deutschen Nationalmannschaft gelungen, die ersten drei Begegnungen bei einer Weltmeisterschaft zu gewinnen. Im Kader standen damals mit Franz Kreisel, Martin Schröttle und Marquart Slevogt drei Spieler des SC Riesserseer. Ebenfalls dabei war Gustav Jaenecke, der Spieler mit den meisten Meisterschaftstiteln (13), der nach dem Zweiten Weltkrieg für die Werdenfelser spielte und mit ihnen drei Titel gewann. Auch dieses Mal ist ein Spieler, der aus dem Nachwuchs des SC Riessersee stammt, mit dabei: Marcus Kink. Er wurde von Bundestrainer Uwe Krupp für die Zwischenrunde, die am Freitag begonnen hat, nachnominiert. Die ersten drei Begegnungen saß er noch auf der Tribüne. Nun schaffte er zusammen mit seinem Mannheimer Teamkollegen Denis Reul den Sprung in den Kader. Sowohl für den Verteidiger als auch den Stürmer ist es die erste WM-Teilnahme. Damit steht auch fest, dass Wolfsburgs Abwehrspieler Christopher Fischer nicht zum Einsatz kommen kann. „Wir wollten auf jeden Fall die Option mit einem weiteren Stürmer“, sagte Krupp. Die Auswahl der Akteure wurde auch im Hinblick auf die kommenden Gegner gefällt. „Wir werden gegen Mannschaften antreten, gegen die wir körperlich präsent sein müssen. Diese beiden Spieler geben uns diese Option.“ Der 26-Jährige bestritt die Vorbereitung für die Titelkämpfe in Bratislava und Košice mit dem DEB-Team. Kink wurde in Düsseldorf geboren, damals spielte Vater Georg Kink, jetzt Nachwuchstrainer beim SC Riessersee, im Westen der Republik. Er war Teil der DNL-Mannschaft der Garmisch-Partenkirchner, die bei der Gründung der Liga 2001 sensationell den Titel holte. Mit 29 Treffern hatte er daran einen großen Anteil. Ein Jahr später war er der Topskorer der Liga und spielte gleichzeitig auch für die erste Mannschaft der Weiß-Blauen in der 2. Bundesliga. Im Sommer 2002 wechselte er in die Deutsche Eishockey Liga und spielte hier für die Kölner Haie, gleichzeitig sammelte er auch in der 2. Bundesliga Spielpraxis in Duisburg. Zwei Jahre später wechselte er nach Mannheim, wo er auch heute noch ist. Mit den Adlern gewann er er in der Saison 2006/07 die Deutsche Meisterschaft in der DEL. Im vergangenen Sommer wurde er vom neuen Mannheimer Coach Harold Kreis, der gleichzeitig Co-Trainer der Deutschen Nationalmannschaft ist, zum Mannschaftskapitän der Adler ernannt. Die Saison lief für die Baden-Württemberger durchwachsen. Nach dem Sieg in den Pre-Play-offs gegen Nürnberg kam das Aus im Viertelfinale gegen die Düsseldorfer EG. Titus Fischer hat sich in Bratislava mit Marcus Kink unterhalten. Wann haben Sie von Ihrer Nominierung erfahren? Marcus Kink: „Am Mittwoch nach dem Frühstück habe ich davon erfahren. Ich bin darüber sehr glücklich, schließlich ist es meine erste Weltmeisterschaft.“ Sie haben schon 30 Länderspiele gemacht, dabei vier Tore geschossen und fünf weitere vorbereitet. Ist die Nominierung für Sie der größte persönliche Erfolg in Ihrer Karriere? Kink: „Ja, das kann man so sagen, ich war schon einige Male nahe dran, doch dann hatte es am Ende immer knapp nicht geklappt.“ Hatte der Bundestrainer zu Ihnen gesagt, dass warum Sie nicht von Anfang an dabei waren? Kink: „Der Bundestrainer meinte zu Beginn des Turniers zu mir, dass er das Gefühl habe, so wie es jetzt sei, passe es. Ich habe keinen Druck gemacht und habe versucht, im Training mich voll reinzuhängen. Es war schon mein größter Erfolg, dass ich im erweiterten Kader stand.“ Wie haben Sie den historischen Erfolg gegen Russland im Auftaktspiel miterlebt, es war der erste Sieg im 38. Spiel bei einer WM gegen die Sbornaja? Kink: „Ich saß neben Ersatztorhüter Jochen Reimer auf der Tribüne. Es war einfach unglaublich, keiner saß mehr auf seinen Sitzen und als dann Jochens Bruder Patrick auch noch kurz vor dem Ende das 2:0 schoss, war es gigantisch. Ich weiß, wie es ist, stolz auf seinen Bruder zu sein (George Kink, der mit dem SC Riessersee gerade Oberliga-Meister wurde; Anmerkung des Autors).“ Patrick Reimer hat eine ähnliche Nationalmannschafts-Karrier wie Sie hinter sich. Auch er war immer wieder in der Vorbereitung mit dabei, doch wenn es um die endgültige Nominierung für ein Großereignis ging, musste er kurz zuvor die Koffer packen. Kink: „Ja, das stimmt. Ich hoffe natürlich jetzt auch, dass ich auch noch das ein oder andere Spiel hier bestreiten und dem Team helfen kann, dass wir so weit wie möglich kommen.“ Am Mittwochvormittag waren Sie mit Dennis Reul, Christopher Fischer, Jochen Reimer, Constantin Braun und Dennis Endras in einer Deutschen Schule in Bratislava zu Besuch. Was haben Sie dort gemacht? Kink: „Die Kinder haben uns Fragen gestellt und sich Autogramme geholt. Es hat Spaß gemacht und war eine schöne Abwechslung. Auch die Kleinen sind schon total eishockeybegeistert.“ Deutschland geht als sensationeller Vorrundenerster in die Zwischenrunde. Was ist das Geheimnis des Erfolgs der Mannschaft? Kink: „Wir haben eine super Stimmung im Team. Da freut man sich schon auf das Frühstück mit den Kollegen. Das ist aber nicht erst mit den Siegen so, sondern war auch schon in der Vorbereitung so. Da haben mir die anderen Teamkollegen auch das Gefühl gegeben, dass ich zur Mannschaft gehöre. Das war schon toll.“ Haben Sie auch während der Weltmeisterschaften Kontakt in die Heimat? Kink: „Klar, ich telefoniere fast täglich mit meiner Familie. Vielleicht kommen sie in den kommenden Tagen auch noch hierher nach Bratislava. Garmisch-Partenkirchen ist nach wie vor meine Heimat, auch wenn ich nun schon seit einigen Jahren in Mannheim spiele.“ Nun geht es in der Zwischenrunde gegen Finnland (Freitag, 16.15 Uhr), Dänemark (Samstag, 16.15 Uhr) und die Tschechische Republik (Montag, 20.15 Uhr, alle Spiele live auf Sport1). Es geht für die DEB-Truppe nun darum, sich fürs Viertelfinale zu qualifizieren. Wie schätzen Sie die jeweiligen Mannschaften ein? Kink: „Gegen Finnland und die Tschechische Republik sind wir Außenseiter. Dänemark ist ein unangenehmer Gegner. Aber wir haben unsere Chancen in jedem Spiel. Wir haben gegen Russland und die Slowakei gezeigt, dass wir uns vor keinem Gegner verstecken brauchen. Wichtig ist, dass wir hochkonzentriert und diszipliniert antreten. Wir müssen berechenbar für den Mitspieler agieren und gleichzeitig unberechenbar für den Gegner. Wir haben eine super Ausgangspotition uns fürs Viertelfinale zu qualifizieren. Einen oder zwei Punkte brauchen wir noch. Jetzt haben wir einen Lauf und das Selbstbewusstsein ist groß. Also wollen wir gleich am Freitagnachmittag gegen Finnland noch die nötigen Zähler holen und den Sack zumachen.“ tf

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