Drama auf der Loipe – Bronze für Deutsche in der Mixed-Staffel

Gold für Norwegen (Mitte), Silber für Slowenien (li.), Bronze für Deutschland. Foto: Fischer

Im ersten Rennen der Weltmeisterschaften gewann Magdalena Neuner ihre erste Medaille. Mit der Mixed-Staffel gewann die Wallgauerin Bronze. Bisher hatte sie immer Gold oder Silber gewonnen.

Kurios war der Zieleinlauf: Norwegen holte Gold, obwohl deren letzter Läufer Emil Hegle Svendsen nicht als Erster ins Ziel lief. Weil eine von Ole Einar Björndalen getroffene Scheibe nicht umgefallen war, bekamen die Skandinavier nachträglich 30 Sekunden gutgeschrieben. Zweiter wurde Slowenien vor Deutschland, das mit der bestmöglichen Aufstellung ins Rennen gegangen war. Das Dream-Team mit Magdalena Neuner, Andrea Henkel, Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer hatte zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung. Doch Peiffer verlor am letzten Schießstand die Nerven – Bronze für Deutschland. „Darüber sollten wir uns alle freuen, und auch der Arnd wird sich bald darüber freuen“, sagte Neuner mit Blick auf den etwas deprimiert wirkenden Peiffer. Den Anfang für die deutsche Mannschaft machte Andrea Henkel. Das Publikum hatte lautstark die Sekunden bis zum Startschuss heruntergezählt. An die Spitze des Feldes setzte sich zuerst die Norwegerin Tora Berger vor der Slowakin Jana Gerekova ab. Henkel hatte zuerst etwas Mühe, weil sie eingekesselt war. Doch sie kämpfte sich frei, war nach knapp vier Minuten bereits auf Position vier. Beim ersten Schießen musste sie aber zwei Mal nachladen, was sie gut 20 Sekunden kostete. Nach dem Schießstand lag Marie Laure Brunet aus Frankreich vor Berger, die sich aber vor dem zweiten Schießen wieder an Platz eins setzte. Auch Henkel gab wieder Gas, machte – zwar nur auf Rang 13 liegend – ein paar Sekunden auf die Spitze gut. Beim zweiten Schießen brauchte die 34-Jährige nur einen Nachlader, doch auch der vergrößerte den Abstand auf die führende Berger: Die Fünfte der Gesamtweltcupwertung räumte im Stehendschießen in Windeseile alle Scheiben ab und ging mehr als elf Sekunden vor der weiterhin zweiten Brunet auf die Loipe zurück. Berger lief einsam an der Spitze bis zur Übergabe an Synnoeve Solemdal. Henkel übergab mit 45 Sekunden Rückstand an Magdalena Neuner, eine Herkulesaufgabe – genau das Richtige für „Gold-Lena“. Doch Solemdal machte da weiter, wo Berger aufgehört hatte und zog einsam an der Spitze ihre Kreise. Den Schießstand erreichte Neuner als Vierte. Solemdal brauchte einen Nachlader. Ebenso machte es die 25-jährige Deutsche, womit sie die Chance ausließ, mehr Zeit gutzumachen. Dennoch holte sie durch ihre schnelle Schussfolge fünf Sekunden auf die Norwegerin auf: 35 Sekunden Rückstand, Rang drei für Deutschland nach dem 18 Sekunden hinter der Spitze liegenden Frankreich, jetzt vertreten durch Marie Dorin Habert. Auf Rang vier lag nach dem zweiten Schießen Russland, als einziges Team noch ohne Fehlschuss. Im zweiten Abschnitt gab Neuner richtig Gas. Rückstand nur noch 30 Sekunden, Habert hatte sie bereits im Blick. Doch die setzte sich mit einer Glanzleistung im Stehendschießen an die Spitze, Solemdal musste drei Mal nachladen. Auch Neuner brauchte zwei neue Patronen, lag nach dem Schießen weiter auf Rang drei, gute 20 Sekunden hinter der Spitze. Dann schaltete die Wallgauerin den Turbo ein und machte Jagd auf Solemdal, die sie mit einer wahren Explosion passieren konnte – Rang zwei. Mit nur noch sieben Sekunden Rückstand übergab sie an Andreas Birnbacher, der hinter Simon Fourcade aus Frankreich und vor dem Norweger Ole Einar Björndalen auf der Loipe unterwegs war. Der 30-Jährige holte dabei weiter auf. Mit nur noch einer Sekunde Rückstand kam Birnbacher über den Anstieg vor dem ersten Schießstand. Birnbacher schoss alle Scheiben ab und setzte sich vor Fourcade, der mit drei Nachladern auf Rang sieben zurückfiel. Neuer Zweiter war Björndalen, eine halbe Minute hinter dem Deutschen. 25 Sekunden vor Björndalen liegend schoss Birnbacher auch im Stehen blitzschnell alle Scheiben weg – das Publikum war aus dem Häuschen. Da der Norweger auf eine Strafrunde musste und alle anderen aus der Spitzengruppe am Schießstand Federn ließen, lief Deutschland auf der Loipe mit über einer Minute Vorsprung vorneweg. Auf Platz zwei lag jetzt Slowenien mit Klemen Bauer. Mit einer knappen Minute Vorsprung übergab Birnbacher an Arnd Peiffer. Es sollte eigentlich nicht mehr viel schief gehen, mochte man meinen. Seine Konkurrenten waren nun der Slowene Jakov Fak und der Norweger Emil Hegle Svendsen, letzterer bekannt für seine Kraftreserven am Renn-Ende. Der 24-jährige Deutsche hielt den Vorsprung bis in den Schießstand. Trotz eines Nachladers waren die Aussichten glänzend. Dennoch holten die Verfolger auf. Die fehlerfreien Slowenien und Norwegen lagen nun nur noch 40 bzw. 50 Sekunden zurück. Wieder hielt Peiffer bis in den Schießstand den Vorsprung auf den Zweiten Fak, der jedoch von Svendsen eingeholt wurde. Dann das Stehendschießen: Zwei Nachlader für Peiffer! Und er verschoss erneut – Strafrunde! Sieben Sekunden hinter dem fehlerfreien Fak ging er wieder auf die Loipe. Doch dieser gab Gas, baute den Vorsprung aus, während Svendsen dem Deutschen auf die Pelle rückte und auch vorbeizog. Ins Ziel fuhren schließlich Fak, Svendsen und Pfeiffer in dieser Reihenfolge. Dann machte die Meldung die Runde, dass Norwegen eine Gutschrift bekommt. Eine Scheibe, die Björndalen getroffen hatte, war nicht umgefallen – Sieg für die Norweger.

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