Deutsche Eishockey-Nationalmannschaft als Helden gefeiert

Olympia-Sensation und 100prozentiges Silber

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Marcus Kink mit der Silbermedaille.

Wenn es ums Deutsche Eishockey geht, dann wird immer vom Bronzemedaillengewinn bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck gesprochen. „Gut, dass das nun nach über 40 Jahren vorbei ist“, sagt Alois Schloder, der Kapitän von damals. Denn an diesem legendären 25. Februar 2018 gewann die Deutsche Eishockey Nationalmannschaft die Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen von Pyeongchang. Mit dabei Marcus Kink, der beim SC Riessersee das Eishockeyspielern lernte und Dominik Kahun, der vor drei Jahren noch das Trikot der Werdenfelser trug.

Fast wäre es für das Duo und die anderen Spieler sogar noch Gold geworden. Nur 55,5 Sekunden fehlten der deutschen Mannschaft. Trotz der dramatischen 3:4-Niederlage nach Verlängerung im olympischen Finale von Pyeongchang gegen die Olympischen Athleten Russland steht bei der DEB-Auswahl der Stolz über das Erreichte im Vordergrund - auch wenn direkt nach Spielschluss die eine oder andere Träne auf dem Eis floss. „Im ersten Moment ist man riesig enttäuscht. Wir waren so knapp davor, müssen das Ding eigentlich zu Ende bringen“, sagte Verteidiger Yannic Seidenberg. Aber: „Als ich die Medaille um den Hals hatte, war ich einfach nur unglaublich stolz. Wir haben hundertprozentig Silber gewonnen.“

Stürmer Patrick Reimer sagte: „Es gibt keinen Grund, nicht stolz zu sein, auch wenn es jetzt natürlich wehtut. Es ist unglaublich, was wir geleistet haben. Wer hätte gedacht, dass wir Russland fast in die Knie zwingen? Das silberne Ding ist mehr als geil.“

Marcel Goc erklärte: „Die Freude über Silber überwiegt immer mehr. Jeder kann stolz auf die Mannschaft sein. Wir waren so nah dran. Ich glaube jeder hat schon gedacht, dass wir es haben. Der Unterschied war heute nicht groß, wir haben sehr gut dagegenhalten.“ Vom Turnier nehme er „viele schöne Momente mit.“ Denn: „Wir haben dem Druck immer standgehalten und haben gezeigt, dass Glaube Berge versetzen kann.“

Recht ausgeglichen

Erwartungsgemäß versuchte der Favorit aus Russland, der im Halbfinale die Tschechische Republik mit 3:0 geschlagen hatte, von Anfang an, die deutsche Mannschaft unter Druck zu setzen. Die Olympischen Athleten Russlands waren dann auch optisch das überlegene und aktivere Team, taten sich aber trotzdem schwer gegen die in der Defensive sehr kompakt stehende DEB- Auswahl. Zudem zeigte Torhüter Danny aus den Birken ein starkes Spiel und konnte elf russische Schüsse halten. Nur einmal war er machtlos, als Vyacheslav Voinov genau in den Winkel traf. Ein bitterer Gegentreffer aus deutscher Sicht, denn er fiel 0,5 Sekunden vor der Drittelpause.

Entscheidung fiel in der Verlängerung

Davon ließ sich die deutsche Mannschaft aber nicht beeindrucken und spielte weiter ihr Spiel. Das Team von Marco Sturm blieb mutig und agierte auf Augenhöhe. Das wurde nach einer halben Stunde belohnt, als Felix Schütz aus spitzem Winkel zum Ausgleich traf.

Bis weit ins letzte Drittel hinein blieb die Partie ausgeglichen. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst brachte Gusev das russische Team erneut in Führung (53.), aber nur zehn Sekunden später schlug Dominik Kahun zurück und verwertete einen Rückpass von Frank Mauer zum sofortigen Ausgleich. Nach 57 Minuten war die absolute Sensation greifbar. Jonas Müller wartete bis zum optimalen Moment und schoss den Puck zur erstmaligen deutschen Führung ins Tor. Bis 55 Sekunden vor Schluss hielt diese Führung, dann machte erneut Gusev den deutschen Traum von Gold zunichte.

Die Entscheidung fiel dann in der Verlängerung. Nach 70 Minuten wurde eine Strafe gegen Reimer ausgesprochen. In der folgenden Überzahl entschied Kirill Kaprizov mit einem unhaltbaren Schuss unter die Latte das Spiel.

Die Jungs haben Silber

Zum Spiel sagte Marco Sturm: „Wir sind im ersten Drittel nicht ganz so gut wie in den vorigen Spielen rausgekommen, aber Mannschaft hat sich gesteigert.“ Am Ende habe es „nicht sollen sein“, doch „morgen ist wieder ein neuer Tag. Und wenn die Jungs mit Silber aufwachen, dürfte alles wieder okay sein.“ Dominik Kahun war nur noch begeistert und meinte: „Das ist das geilste Turnier gewesen, was wir jemals zusammen gespielt haben. Die Jungs sind unglaublich, eine tolle Truppe und wir werden uns nie vergessen. Die ersten zehn Minuten danach waren wir traurig, aber dann haben wir realisiert, was passiert ist. Wir haben die Medaille - und die nimmt uns nie jemand wer weg. Ich habe ein Tor im Finale von Olympia geschossen. Davon habe ich nicht mal als kleiner Junge geträumt.“ Jonas Müller meinte: „Wir hatten die Goldmedaille zum Greifen nah und haben es am Ende nicht geschafft. Wir sind trotzdem froh, eine Silbermedaille gewonnen zu haben. Niemand hat das vorher gedacht. Mein Tor war ein unglaubliches Gefühl. Das war die Führung drei Minuten vor Schluss. Da hat man schon gedacht, man hat es geschafft.“

Moritz Müller sagte: „Wir sind sehr stolz, dass wir in Deutschland eine Eishockey-Euphorie gestartet haben. Wir sind zwar alle in der Kabine auch Fußball-Fans, sind aber der Meinung, dass in Deutschland mehr Platz ist als nur für eine Sportart. Ich hoffe, dass es jetzt eine Signalwirkung gibt und die Eltern ihre Kinder in den Nachwuchs schicken.“

von Titus Fischer

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