Dirigent bekommt nach Jahrzehnten eine repräsentative Grabstätte in Garmisch-Partenkirchen

Hommage an Hermann Levi

Porträt von Herrmann Levi
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Hermann Levi

GAP – Während der letzten Jahre des 19. Jahrhunderts war der Markt Partenkirchen Sehnsuchtsort für Künstler aus dem nahen München. In die Liste der prominenten Sommerfrischler reihten sich ein: Franz von Lenbach (Maler), Adolf von Hildebrand (Bildhauer), Paul Heyse (Literaturnobelpreisträger), Walther Siegfried (Schriftsteller), um nur ein paar Namen zu nennen. Die illustre Schar gruppierte sich um den Dirigenten Hermann Levi, der ab 1896 in Partenkirchen eine stattliche Villa bewohnte. 2020 jährte sich der Todestag Hermann Levis zum 120. Mal.

Ehrenplatz im Kulturkalender

Es hätte ein würdiges Gedenkjahr werden sollen, wie die Erste Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, Elisabeth Koch sagt, aber dann kam Corona und schwemmte alle Pläne fort: „Wir hatten Hermann Levi einen Ehrenplatz im diesjährigen Kulturkalender frei gehalten. Höhepunkt wäre ein Festkonzert mit der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Kirill Petrenko (Chefdirigent der Berliner Philharmoniker) gewesen.“ Der Begriff ‚Ehrenplatz‘ lässt aufhorchen, denn während der vergangenen Jahrzehnte war unterhalb der Zugspitze eine würdige Erinnerungskultur an einen der bedeutendsten Dirigenten des 19. Jahrhunderts nicht gegeben; der Ehrenbürger Garmisch-Partenkirchens hatte nicht einmal eine ihm angemessene Ruhestätte. Bürgermeisterin Elisabeth Koch: „Was lange währt, wird endlich gut. Wir haben für das Gedenken an Hermann Levi einen wichtigen Meilenstein setzen können.“

Letzte Lebensjahre in Partenkirchen

Hermann Levi, am 7. November 1839 als drittes Kind des hessischen Landesrabbiners Benedikt Levi in Gießen geboren, begann seine Ausbildung am Konservatorium in Leipzig: Klavier, Dirigieren und Komponieren. Nach Anstellungen in Saarbrücken, Mannheim, Karlsruhe und Rotterdam holte ihn 1872 König Ludwig II. an das Hof- und Nationaltheater in München. Eine Freundschaft zu Johannes Brahms zerbrach, weil sich Levi für die Werke Richard Wagners begeisterte – die er mit Leidenschaft interpretierte. In München stand der Dirigent am Pult für ‚Tristan und Isolde‘ sowie für den ‚Ring der Nibelungen‘. Den Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere sah Levi – wie er selber sagte – darin, dass ihn Richard Wagner mit der Uraufführung des ‚Parsival‘ in Bayreuth beauftragte. Ein Jude dirigiert ‚Parsival‘ – das rief antisemitische Kritiker auf den Plan. Die Anfeindungen und Schmähungen wuchsen nach dem Tod Wagners für Levi ins Unermessliche.

1896 verließ der Musiker völlig entnervt Bayreuth und München. Er bezog im Markt Partenkirchen das Haus Riedberg und beschäftigte sich dort hauptsächlich mit der Übersetzung einiger Textbücher von Opern Wolfgang Amadeus Mozart, und fungierte als Herausgeber von Johann Wolfgang von Goethes „Gesammelte Erzählungen und Märchen“. In seiner Wahlheimat Partenkirchen engagierte sich Levi für das Gemeinwohl; er förderte beispielsweise den Bau einer Wasserleitung. Dafür wurde Hermann Levi 1898 zum Ehrenbürger ernannt. Er starb am 13. Mai 1900.

Die letzte Ruhestätte würdig gestalten

Der Musiker wurde im Garten seines Hauses bestattet. Das Mausoleum überstand die Zeit des Nationalsozialismus. Erst 1957 genehmigte die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen den Abriss des Grabmals. Lediglich eine Grabplatte und der Zinksarg in der Gruft blieben erhalten. Bemühungen, eine würdige Ruhestätte für Hermann Levi zu finden, scheiterten...

Bis im Februar 2019 der Gemeinderat beschloss: Hermann Levi soll im Ort eine repräsentative Ruhestätte bekommen! Bürgermeisterin Elisabeth Koch: „Auf dem Weg dorthin haben wir bereits viel erreicht. Im April des vergangenen Jahres wurde – noch in der Amtszeit meiner Vorgängerin Sigrid Meierhofer (SPD) - der künstlerische Wettbewerb für die Neugestaltung des Grabmals abgeschlossen. Die Münchner Künstlerin Franka Kaßner ist mittlerweile beauftragt worden, ihren Siegerentwurf umzusetzen. Da soll bis spätestens Juni 2021 abgeschossen sein.“ Im Umfeld der Grabstätte soll es einen Themenweg zu Leben und Werk Hermann Levis geben.

• Die im Jahr 2020 wegen Corona ausgefallenen Veranstaltungen zum Gedenken an Hermann Levi wurden auf dieses Jahr verschoben – einschließlich des Konzertes der Bayerischen Staatsoper. Informationen: www.richard-strauss-institut.de gb

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