Sanierung mit Augenmaß oder Neubau?

Diskussion um die alte Schwebebahn am Hörnle

Was soll mit der alten Schwebebahn am Hörnle passieren?
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Was soll mit der alten Schwebebahn am Hörnle passieren?

Bad Kohlgrub – Die 2.840 Einwohner der Moorkurgemeinde diskutieren gerade, was mit der alten Schwebebahn am Hörnle passieren soll. Soll ihr historischer Charme erhalten bleiben oder ein kompletter Neubau vorgenommen werden?

Bürgermeister Franz Degele: „Die Bahn ist 1954 in Betrieb genommen worden. Es wird immer schwieriger, Ersatzteile dafür zu bekommen, und der weltweit einmalige Schwenkmechanismus beim Ein- und Aussteigen macht den Fahrgästen mitunter Pro­bleme.“ Andererseits wäre es sicherlich reizvoll, die Anlage als Nostalgiebahn weiterhin zu betreiben. Die Gipfel der Hörnlegruppe haben Höhen von 1484 bis 1535 Meter. Bürgermeister Franz Degele: „Das Hörnle ist relativ flach, gut mit Wander- und Forstwegen erschlossen. Wir haben die alte Schwenk-Doppelsesselbahn und im Winter zwei Schlepplifte für unsere beiden familienfreundlichen Skipisten. Schneekanonen gibt es am Hörnle nicht.“ 

Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde Bad Kohlgrub ein Ingenieurbüro damit beauftragt, einen Masterplan für das Hörnlegebiet zu erstellen. Dieses Konzept sieht eine Zehner-Gondelbahn vor, eine Parkplatzvergrößerung mittels zweigeschossigem Parkdeck sowie eine Erweiterung der bestehenden Gastronomie am Hörnlegipfel auf 250 Terrassenplätze. Kostenschätzung: 20 Millionen Euro. Bürgermeister Franz Degele: „Wir haben dieses Konzept mit der Bevölkerung diskutiert, mit dem Grundstückseigner und der Weidegenossenschaft. Der Gemeinderat ist zu dem Schluss gekommen, dass diese Entwürfe für uns zu großzügig dimensioniert sind.“ Die Ingenieure sollen ihren Masterplan kräftig abspecken und die Kosten um rund 30 Prozent drücken. Gleichzeitig beauftragt der Gemeinderat über den Bahnbetreiber Schwebebahn GmbH & CoKG – eine Tochter der Gemeinde Bad Kohlgrub – ein Fachbüro für Seilbahn-Sanierungen mit der Überprüfung, ob es eine Chance gibt, die alte Schwebebahn für die Zukunft wieder fit zu machen. Franz Degele: „Wir müssen die Ergebnisse beider Untersuchungen abwarten. Dann erst werden wir darüber diskutieren, was für uns wirtschaftlich umsetzbar ist.“ 

Degele lässt durchblicken, dass eine massive Aufblähung, wie es ein Neubau der Bergbahn und der damit einher gehenden In­frastruktur bedeuten würde, von Seiten der Bürger und vor allem der Grundstückseigner bzw. der Weiderechtler nicht favorisiert wird: „Die Leute wollen keine touristische Erweiterung am Hörnle.“ Axel Doering (Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz in Garmisch-Partenkirchen): „Die Menschen in Bad Kohlgrub wollen ihre alte Bahn erhalten, so wie sie ist. Das ist vernünftig und ich hoffe, dass sie das schaffen.“ Die historische Seilbahn habe Tradi­tion und ihre Infrastruktur sei bereits auf die Belange der Natur und der Bevölkerung vor Ort angepasst, so Axel Doering weiter. Dazu braucht es Geld. Florian Streibl (MdL-Freie Wähler): „Die Sanierung und Modernisierung von alten Seilbahnen ist in der ‚Richtlinie zur Förderung von Seilbahnen und Nebenanlagen in kleinen Skigebieten‘ vorgesehen. Das gilt für Skigebiete mit maximal drei Pisten und einer Gesamtlänge von weniger als drei Kilometern.“ Das klingt wie maßgeschneidert für das Hörnle. Florian Steibl: „Die Kohlgruber sollen ein kreatives, ökologisches Konzept für ihre Sesselbahnsanierung vorlegen. Eine regenerativ betriebene Seilbahn wäre bestimmt ein Ansporn für eine staatliche Förderung.“ 

Günter Bitala

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