Dreifaches Jubiläum in Ohlstadt

Gelebtes Brauchtum bietet Halt in der Heimat

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Auch die kleinsten Trachtler marschierten mit. 

Ohlstadt – Auf Christian Scheuerer können sich die Ohlstädter verlassen. Der Bürgermeister hatte die Schirmherrschaft zum Jubiläumswochenende dreier Traditionsvereine übernommen. Es hat geklappt: am Sonntagmorgen strahlte die Sonne vom tiefblauen Himmel. Ein paar Schönwetterwolken zogen über das Dorf hinweg. Gefragt war ein ‚Schirmbaum‘. Da kam die Dorflinde gegenüber des ‚Gasthof Post‘ gerade recht, denn dort suchten die Festgäste während des Gottesdienstes wohltuenden Schatten.

Es gab viel zu feiern: Der Krieger- und Soldatenverein beging seinen 150. Geburtstag. Der Gebirgstrachtenerhaltungsverein D‘Illingstoana‘ ist 110 Jahre alt geworden, und die Musikkapelle Ohlstadt auch schon 70. Es ist ein besonderes Zeichen gemeindlichen Zusammenhalts, wenn drei Vereine ihre Jubiläen gemeinsam feiern, sagte Landrat Anton Speer. Das unterstrich Bürgermeister Christian Scheuerer, und dankte allen die mitgeholfen haben, dieses Fest auf die Beine zu stellen. Speziell nannte Scheuerer die Zeltaufbauer - die fleißigen Hände in der Küche - die Kuchenspender - die Bedienungen - die Helfer, die den Dorfplatz für den Gottesdienst hergerichtet hatten - aber auch die Frauen und Männer von der Rotkreuz-Bereitschaft und von der Feuerwehr. In seinem Grußwort erinnerte der Bürgermeister an Gemeinsamkeiten, die zu den einzelnen Gründungen geführt hatten: „Alle drei Vereine fanden sich zu unruhigen Zeiten zusammen, Zeiten in denen die Menschen Halt in der Heimat suchten“. Bei den Veteranen waren es die Wirren nach dem ‚Preußisch-Österreichischen‘-Krieg. Später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, war nicht klar, wohin Bayern treiben wird; König Otto war geisteskrank, regiert hatte - der auch schon greise – Prinzregent Luitpold. Die Musiker brachten schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg und während der Notzeiten wieder Fröhlichkeit und Zuversicht zu den Leuten. Christian Scheuerer: „Alle drei Vereine gehören zusammen – die Veteranen und ihre Gedenkveranstaltungen für die Gefallenen und Vermissten, sind ohne Trachtler und Musiker nicht denkbar.“

„Bei Glaube und Brauchtum geht es nicht um Erfolg und Profit. Das sind Herzensangelegenheiten!“

Kurz vor zehn Uhr formierte sich der Kirchenzug zum Dorfplatz. Dort wartete bereits Pfarrer Christian Hermann, der in den Mittelpunkt seiner Predigt das Gleichnis vom Sämann stellte – ihm zur Folge darf man die Werte Glaube und Brauchtum nicht mit merkantilen Maßstäben bewerten: „Bei Glaube und Brauchtum geht es nicht um Erfolg und Profit. Das sind Herzensangelegenheiten!“ Die musikalische Umrahmung der Messe übernahm die Musikkapelle Ohlstadt mit ihrem Dirigenten Erwin Gaulhofer. Zum Mittagessen ging es dann hinauf zum Bierzelt am Ram. Es war ein prächtiges Bild, zu dem die Fahnen und die Abordnungen der Ortsvereine beigetragen hatten, die sauber daherkommenden Trachtengruppen aus den Nachbarorten, die Vertreter der Veteranenvereine aus dem gesamten Landkreis, die Trommlerzüge und die Gastkapellen. Am Wegesrand jubelten zahlreiche Zuschauer, die sich dem Umzug anschlossen und mit zum Zelt hoch liefen. Bürgermeister Christian Scheuerer: „Ein Trachtenfest, wie wir es in Ohlstadt zu feiern verstehen, ist keine Show-Veranstaltung, kein Disneyland. Das ist gelebtes Brauchtum, wie es bei uns Zuhause ist.“

Veteranen, Trachtler und Musiker feiern bei strahlendem Wetter

Dank des Gausvorsitzenden

Dass die Tradition nicht aussterben wird, zeigte sich nicht zuletzt an den vielen Kindern und Jugendlichen, die ihre Tracht nicht nur mit Stolz, sondern auch mit Selbstverständlichkeit tragen. Die, die alten Plattler tanzen, Blasmusik spielen und auch beim Gottesdienst mit dabei sind. Für den Vorsitzenden der Oberländer Trachtenvereinigung, Josef Mayr, ist Ohlstadt ein Glücksfall: „Seit Gründung des Gaues entsenden D‘Illingstoana Vertreter in den Gauausschuss.“ Der Gauvorsitzende bedankte sich aber auch bei der Musikkapelle, als „wichtigen Partner des Trachtenvereines: „Ihr findet immer die richtigen Klänge!“ Mayr erinnerte an die großen Trachtenveranstaltungen in Ohlstadt – Gaufeste, Gaujugendtage, Gausingen und Gauplattlproben. Als Vorgriff auf die kommenden Monate nannte Josef Mayr das Gaujugendsingen, das am Freitag, 6. Oktober 2017, im Ohlstädter Gasthof Post stattfinden wird. Bevor die reschen Hendl zu den Tischen gebracht wurden, schüttete Landrat Anton Speer einen kleinen Wermutstropfen in das süffige Bier: „Die vergangenen drei Jahre gab es in Ohlstadt keinen Sommer ohne Bierzelt. Das wird ein ‚trockenes‘ Jahr 2018, wenn im Bobdorf keine Feierlichkeit ansteht.“

Von Günter Bitala

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