Die Tage der Gletscher in Bayern sind gezählt. Sie verschwinden eher, als vermutet

Fieberthermometer für unser Klima

Gletscher
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Stellten den aktuellen bayerischen Gletscherbericht vor (v.l.): Akademiepräsident Prof. Dr. Thomas O. Höllmann, Umweltminister Thorsten Glauber und Glaziologe Dr. Christoph Mayer.

GAP – Aktuell gibt es in den bayerischen Alpen noch fünf Gletscher: Neben dem südlichen und dem nördlichen Schneeferner sowie dem Höllentalferner südlich von Garmisch-Partenkirchen noch den Blaueis und den Watzmanngletscher im Berchtesgadener Land. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der letzte bayerische Gletscher bereits Anfang der 2030er verschwunden sein könnte.

Der Klimawandel trifft die bayerischen Gletscher mit voller Härte. Das betonte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber bei der Vorstellung des aktuellen Bayerischen Gletscherberichts. „Unsere Gletscher sind Fieberthermometer für den Zustand unseres Klimas. Der Gletscherbericht zeigt klar: Das ewige Eis blutet immer schneller aus.“ Die Tage der Gletscher in Bayern sind gezählt, und das noch früher, als bisher vermutet. Der letzte bayerische Alpengletscher könnte schon in zehn Jahren verschwunden sein. Umweltminister Glauber mahnt: „Unser Ziel muss deshalb lauten: So schnell wie möglich in eine klimaneutrale Zukunft – mit einem ehrgeizigen Klimaschutzgesetz, konkreten Maßnahmen und neuen Ideen.“

Daneben sprach er sich dafür aus, die Klimaziele im Bund und in Bayern anzupassen, nachdem aktuell in der EU eine Anhebung der Klimaziele für 2030 beschlossen wurde. Der neue Bayerische Gletscherbericht ist eine Gemeinschaftsarbeit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) und des Bayerischen Umweltministeriums. Akademiepräsident Prof. Dr. Thomas O. Höllmann: „Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen nicht nur bayerische und österreichische Gletscher, sondern forschen auch in den Hochgebirgen Zentralasiens.“ Der Bayerische Gletscherbericht zeige, welche Bedeutung der Wissenschaft zukommt, den Klimawandel zu erfassen und den Folgen zu begegnen, wie etwa Georisiken in den Alpen, betonte Prof. Höllmann.

Die Speerspitze der Klimaforschung ist die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze. Sie liefert europaweit einzigartige Erkenntnisse. Umweltminister Glauber betont: „Wir werden uns deshalb in Brüssel dafür einsetzen, dass sie zukünftig auch von der Europäischen Union unterstützt wird.“ Die Staatsregierung hat in die Umweltforschungsstation bereits über 10 Millionen Euro investiert. Weitere Investitionen in Höhe von bis zu 7,5 Millionen Euro sind in den nächsten Jahren geplant, um die wichtige Forschungsstation fit für die Zukunft zu machen.

BAdW-Glaziologe Dr. Christoph Mayer erläutert die Bedeutung der Forschung: „Gletscher wirken in vielfältiger Weise auf unseren Lebensraum ein, sei es als Wasserspender in Trockenzeiten oder als wichtiges Element im Klimasystem. Zudem sind Gletscher vor allem als Indikator klimatischer Veränderungen von großer Bedeutung.

Auch wenn die Gletscher im bayerischen Alpenraum von der Fläche her eher unbedeutend erscheinen, so stellen sie doch einen essentiellen Bestandteil des Hochgebirgs-Ökosystems dar. Die intensive Beschäftigung mit diesen Eiskörpern zeigt uns wie empfindlich gerade das Hochgebirge auf klimatische Veränderungen reagiert; sie ermöglicht uns aber auch, die Prozesse des Klimawandels deutlich besser zu verstehen. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, diese Chance zu nutzen.“ tra

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