Ein emotionales Wochenende für Magdalena Neuner – Die Wallgauerin ist auch in diesem Winter läuferisch nicht zu schlagen

Zuerst verballerte Magdalena Neuner in der Staffel den deutschen Sieg, dann zeigte sie in den beiden Einzelrennen in Oberhof ihre tolle Form und holte sich zweimal den Sieg. Damit schloss sich der Kreis, denn am Rennsteig hatte die Wallgauerin 2007 den ersten Weltcupsieg ihrer einzigartigen Karriere gefeiert. Nach dem Sieg am Sonntagnachmittag schnappte sie sich das Mikorfon des Stadionsprechers: „Ich möchte mich bei allen Fans bedanken, die mich in all den Jahren in Oberhof angefeuert haben“, sagte Neuner. Ich freue mich, jetzt auch mit einem Sieg aufzuhören. Ich hatte immer eine tolle Zeit hier.“

Zunächst gingen Neuner und ihre Kolleginnen beim ersten Rennen des neuen Jahres allerdings leer aus. Bei schwierigen Windbedingungen und einer Loipe, die mit Hilfe des Schnees einer nahegelegenen Skihalle präpariert werden konnte, mussten sich Magdalena Neuner, Andrea Henkel, Tina Bachmann und Sabrina Buchholz mit dem vierten Platz zufrieden geben. Ausschlaggebend waren Neuners Fehler beim letzten Stehendschießen, wo sie nur eine einzige Scheibe traf. Von Neuners Patzer profitierten die Russinnen Anna Bogaliy-Titovets, Svetlana Sleptsova, Olga Zaitseva und Olga Vilukhina, die sich den ersten Platz vor den Staffeln aus Norwegen und Frankreich sicherten.Startläuferin Andrea Henkel absolvierte vor 19.000 Zuschauern das Schießen auch nicht fehlerfrei, blieb aber ohne Strafrunde und übergab als Zweite an Tina Bachmann. „Drei Nachlader für den letzten Treffer waren definitiv zu viel. Ich musste mich sehr zusammenreißen“, sagte Henkel. Auch die 25-jährige Bachmann musste beim Stehendschießen nachladen, verhinderte aber ebenfalls eine Strafrunde. Durch eine starke Laufleistung arbeitete sie sich sogar an Platz eins vor – kurioserweise dank eines Sturzes mit Bauchlandung kurz vor dem Wechsel. Denn die bis dato Führende Slowakin Jana Gerekova war ebenfalls gestürzt, hatte aber länger gebraucht, wieder auf die Beine zu kommen. Lokalmatadorin Sabrina Buchholz, die für Franziska Hildebrandt in die Staffel gerückt war, ging als dritte deutsche Läuferin auf den Weltcupkurs in Oberhof. Sie knüpfte am Schießstand an die starken Vorstellungen ihrer Vorgängerinnen an und kämpfte anschließend in der Loipe um jede Sekunde gegen die starke Russin Olga Zaitseva, die erst kurz vor dem letzten Wechsel an ihr vorbeizog. „Auf der letzten Runde musste ich ganz schön beißen, aber ich bin glücklich, dass ich dagegen halten konnte“, so Buchholz. Schlussläuferin Magdalena Neuner machte den knappen Rückstand von 1,8 Sekunden hinter der russischen Staffel schon nach wenigen Metern wett und setzte sich an Position eins. Beim Liegendschießen blieb sie fehlerfrei, doch beim Stehendschießen kamen von acht Schuss nur einer ins Ziel, damit fing sie sich gleich vier Strafrunden ein. „Ich hatte ein gutes Gefühl und dachte immer, warum fallen die Scheiben nicht. Am Ende habe ich dann resigniert", so Neuner enttäuscht. Doch schon beim nächsten Rennen hatte die Wallgauerin das Missgeschick vergessen gemacht und sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Sie blieb beim Sprint ohne Fehler und sicherte sich überlegen den Sieg. „Ich bin überglücklich, dass das so aufgegangen ist und ich unter die Staffel einen Haken machen kann", freute sich die 24Jährige. Auf Platz zwei über die 7,5 Kilometer kam die Weißrussin Darja Domratschewa; Dritte wurde die Russin Olga Saizewa, die am Schießstand wie Neuner ohne Fehler blieb. Die Finnin Kaisa Mäkäräinen, vor dem Rennen als Kandidatin auf den Sieg gehandelt, verschenkte durch zwei Extrarunden als Vierte einen Podestplatz. Wie Neuner nach dem Wettbewerb erklärte, habe sie sich durch Gespräche mit ihrem Mentaltrainer wieder aufgerichtet. „Ich habe das Staffelrennen in meinem Kopf gelöscht“, sagte sie. Miriam Gössner landete auf Platz 37. Die Garmisch-Partenkirchnerin hatte sich vier Fehler geleistet. Zum Abschluss der Rennen in Oberhof feierte Neuner auch noch einen Sieg im Massenstartrennen über 12,5 Kilometer – vor allem dank einer starken Laufleistung. Zweite wurde die Norwegerin Tore Berger vor Lokalmatadorin Andrea Henkel. Neben Berger führte die Wallgauerin den Pulk der 30 Läuferinnen nach 2,5 Kilometern an der Spitze zum ersten Liegendschießen. Neuner stand als erste wieder auf den Skiern, musste aber einmal in die Strafrunde. Die Französin Marie Laure Brunet setzte sich an die Spitze, gefolgt von der jungen Hallenserin Franziska Hildebrand und der Russin Ekaterina Jurlowa. Neuner und Henkel, die ebenfalls einmal in die Strafrunde musste, reihten sich auf den Plätzen elf und zwölf ein, rund 20 Sekunden hinter dem Führungstrio. Auch beim Schießen Nummer zwei, schoss sie die nächste Fahrkarte. Wieder ging's in die Strafrunde, das neue Führungstrio diesmal: Wita Semerenko aus der Ukraine, Andrea Henkel und die davor führende Französin Brunet. Franziska Hildebrand musste sich mit zwei Schießfehlern aus der Spitzengruppe verabschieden, während Neuner als Achte zurück aus der „Ehrenrunde“ kam, diesmal mit einem Rückstand von 23,3 Sekunden auf die Spitze. Mittendrin im Kampf um einen Platz ganz vorne war plötzlich auch wieder die Russin Olga Saizewa. Auf der Startrunde war sie in einen Sturz verwickelt gewesen und als Letzte zum ersten Schießen gekommen. Das Spitzentrio blieb aber nicht lange allein. Bis zum dritten Schießen, dem ersten Stehendschießen, arbeiteten sich die starken Läuferinnen wieder heran: Neuner, Saizewa, die Weissrussin Darja Domratschewa, die Russin Swetlana Slepzowa – die Top-Biathletinnen des Winters waren eng zusammen. Zehn Läuferinnen kamen praktisch zeitgleich zum dritten Schießen. Dort das bewährte Bild: Neuner mit einer Fahrkarte, andere hatten bei schwierigen Wind- und Wetterverhältnissen in Oberhof mehr Glück. Henkel kehrte fehlerfrei als erste Läuferin zurück in die Loipe, gefolgt von den Französinnen Brunet und Marie Dorin Habert sowie Berger. Neuner reihte sich dahinter als Fünfte ein. Doch vor allem läuferisch präsentierte sie sich bei diesem Massenstartrennen als stärkste Athletin im Feld. Kurz vor dem letzten Schießen hatte sie sich auf Platz zwei vorgekämpft, in ihrem Sog Tore Berger auf Platz drei – der zweite Stehendanschlag musste die Entscheidung bringen. Alle drei – Henkel, Neuner, Berger – bleiben ohne Fehler, die Norwegerin feuerte allerdings wie im Rausch und ging mit fünf Sekunden Vorsprung auf die letzten Kilometer. Ein Vorsprung, der aber nicht ein Mal ein paar Hundert Meter halten sollte. Beim letzten Anstieg auf den Birxsteig schnappte sich Neuner bereits die Norwegerin, Andrea Henkel auf Rang drei konnte beiden nicht mehr folgen. Im Ziel hatte Neuner 12,5 Sekunden Vorsprung auf Berger und 32 Sekunden auf Henkel. „Der Plan war Vollgas bis ins Ziel. Das habe ich durchgezogen, ohne dass es weh tat. Ich wollte meine Gegner nicht demoralisieren, ich war läuferisch einfach so gut drauf“, erklärte Neuner ihre überragende Laufleistung. Durch den vierten Saisonsieg baute die Doppel-Olympiasiegerin auch die Führung im Gesamt-Weltcup aus. Sie hat nun 465 Punkte auf dem Konto, ihre schärfste Konkurrentin Darja Domratschewa brachte es bislang auf 417 Punkte. Einzig Bundestrainer Uwe Müssiggang wirkte nach dem Rennen nicht ganz glücklich, blickt er nach dem Abschied von Neuner zum Saisonende auf eine ungewisse Zukunft: „Oberhof hat genau das bestätigt, was wir schon vorher wussten. Wir haben zwei starke Frauen, die aus eigener Kraft aufs Podium laufen können – mit einer überragenden Magdalena Neuner. Danach klafft eine große Lücke“, Müssiggang. Einziges Trostpflaster: Andrea Henkel, die ebenfalls aufhören wollte, erklärte am Rande der Weltcups, dass sie bis zu den Olympischen Winterspielen 2014 weiterlaufen will.

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