Rekordbeteiligung bei der »Stunde der Wintervögel«

Spatz wieder auf Platz 1

Haussperling
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  • Franziska Pawel
    VonFranziska Pawel
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Region – Bereits zum dritten Mal in Folge erobert der Haussperling in Bayern Platz 1 bei der „Stunde der Wintervögel“. Insgesamt haben über 40.000 bayerische Teilnehmer*innen aus über 30.000 Gärten knapp eine Million Vögel dem LBV gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr beteiligten sich im Freistaat über 13.000 Naturfreunde mehr und übertrafen damit auch die bisherige Rekordteilnahme aus dem Jahr 2018 deutlich (33.000).

„Diese Rekordbeteiligung ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Lockdown zurückzuführen, da die Menschen mehr Zeit zuhause verbringen und den Vögeln vor ihrer Haustüre mehr Aufmerksamkeit schenken“, sagt Hans-Joachim Fünfstück, 1. Vorsitzender der LBV-Regionalgruppe Garmisch-Partenkirchen/Weilheim-Schongau. Im Schnitt wurden dieses Jahr allerdings nur 32 Vögel pro Garten beobachtet und somit so wenige wie noch nie in den 16 Jahren der Mitmachaktion. „Solche temporären Rückgänge müssen nicht gleich als Alarmsignal gesehen werden. Gerade wenn so viele Arten tendenziell eher ausbleiben, deutet das auf übergeordnete Ursachen hin wie eine gute Verfügbarkeit von Nahrung in der Natur. Die Vögel suchen unsere Gärten dann seltener auf“, so Fünfstück.

Zum dritten Mal sichert sich der Haussperling „Spatz“ den Spitzenplatz bei der „Stunde der Wintervögel“, während sein Artgenosse, der Feldsperling, den zweiten Platz belegt. „Obwohl Haus- und Feldsperlinge in weniger Gärten gemeldet worden sind als in den vergangenen Jahren, können Sie ihre Führungsposition halten. Die Meldezahlen liegen aber im Rahmen der üblichen Schwankungen der Populationen“, erklärt Fünfstück. Eine Entwarnung gibt es für den Haussperling dennoch nicht, denn gerade in großen Städten fehlen ihm vor allem geeignete Nistplätze an Gebäuden. Ein Grund hierfür sind z. T. die gründlichen energetischen Sanierungen die zu einem Brutplatzmangel für Haussperlinge und andere Gebäudebrüter führen.

Und wie geht es der Blaumeise? Im vergangenen Frühling war in weiten Teilen Deutschlands eine vom Bakterium Suttonella ornithocola ausgelöste Epidemie aufgetreten, der Tausende Vögel dieser Art zum Opfer fielen. Bei der „Stunde der Gartenvögel“ im Mai 2020 meldeten die Teilnehmer auch in Bayern 22 Prozent weniger Blaumeisen als im Vorjahr. Zwar wurden die Blaumeisen in diesem Winter etwas seltener gemeldet als sonst. „Ein Grund zur Sorge wegen des Bakteriums besteht aber nicht“, gibt der Vogelexperte Entwarnung. „Unsere bayerischen Blaumeisen waren von Anfang nicht ganz so stark betroffen wie die Vögel in anderen Bundesländern. Auch zeigten sich in den letzten Monaten keine auffällig verringerten Bestandszahlen bei den bayerischen Blaumeisen.“ Die viel wahrscheinlichere Erklärung für die geringe Anzahl an gemeldeten Blaumeisen sind artübergreifende Ursachen. Denn neben der Blaumeise wurden in diesem Jahr auch weitere typische Waldvögel wie Haubenmeise, Tannenmeise und Kohlmeise, aber auch Kernbeißer, Bergfink, Eichelhäher und Gimpel in weniger Gärten gemeldet. „Da sich dieses Phänomen bei verschiedenen Arten zeigt, kann ein Bestandseinbruch kaum die Ursache für die fehlenden Vögel sein“, so Fünfstück.

Die geringere gemeldete Anzahl dieser Vogelarten könne stattdessen auf eine gute Verfügbarkeit von Nahrung in der Natur zurückzuführen sein, so gibt es heuer z. B. sehr viele Buchecker. „Die Vögel sind dadurch vorübergehend weniger auf Unterstützung durch unsere Gärten angewiesen und kommen deshalb wahrscheinlich seltener an unsere Futterstellen“, erklärt der Regionalgruppen-Vorsitzende. „Möglich ist darüber hinaus, dass Arten wie die Kohlmeise aus Brutgebieten in Nord- und Osteuropa weniger bei uns überwintern, weil sie dort immer noch gute Bedingungen vorfinden“, sagt Fünfstück weiter. Wie in den letzten Jahren wurden wieder viele Zugvogel-Arten gesichtet, die jetzt den Winter anstatt im Süden in Bayern verbringen, wie z. B. Star, Zilpzalp und Hausrotschwanz. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wurden durch unsere Lage am Alpenrand auch einige besondere Arten gesichtet, wie 119 Alpendohlen (bayernweit 503). Diese Bergvögel fallen oft im Winter in großen Schwärmen in bergnahen Orten wie Mittenwald und Farchant zur Futtersuche ein. Außerdem wurden z. B. vier Tannenhäher (Bayern 56) und ein Bergpieper (Bayern 17) gemeldet. kb

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