Der Mythos um die Olympia-Bobbahn in Garmisch-Partenkirchen

Heute wie früher – nichts für schwache Nerven

Bobschuppen
+
Der historische Bobschuppen an der Olympia-Bobbahn.
  • Franziska Pawel
    VonFranziska Pawel
    schließen

GAP – Sie galt als die gefährlichste ihrer Art, war Schauplatz eines Weltereignisses und ist nur fünf Gehminuten vom Riessersee entfernt – die Olympia-Bobbahn. Im Bobschuppen lebt der Mythos um die Bahn weiter.

Wer sich dort runter traut ist ein Held, heißt es. Sie gerät heute zwar immer mehr in Vergessenheit, galt aber mal als die gefährlichste ihrer Art. Um die Olympia-Bobbahn am Riessersee, versteckt hinter Bäumen, ragen sich viele Mythen und Geschichten. Die bewegenden Momente in den 100 Jahren Bobsportgeschichte in Garmisch-Partenkirchen, sollen nicht vergessen werden. Deshalb kümmert sich ein kleiner Kreis ehrenamtlich um den Erhalt der Bobbahnanlage und die Präsentation des Museums. Zu diesen Enthusiasten gehört auch Rolf Lehmann, 1. Vorstand in der SCR Bobabteilung und selbst seit 40 Jahren Teil des Bobsports. Während er die große hölzerne Schiebetüre des Bobschuppens öffnet, merkt er an, dass seit einem guten Jahr wegen Corona keine Besucher mehr hier waren. Hinter der Türe kommt zum Vorschein, wofür sich Lehmann mit so viel Leidenschaft engagiert.

Aufpolierte Zweier- und Viererbobs, wuchtige Helme, glänzende Auszeichnungen in Glasvitrinen und das Gefühl in eine andere Zeit versetzt zu sein. Alles hat seinen Platz im Bobschuppen, wo die Bobs früher außerhalb der Trainingszeiten gelagert worden sind. Heute ist es ein Museum, dass auch von größeren Gruppen besucht werden kann. Es ist ein offener Raum, in dem Decken, Wände und Fußboden aus Fichtenholz bestehen. Im hinteren Teil ziert eine große Fotocollage die Wand, die unter anderem Anderl Ostler alleine und mit seinen Teamkollegen zeigt. Er ist der erfolgreichste Bob-Pilot des SC Riessersee, als Doppel-Olympiasieger, Doppel-Weltmeister sowie Deutscher Meister. Einige von Anderls Medaillen sind im Bobschuppen in einer beleuchteten Glasvitrine ausgestellt, die wie Lehmann erzählt, ihnen von seiner Frau überlassen worden sind.

Bob-Enthusiast Rolf Lehmann packte bei dem Wiederaufbau der Bobbahn 2013 kräftig mit an.

Der Bobsport im Wandel der Zeit

Wenn man sich im Raum weiter umschaut stechen einem die historischen Bobs ins Auge. „Die älteren waren nur mit einer Palettenlenkung ausgestattet, was das Kurvenfahren zu einem Kraftakt gemacht hat“, berichtet Rolf Lehmann, der dies aus eigener Erfahrung weiß. Die alten Bobs waren weitgehend offen, was zu einer Verwirbelung der Luft führte – von Aerodynamik keine Spur.

Im Museum gibt es weitere Fotos, die Lehmann mit seinen Bobfahrer-Kollegen zeigen. Er betrachtet die Bilder so, als würde er diese Zeit sehr genossen haben. Gemeinsam durften sie viele Orte bereisen und dort an Rennen teilnehmen. Seitdem hat sich aber viel im Bobsport verändert, wie Lehmann erklärt: „Früher war es so, dass alles was mit Bob fahren zu tun hatte, erst nach 18 Uhr und damit nach Feierabend stattfinden konnte.“ Heute ist das anders. Es gibt Profis, die sich den ganzen Tag nichts anderem widmen müssen. Das Niveau und die Anforderungen an Ausstattungen sind deswegen mit den Jahren enorm gestiegen.

Ganz gleich ob früher oder heute, für schwache Nerven ist die Sportart nichts. Um die eisige Strecke zu bestreiten, gehört einiges dazu, dass sieht man sofort wenn man einen Blick auf den großen an der Wand hängenden Plan der Bobbahn wirft. „Die Fahrer brauchen Mut, Kraft, ruhige Nerven, sowie Gefühl in den Fingerspitzen und im Allerwertesten“, sagt Lehmann und lacht dabei. Sein Blick ist fokussiert auf den Plan der Bobbahn, während er erläutert, was für eine Kunst das Kurvenfahren ist. „Da müssen Anfahrt und Tempo einfach passen“, so der erfahrene Bobfahrer.

Einmal Held sein - auf der Olympia-Bobbahn ist`s möglich

Zwischen den überwiegend fröhlichen Bildern von der Abfahrt gibt es auch vereinzelt welche, die Stürze zeigen. „Besonders gefürchtet war immer die Bayernkurve. Sie zählt vier Todesopfer“, sagt Lehmann und zeigt auf ein Bild, wo einer der tödlichen Stürze abgebildet ist. Auf dem Bild ist der Schweizer Bobpilot Felix Endrich zu sehen, wie er aus der Kurve rausrauscht. Nahe der Bahn wurde für die Verunglückten eine Gedenktafel angebracht.

Lehmann erzählt, dass die wagemutigen Burschen auf der damals noch 1.525 Meter langen Bahn mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h talwärts rasten. Heute bringen es die Fahrer auf der gekürzten Strecke nur noch auf bis zu 70 km/h. Nervenkitzel und Adrenalin gibt`s trotzdem noch genügend. Wer auch Lust hat die Bobbahn hinunter zu düsen und sich wie ein Held zu fühlen, der kann sich bei dem Historischen 3er Bob-Rennen anmelden. Lehmann und der Kreis um ihn, organisieren nämlich „Bob-Wochen“. Dazu gehört auch immer das Historische Bob-Rennen. Die Bobs werden gestellt. Wer auf der heute 882 Meter langen Bahn mit sieben Kurven, zwei unfallfreie Trainingsfahrten absolviert, der darf am Rennen teilnehmen. Wer einfach so ohne Wettbewerb mal runter fahren möchte, kann gern eine Gastfahrt machen. „Gefahren wird selbstverständlich nur mit historischen Bobs und Kleidung“, erklärt Rolf Lehmann.

Zukunft für den Bobsport am Riessersee

Zuletzt konnte das beliebte Rennen 2017 stattfinden. „Wir hatten für das Rennen 2021 schon das ganze Jahr über Vorbereitungen getroffen. Die Bahn benötigt viel Pflege – auch wenn sie nicht benutzt wird. Doch Corona hat uns durch unser 100 Jahre SC Riessersee Jubiläum leider einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erklärt Lehmann, der viel Zeit investiert, damit die Begeisterung für den Bobsport weitergetragen wird. In den Anfängen der Bahn wurden noch Eisquader aus dem Riessersee mit Pferden zur Bahn gezogen. Damit wurden die wichtigsten Kurven ausgekleidet. Heute braucht es jede Menge Helfer, die über mehrere Wochen den Schnee in Form bringen.

Durch die Bob-Wochen, die viel Aufwand und Organisation beanspruchen, soll der Bobsport am Riessersee weiterleben. Lehmann ergänzt: „Wir machen das gerne, auch wenn es viel Zeit und Geld ist, was wir hier rein investieren müssen. Ob sich jemand nach uns drum kümmert, das ist noch die große Frage.“ Der Mythos um die Olympia-Bobbahn soll weiterleben dürfen. Franziska Pawel

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Richard-Strauss-Tage 2021 in Garmisch-Partenkirchen
Garmisch-Partenkirchen
Richard-Strauss-Tage 2021 in Garmisch-Partenkirchen
Richard-Strauss-Tage 2021 in Garmisch-Partenkirchen
Transporter mit mutmaßlichem Diebesgut in Garmisch-Partenkirchen gestoppt
Garmisch-Partenkirchen
Transporter mit mutmaßlichem Diebesgut in Garmisch-Partenkirchen gestoppt
Transporter mit mutmaßlichem Diebesgut in Garmisch-Partenkirchen gestoppt
Corona im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Resonanz auf Sonderimpfaktion mit AstraZeneca war verhalten
Garmisch-Partenkirchen
Corona im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Resonanz auf Sonderimpfaktion mit AstraZeneca war verhalten
Corona im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Resonanz auf Sonderimpfaktion mit AstraZeneca war verhalten
Sozialagentur Oberbayern in Murnau erhält DIN SPEC Zertifizierung
Garmisch-Partenkirchen
Sozialagentur Oberbayern in Murnau erhält DIN SPEC Zertifizierung
Sozialagentur Oberbayern in Murnau erhält DIN SPEC Zertifizierung

Kommentare