Den Regierungsauftrag erhalten

CSU trotz schmerzhafter Verluste stärkste Partei – Markus Söder favorisiert eine Koalition mit den Freien Wählern

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Harald Kühn vertritt auch im neuen Landtag wieder als Abgeordneter die CSU. Der Murnauer holte das Direktmandat im Stimmkreis 131.

Region – Der spannende Wahl­abend hat die politischen Kräfteverhältnisse in Bayern verändert und die Große Koalition in Berlin geschwächt.

Die CSU hat mit knapp über 37 Prozent (das ist nach 1950 das schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte) schmerzhafte Verluste hinnehmen müssen und braucht einen Koalitionspartner. Ministerpräsident Markus Söder favorisiert ein bürgerliches Bündnis und schaut dabei auf die Freien Wähler, die zulegen konnten und auf 11,5 Prozent kommen. Doch Gespräche sollen auch mit den Grünen geführt werden, die als einer der Wahlsieger des Abends starke 17,7 Prozent bejubeln konnten. Die SPD musste eine bittere Niederlage einstecken und bleibt unter 10 Prozent. Eine Analyse auf allen Ebenen soll die Ursachen des anhaltenden Sinkflugs der einst großen Volkspartei ans Licht bringen, doch steht jetzt schon fest, dass die SPD mit ihrer Regierungsarbeit in Berlin nicht überzeugen kann. Das Ergebnis der Landtagswahl ist damit auch ein unmissverständliches Signal an die GroKo.

Der Oberammergauer Florian Streibl hat gute Chancen, über die Landesliste für die Freien Wähler wieder in den Landtag zu kommen.

Als Wahlsieger feiert sich hingegen die AfD, die in den bayerischen Landtag einzieht und aus dem Stand knapp über 10 Prozent der Stimmen holt. Zufrieden mit dem erreichten, wenn auch denkbar knappen Ergebnis zeigt sich auch die FDP, der mit 5,1 Prozent der Wiedereinzug ins Maximilianeum gelingt und die ihr Comeback nach einer langen Wahlnacht feierte. Die CSU will in diesen Tagen ihre zweistelligen Verluste genau analysieren und strebt eine rasche Regierungsbildung an. Gespräche will Markus Söder mit allen im Landtag vertretenen Parteien führen – die AfD bleibt davon ausgeklammert. Die Freien Wähler, die für ein bürgerliches Bündnis stehen, empfehlen sich als „vernünftiger Gesprächspartner“, wie Hubert Aiwanger bereits am Wahl­abend mehrfach betonte. Geht man von 200 Sitzen im neuen Landtag aus, hätten CSU (83 Sitze) und Freie Wähler (25 Sitze) eine Mehrheit. Die Grünen, die mit ihrem sensationellen Ergebnis zweitstärkste Kraft im neuen Landtag sind und ebenfalls ein denkbarer Koalitionspartner wären, sehen in ihrem Ergebnis einen Veränderungsauftrag. Die CSU betonte bereits am Wahl­abend die großen Unterschiede zwischen beiden Parteien und fürchtet Streitigkeiten innerhalb dieser möglichen Koalition.

Ergebnisse Stimmkreis 131


„Wir müssen die Entscheidung der Wähler annehmen“, das hatte Harald Kühn (CSU) angesichts der immer schlechter werdenden Prognosen schon vor der Wahl bei einem kurzen Redaktionsbesuch ganz nüchtern festgestellt. Sein Direktmandat im Stimmkreis 131 Weilheim-Schongau / Garmisch-Partenkirchen hat der Murnauer verteidigen können. Er holte 35,8 Prozent der Stimmen. Das CSU-Ergebnis des Wahl­abends bezeichnete er als „schmerzlich“. Auf sensationelle 18,7 Prozent kommt Andreas Krahl von den Grünen. Ob der Seehausener tatsächlich in den bayerischen Landtag einzieht, stand noch nicht fest, doch bei seinem aussichtsreichen Platz auf der Oberbayern-Liste spricht vieles dafür. Ein tolles Ergebnis holte auch Susann Enders von den Freien Wählern mit 15,3 Prozent; auch sie kann sich Hoffnungen auf den Einzug in den Landtag machen. Der Kandidat der AfD, Rüdiger Imgart kam auf 8,6 Prozent und SPD-Mann Dominik Streit musste sich mit 6,8 Prozent zufrieden geben. Martin Zeil von der FDP erreichte 4,6 Prozent, Regina Schropp von der Bayernpartei kam auf 3,3 Prozent; Dr. Maiken Winter von der ÖDP holte 3,1 Prozent.

Ergebnisse  Stimmkreis 111


Die Ergebnisse im Stimmkreis 111 Bad Tölz-­Wolfratshausen/Garmisch-­Partenkirchen ermöglichen auch hier dem CSU-Abgeordneten Martin Bachhuber den erneuten Einzug in den bayerischen Landtag. Der Kandidat der Grünen, Hans Urban, holte hervorragende 20,8 Prozent und Florian Streibl aus Oberammergau sicherte sich 14,5 Prozent der Stimmen und hat damit alle Chancen auf einen erneuten Einzug ins Maximilianeum. Die Kandidatin der AfD Dr. Anne Cyron kam auf 8,9 Prozent der Wählerstimmen. Deutlich abgeschlagen auch in diesem Stimmkreis der SPD-Mann Robert Kühn, der 4,9 Prozent holte. Fritz Haugg von der FDP erreichte 4,5 Prozent; Josef Lausch von der Bayernpartei 2,7 Prozent und Markus Gampl von der ÖDP 1,5 Prozent.

von Ilka Trautmann

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