Eröffnungsstück zum Bozner Markt

Fesselndes Zeitgeschehen: "Wein, Pest & Hexenjagd"

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Großen Applaus gab es für alle Teilnehmer des Stücks "Wein, Pest & Hexenjagd".

Mittenwald – Waren es nun die Schutzengel oder die Dinge zwischen Himmel und Erde, die den tröpfelnden Regen während der Bozener Markt-Premiere „Wein, Pest & Hexenjagd“ zum Stillstand brachten? Aber das interessierte auch den majestätische Nachtwächter (Hans Neuner) bei seinen abendlichen Ausrufen im Jahre 1487 n.Chr. nicht, als er die Leute heimschickte. Bis der laute Kikerikiruf den Morgen ankündigte und den Bettelmönch Bacchus (Andreas Sailer in einer Paraderolle) vor der beliebten Taverna am Tisch hockend vor leerem Weinbecher, weckte.

So begann das mittelalterliche Spektakel mit 24 talentierten einheimischen Schauspielern, zehn Statisten, 13 Kindern, vielen Musizierenden, Landsknechten, Gauklern und Mittenwalder Volk. Es ist die Zeit um 1500, als im Großraum um Venedig, Bozen und Tirol, eine kriegerische Fehde herrscht: Der Innsbrucker Erzherzog Sigismund hat Ärger mit dem Haus Habsburg und der Handelsumschlagplatz Bozen funktioniert für die Kaufleute und Händler nicht mehr. So sucht man einen neuen, sicheren Weg zu einem neuen sicheren Handelsplatz, und findet ihn von Bozen ausgehend an der deutsch-tiroler Grenze, im ersten Ort, „Villagio Media Silva“. Der Weg ist zwar etwas beschwerlicher, doch dort, in Media Silva, herrscht Ruhe und Frieden, Handel und Handwerk und Tauschgeschäfte können stattfinden und es beginnt ein lebhaftes Treiben zwischen den italienischen, tiroler und bayerischen Kaufleuten. 

Bürgermeister Adolf Hornsteiner als Haupt des Ortes in blauem Gewand mit Federbarett, stand inmitten seiner Vasallen auf der Hauptbühne am Ortstor und begrüßte seine Gäste, unter ihnen die Landtagsabgeordneten Harald Kühn und Martin Bachhuber, den Chef des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Koch und Robert Heimberger vom Landeskriminalamt. Auch Ehrenbürgerin Martina Beck war als Märchenerzählerin nach Media Silva gekommen und wartete auf ihren Einsatz. Hornsteiner vergaß auch sein buntgemischtes „Fußvolk“ nicht und eröffnete den 8. Bozner Markt über die Grenze hinaus und empfahl seinen Untertanen: „Lasst uns feiern in Mittenwald, füllt die Becher und leert sie bald.“ Dieser Aufforderung wurde nur zu gern entsprochen. 

Liebe und Dramatik verbunden

Die „TAVERNA“ ist Treff- und Mittelpunkt des Stückes, hier kommen alle zusammen, man isst und trinkt und ratscht und bleibt hocken, so wie der Mönch Bacchus, der zwar immer wieder von der Wirtin (Hanna Veit) vertrieben wird, aber jedesmal zurückkommt. Andreas Sailer als Schauspieler und Autor hat zum zweiten Mal „Die Schicksale während des Bozener Marktes“ geschickt mit Liebe und Dramatik verbunden, und sein Vater, Georg Sailer (Tre Silvana) hat als Regisseur daraus ein facettenreiches Theaterstück konzipiert. In drei Lebensphasen hat Sailer die Protagonisten im Stück gestaltet, wie Margarete (als Kind: Elisabeth Brandner, als junge Frau: Andrea Stieglmeier und als alte Frau: Burgi Benedetti) und ihr Partner Fabrizio (als Kind: Simon Kofler, als junger Mann: Andreas Schöner und als alter Herr: Gerhard Schöner). Margarete und der Venezianer Fabrizio lieben sich, werden ein Paar und heiraten. Doch da gibt es jemanden, den Wirtssohn Bartholomeus, (Georg Maller und Matthias Höller), dem das nicht gefällt, weil er gern mit der Margarete anbandeln möchte, sie ihn aber durch die Jahre immer wieder abweist. Er schwört Rache. . . 

Martin Luther: Eine kleine Rolle

Die durchgängige Rolle von Mönch Bacchus (auch er wird älter) kommentiert und gestikuliert alle Geschehnisse und weiß auch, dass die Venezianer „den schwarzen Tod, die Pest“ bis ins Inntal brachten und auch in Media Silva daran schon gestorben wurde. Deshalb gibt es Pestfeuer und Vorsicht ist geboten. Doch Handel und Wandel gehen weiter (geschichtlich sogar 200 Jahre) und der Wein schmeckt gut. Da kommen eines Tages zwei Mönche auf einer Pilgerreise von Erfurt nach Rom über Mittenwald. Lange sind die Brüder schon gewandert, wollen verschnaufen und dann weiter. Der Jüngere nannte seinen Namen: Martin Luther. Sie segneten spielende Kinder, wünschten Gottes Segen und wanderten weiter. Mönch Bacchus wundert sich zwar, doch der Name Luther ist ihm fremd. Und wieder passiert etwas Unvorhergesehenes. Plötzlich mit Trommeln und Landsknechten kommen unangenehme Männer und schleifen zwei junge Frauen mit sich, klettern auf die Terrasse der Taverna und lassen die Weiber liegen. Dazu erscheint der Hexenmeister und Scharfrichter Christoph von Biberach (Matthias Wurmer), ganz in schwarz, unheimlich und kalt und gibt bekannt, die Frauen seien der Hexerei schuldig und werden verbrannt und landen zunächst im tiefen Verließ. 

Bartholomeus muss Media Silva verlassen

Man ist entsetzt, schockiert, hat Angst. Da schreit der Bartholomeus seine Rache laut dem Scharfrichter ins Gesicht: „ Da, die Margarete ist auch eine Hexe, nehmt sie mit, sie ist schuldig.“ Die drei Frauen werden unter Geschrei abgeführt. Doch das Leben ist gerecht. Margarete kommt zurück, sie ist unschuldig und Fabrizio ist glücklich, sie wiederzuhaben. Noch einmal malen Gottes Mühlen trefflich fein, denn Bartholomeus muss wegen falscher und übler Beschuldigung schnell die Taverna und Media Silva verlassen. Und was wird nun aus der beliebten Taverna? Da gibt es neue Wirtsleut, und zwar Margarete und ihren Fabrizio. 

"Leut, seids zufrieden, der Markt geht weiter, heut wird gefeiert"

So kann es gehen mit dem Wunder, über nachtblauem Himmel kommt der Mond und keine Regentropfen. Wein für alle spendiert der neue Wirt Fabrizio, schlanke Mädchen machen Feuerspiele, Musik ertönt und die kleine Welt ist wieder in Ordnung. Die Schlussworte sprach das blaugewandete Oberhaupt Hornsteiner vom kleinen Weiler Media Silva: „Leut, seids zufrieden, der Markt geht weiter, heut wird gefeiert, Gott sei‘s gedankt. Pest und Hexenjagd sind lang vorbei. Doch der Wein ist geblieben. In Ewigkeit - Amen.“ Anhaltender Dauerapplaus und großer Dank an alle Schauspieler und Mitwirkenden – und das Theaterstück, es klang lang noch durch die Nacht.

Von Kornelia Wehmeier

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