Eröffnung drei Tage vor Weihnachten mit großer Feier in der Talstation und am Gipfel

Neue Zugspitz-Seilbahn der Superlative

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Die Seilbahn Zugspitze bringt die Gäste bequem auf den höchsten Gipfel Deutschlands.

Landkreis – Sanft schwebt die Gondel auf ihrem steilen Weg zum höchsten Ort in Deutschland, der Zugspitze. Die Wolken lassen die Sonne durch und geben den Blick auf ein traumhaftes Bergpanorama frei. Schöner könnte es an diesem besonderen Eröffnungstag der neuen Seilbahn Zugspitze kaum sein.

Als sich am Morgen des 21. Dezembers die Vertreter aus Politik und öffentlichem Leben, die Geistlichkeit, Mitarbeiter der Bayerischen Zugspitzbahn, Bauverantwortliche und Medienvertreter in der neuen Talstation versammelten, mag so mancher gezweifelt haben, ob das Wetter ein Bilderbuchfoto zulässt. Bei einer Sache konnten sich aber alle sicher sein, sie waren Teil eines historischen Moments. Die neue Seilbahn ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert und bricht Rekorde: Bis zu 120 Fahrgäste passen in die neue Gondel und auf ihrem Weg zum Gipfel passieren sie eine 127 Meter hohe und damit die weltweit höchste Stahlbau­stütze für Pendelbahnen. Darüber hinaus überwinden sie den weltweit größten Gesamthöhenunterschied von 1 945 Metern in einer Sektion sowie das weltweit längste freie Spannfeld mit 3 213 Metern.

"Aushängeschild für die Region"

Starke Teamleistung realisiert 50-Millionen-Euro-Projekt – ab 2018 Gastronomie "Panorama 2962"

„Ich bin stolz, Mitglied des Teams zu sein, dass dieses Projekt gestemmt hat“, betonte Matthias Stauch, Kaufmännischer Vorstand Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG. Nur im Team war es möglich, das technische Wunderwerk in je drei Jahren Planung und Bauzeit zu realisieren.

50 Mio. Euro kostete das gesamte Projekt die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG und die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, wobei dafür keine Förder- bzw. Steuergelder ausgegeben wurden.

Bevor mit den Arbeiten an der höchsten Baustelle Deutschlands begonnen werden konnte, musste das Gestein untersucht werden. Kein Berg ist wie der andere, weiß der zuständige Geologe. So imposant sich die neue Bergstation heute präsentiert, so beeindruckend war auch die technische Meisterleistung, sie auf knapp 3 000 Meter über dem Meeresspiegel zu errichten. „Demut war gefragt vor dem Berg, der Natur und der Herausforderung“, stellte Stauch fest. Während der Bauphase waren die Arbeiter den Urgewalten der Elemente ausgesetzt – Wind, Schnee und Kälte, Nebel und Dauerregen ließen jeden Handgriff zu einer Herausforderung werden. Bei schönem Wetter wurden sie dafür mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Auch logistisch war es eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, denn der Platz, um Baumaterial zu lagern, ist begrenzt. Die Baustelle war auch für die Gäste der Zugspitze von großem Interesse, die die Arbeiten so manches Mal gebannt beobachteten. Bereits davor konnte man mittels Webcam und Online-Bautagebuch ganz nah beim Verlauf dabei sein.

Im Sonnenlicht erstrahlt das neu vergoldete Gipfelkreuz der Zugspitze.


Erste Highlights waren im Juni 2015 die aufwendige Montage des Baukrans sowie die Errichtung der für die Logistik am Berg nötigen Materialseilbahn. Einen weiteren Meilenstein markierte die Außerbetriebnahme der alten Eibsee-Seilbahn am 2. April 2017 nach knapp 54 Dienstjahren. In der darauf folgenden Hochphase des Bauprojektes ging es Schlag auf Schlag: Die 127 Meter hohe Rekordstütze wurde errichtet, in schwindelerregender Höhe am Berg wurden tonnenschwere Stahlbauteile bewegt, die vier jeweils 153 Tonnen schweren Tragseile trafen per Schwertransporter aus der Schweiz ein und auf den zehnwöchigen Seilzug folgten im Herbst das Kabineneinhängen und der Probebetrieb. „Es grenzt fast an ein Wunder, dass keine größeren Schwierigkeiten auftraten“, blickt Dr. Sigrid Meierhofer, Aufsichtsratsvorsitzende Bayerische Zugspitzbahn, auf die Arbeiten zurück. „Ich bin stolz und überaus glücklich, die Seilbahn heute in Betrieb zu nehmen“, betonte Meierhofer, schließlich sei es ein „Zukunftsprojekt“.

Dass der Bau so gut funktioniert hat, ist auch der guten internationalen Zusammenarbeit zu verdanken. Das geballte Wissen der „Alpenstaaten“ – Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien – war gefragt und die Firmen, allen voran der Seilbahnhersteller Garaventa AG (CH), zeigten ihr Können.

„Es ist ein besonderer Tag, nicht nur für die Gemeinde, sondern für den ganzen Landkreis“, erklärte Landrat Anton Spee. „Ich gratuliere der Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn und den Gemeindewerken.“ Die neue Seilbahn ist „ein Aushängeschild für die Region“. Ähnlich wie der Landrat sieht es auch Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann: „Es wird die Attraktivität der Region steigern“, sagte er und bekundete seinen Respekt vor der Leistung.

Auch Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner war zur Eröffnungsfeier gekommen. Sie betonte, welche große Rolle der Tourismus in Bayern spiele und: „Jeder will auf die Zugspitze rauf“. Dazu haben jetzt mehr Menschen die Chance. Denn, die neue Seilbahn kann pro Fahrt nicht nur 120 Gäste befördern, sondern ist auch noch barrierefrei. Bereits bisher beförderte man rund eine halbe Million Besucher jährlich, an Hochbetriebstagen stieß die historische Eibsee-Seilbahn aus dem Jahr 1963 jedoch an die Grenzen ihrer Beförderungskapazität. „Nach der Erschließung der Zugspitze über die Zahnradbahn, den Tunnel zum Sonnalpin und die Eibsee-Seilbahn gehört der Neubau der Seilbahn Zugspitze zu den ganz großen Meilensteinen unserer Unternehmensgeschichte“, zeigt sich Peter Huber, Technischer Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn AG, stolz über den enormen Qualitätsschub. „Die neue Seilbahn bietet maximale Annehmlichkeiten ohne Wartezeiten am Berg und im Tal und wird um circa zehn Prozent mehr Fahrgäste anziehen“, schätzt Stauch. „Urlauber suchen heutzutage das Gesamterlebnis. Und das werden sie in der neuen Seilbahn Zugspitze finden“, freut sich auch Peter Nagel, Tourismusdirektor von Garmisch-Partenkirchen.

Bevor die Seilbahn mit der Eröffnungsfahrt ihren Betrieb aufnahm, wurde sie durch Kardinal Reinhard Marx und Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler geweiht und gesegnet.

Vor der Fahrt zum Gipfel segneten Kardinal Marx und Regionalbischöfin Breit-Keßler die neue Seilbahn.


Endlich oben auf dem Gipfel bietet sich ein phänomenaler Ausblick auf die Bergwelt. „Es ist so unvergleichlich schön“, findet Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf. „Ich gehe gerne in die Berge. An einem Gipfel anzukommen, ist immer etwas Besonderes.“ „Die Zugspitze ist ein grandioser Aussichtsberg“, erzählt der begeisterte Wanderer, Landtagsabgeordneter Harald Kühn. Beim Wandern und Bergsteigen geht es für ihn um „den Genuss der Natur“. Dabei sollte man dem Berg aber immer mit Respekt begegnen.

Matthias Stauch ist dankbar für das Erreichte: „Danke an alle, die mitgewirkt haben und noch mitwirken“. Und er blickt bereits nach vorne. Denn die Bergstation muss noch ausgebaut werden. Der Plan: Ab dem 1. Juli 2018 gibt es einen weiteren triftigen Grund, auf die Zugspitze zu schweben – die komplett neu errichtete Gipfelgastronomie. Geplant ist eine offene Hybrid-Gastronomie, in der sich die Besucher ganz nach Lust und Laune für offene Selbstbedienung oder die klassische Bedienvariante entscheiden können. Zur Verfügung stehen drei Restaurants mit unterschiedlich definiertem Ambiente und ein Bereich für den schnellen Genuss, wobei insgesamt Platz für circa 450 Gäste drinnen und circa 850 draußen geschaffen wird. Weil er das Zugspitz-Erlebnis am besten trifft, trägt auch die neue Gipfelgastronomie den Namen Panorama 2962.

Fazit: Es ist eine Seilbahn der Superlative geworden, die in einer Gemeinschaftsleistung errichtet wurde. Der Eröffnungstag ist daher, gerade für alle an der Entstehung Beteiligten, ein besonderer Tag. Jetzt hoffen alle, dass die neue Seilbahn auf die Zugspitze viele Jahrzehnte sicheren Dienst tut.

von Melanie Wießmeyer

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