Auf Erfolgskurs – Murnauer Museumspädagogik macht Spaß

Gabi Rudnicki (rechts) nutzt jede Gelegenheit, für das pädagogische Angebot des Schlossmuseums Murnau zu werben, wie hier beim Christkindlmarkt der Hobbykünstler. Foto: Bitala

Wenn Gabi Rudnicki vermittelt, was das Wesensmerkmal der berühmten Gemälde von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky ausmacht, lässt die Museumspädagogin ihre Zuhörer zeichnen. „Ich stelle die Aufgabe“, sagt sie, „das Murnauer Schloss und die Pfarrkirche St. Nikolaus auf Papier zu bringen. Innerhalb einer Minute. Die Leute müssen sich dabei auf das charakteristische der Gebäude konzentrieren, auf die markante Giebelfassade und die Zwiebelhaube. So haben es die Maler der Künstlergruppe ‚Der blaue Reiter‘ auch gemacht – sie haben ihre Motive auf das Wesentliche verdichtet, auf die Form und die Farbe.“

Seit zehn Jahren leitet Gabi Rudnicki die Abteilung ‚Museumspädagogik‘ im Schlossmuseum Murnau. Das Interesse von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an ihren Angeboten wird immer größter. Heuer kamen 2769 Menschen zu den 160 Veranstaltungen. Gleich nachdem das Schlossmuseum in den frühen 90er-Jahre seine Pforten öffnete, ließen sich die Murnauer Ge- meinderäte für eine „Museumspädagogik“ begeistern, um die Ausstellungsräume zum Erlebnisort für Kinder und Erwachsene zu machen. Die großen und kleinen Besucher sollten sich intensiv mit den Exponaten beschäftigen. Sie sollten in dem ausgestellten Bild, in der Skulptur Details erkennen und sich an Hand ihrer eigenen Erfahrungen in die Welt der Künstler versetzen. Diese weitsichtige Idee wurde ab 1995 von Sylvia Fritsch als erste hauptamtliche Museumspädagogin in Murnau in die Praxis umgesetzt. Gabi Rudnicki war seinerzeit bereits als freie Mitarbeiterin dabei. Beide Frauen hatten entsprechende Erfahrungen aus dem „Museumspädagogischen Zentrum München“ mitgebracht. In den pädagogischen Programmen geht es um die alten Handwerkstechniken, die in den Orten rund um den Staffelsee gepflegt wurden, und die heute noch dort daheim sind wie die Hinterglasmalerei oder das Wachsziehen. Aber auch die Entwicklung der abstrakten Malerei und der deutschsprachigen Literatur zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts werden aufbereitet. Die Wahlmurnauer Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und Ödön von Horváth bieten dazu in den entsprechenden Dauer- und Sonderausstellungen reichlich Anregungen. Einen besonderen Stellenwert hatten von Anfang an „Mimi“ und „Mumo“. Wenn die Kinder auf die Suche nach diesen Schlossgeistern gehen, lernen sie ganz genau hinzuschauen. Dabei erfahren sie viel über das im Mittelalter gebaute Schloss und über die Menschen, die darin gelebt haben. Im Vergleich zu den Anfangsjahren ist die Abteilung „Museumspädagogik“ im Schlossmuseum mittlerweile zu einem richtigen Großbetrieb herangewachsen. Neben Gabi Rudnicki sind dort heute vier freie Mitarbeiter beschäftigt: Christian Schied, Barbara Schmid-Mayer, Sabine Feldmeier-Lange und Christine Dichtl. Es gibt kaum eine Schule oder Kindergarten in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau, die nicht schon einmal das pädagogische Angebot im Schlossmuseum ausprobiert haben. Besonders häufig kommen Jugendliche aus Schulen in und um München nach Murnau. Gabi Rudnicki: „Oft sind auswärtige Klassen oder Jugendgruppen in Freizeitlagern hier oder in Jugendherbergen. Da bietet sich für sie ein Ausflug ins Schlossmuseum geradezu an; wie für die Schüler einer Oberschule aus Bremen oder eines Herforder Gymnasiums.“ Gabi Rudnicki organisiert aber auch Fortbildungsseminare für Lehrer, Pädagogen der verschiedensten Bildungseinrichtungen und Führungskräfte der freien Wirtschaft. Das sind alles Multiplikatoren, die dann wieder in ihrem Alltag das Konzept des Museums weitergeben. Einen starken Aufschwung bekam die Museumspädagogik in Murnau durch das G8 an den Gymnasien. Rudnicki: „Die Abiturienten müssen in ihren Fächern sogenannte P-Seminare absolvieren. Das sind themenbezogene Projekte, die sie in Teamarbeit und mit außerschulischen Kooperationspartnern umsetzen sollen.“ Für solche Projekte gibt es im Schlossmuseum schier unerschöpfliche Quellen. In den vergangenen Monaten sind daraus interessante Sachen entstanden – viel Aufmerksamkeit gefunden hatte etwa die Ausstellung „In Murnau nichts Neues“, die sich mit dem Thema Murnau und der 1. Weltkrieg befasst hatte. Manchmal findet die ein oder andere Aktion eine ganz unerwartete Resonanz; Gabi Rudnicki: „Im Jahr 2008 hatten wir mit Kindern den alten Brauch der lange vergessenen ‘Paradeisl’ wiederbelebt. Das sind die altbayerischen Vorläufer der Adventskränze. Heute gibt es viele Orte in Oberbayern, in denen auch wieder ‚Paradeisl‘ gemacht werden.“ Im Schlossmuseum gibt es ein Faltblatt zum museumspädagogischen Programm. Infos im Netz: www. schlossmuseum-murnau.de/ Museumspädagogik.

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