„Wir müssen alle miteinbeziehen“

Die Grünen wünschen sich einen sanften Tourismus

Grüne Garmisch
+
Die Grünen machten sich in Garmisch ein Bild von der Lage (von links): MdB Stephan Schmidt, MdL Hans Urban, Kreisrätin Christl Freier und Dr. Stephan Thiel aus dem Gemeinderat.

GAP - Der Umgang mit dem Tourismus ist den Grünen natürlich ein wichtiges Anliegen, Klima- und Umweltschutz sind hier nicht wegzudenken. Grünen-Politiker aus den verschiedenen Gre­mien, vom Gemeinderat bis zum Bundestag, haben sich in Garmisch-Partenkirchen getroffen, um über die Problematik zu sprechen und einen Eindruck von der aktuellen Situation zu erhalten. Mit Hilfe verschiedener Vertreter aus der Tourismusbranche und Forschung vor Ort.

„Wir müssen weg vom Höher, Schneller und Weiter. Diese Krise kann die Chance sein, um einen sanften Tourismus einzuführen. Ein Tourismus, der nicht zu Lasten von Mensch und Natur geht“, hofft der Bundestagsabgeordnete Stephan Schmidt. Momentan besucht er als Mitglied des Tourismus-Ausschusses verschiedene Urlaubsregionen. Seine Einschätzung: Während der Corona-Krise habe sich die Reisekultur verändert. Die deutschen Urlauber würden nun für einen längeren Zeitraum in der Re­gion bleiben. Das sei eine positive Entwicklung, an der man festhalten müsse. „Wichtig ist eine nachhaltige Wertschöpfung für die Anwohner. Nicht nur wirtschaftlich, auch auf ökologischer und sozialer Ebene.“  

„Der Tourismus ist nicht nur ein wichtiger Teil unserer Wirtschaft, sondern auch unserer Kultur“, betont der Landtagsabgeordnete Hans Urban. Doch die Begleiterscheinungen seien nicht mehr zu ertragen. Für die Zukunft der Region müssten Finanzmittel von Bund und Land zur Verfügung gestellt werden. „Auch die Stadt München sollte in die Verantwortung gezogen werden, schließlich befinden wir uns hier im Naherholungsgebiet der Städterer“, gibt Urban zu Bedenken. Als Beispiel für ein gemeinsames Projekt von Stadt und Landkreisen nannte er den Erholungsflächenverein. Die Stadt München und 32 Erholungsgebiete im Speckgürtel haben sich zusammengetan, um ein naturnahes Angebot in beliebten Ausflugsregionen auszubauen. Es wurde zum Beispiel ein Fahrradwegenetz konzipiert. In einem Kreis verbindet der „Ring der Regionen“ Sehenswürdigkeiten und Erholungsgebiete im weiteren Umland der Landeshauptstadt. Im Süden reicht das Fahrrad-Wegenetz bis an das untere Ufer des Starnberger Sees. „Warum solche Konzepte nicht auch in unseren Bergregionen fahren?“, meint Urban.  

Systematische Lösungen mit Verstand

Gemeinderatsmitglied Stephan Thiel aus Garmisch-Partenkirchen hebt hervor, dass Lösungen nur systematisch funktionieren können: „Schritt eins darf nicht auf Schritt drei folgen.“ Er sprach die neue Gondel der Zugspitzbahn an, die an manchen Tagen Tausende von Besuchern anlockt. Zuvor hätte man die Infrastruktur schaffen müssen, die nötig ist, um diese hohen Besucherzahlen aufzufangen. Dazu gehört auch der Ausbau der Werdenfels Bahn und eine engere Zugtaktung. Ein wesentlicher Schritt, wenn es um vernünftige Besucherlenkung geht. Kreisrätin Christl Freier setzt sich besonders für den Ausbau der Bahngleise ein. In die Straße werde viel investiert, während die Bahn vernachlässigt werde. Das sei nicht zu verstehen.  

Gesamte Gesellschaft miteinbeziehen

Nicht nur die Politik sei bei diesem Thema gefragt, die Menschen müssten auch umdenken. Rücksichtvolles Verhalten in der Natur sei leider nicht selbstverständlich, bedauert Irmi Gallmeier vom Ortsverband. „Die Menschen müssen lernen, dass es nicht geht, Müll zu hinterlassen oder geschützte Bereiche zu betreten.“ Hier könnten die Tourimusverbände viel beitragen, um die Besucher zu sensibilisieren. „Wir müssen die Menschen – Anwohner und Gäste – in diesen Prozess miteinbeziehen. Das geht nur als gesamte Gesellschaft und gemeinsam“, betont Gallmeier.  (moc)

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare