SCR feuert Trainer Collins

Der SC Riessersee hat seinen Trainer Kim Collins gefeuert. Nach der sechsten Niederlage in Folge musste der gebürtige Kanadier gehen. „Wenn ich die Wahl hätte, würde ich anders handeln und einige Spieler entlassen, doch das ist leider nicht möglich. Der Trainer ist immer das schwächste Glied in der Kette“, betont Geschäftsführer Ralph Bader, dem der Schritt nicht leicht fiel. „Das ist immer bitter, wenn man den Trainer entlassen muss, aber ganz schuldlos an der Situation ist er auch nicht.“

Collins hätte zu lange an seinem System festgehalten, mit dem die Spieler nicht zurecht gekommen seien. „Wenn er sieht, dass die Spieler nicht mitziehen, hätte er was ändern müssen.“ Nun sind die Spieler gefordert, sie haben kein Alibi mehr. Kapitän Andreas Paderhuber hatte bis zum Schluss beteuert, die Mannschaft würde alles geben, nicht gegen den Trainer spielen und er hätte ein „ganz normales Verhältnis zum Trainer“. Mit Gerhard Brunner hat Bader auch schon den Nachfolger für Collins gefunden. „Er wird knallhart durchgreifen, wenn die Spieler nicht mitziehen.“ Der 58-Jährige, der als „harter Hund“ gilt, sei „heiß, er möchte etwas bewegen.“ Brunner war der erste den Bader am Montag kontaktiert hatte. „Er sagte gleich zu. Er kennt viele Spieler und auch Garmisch-Partenkirchen, das war für mich wichtig und hat den Ausschlag zu seinen Gunsten gegeben.“ Im Sommer vor der Verpflichtung von Collins war Bader lose mit ihm in Kontakt gewesen, „aber da war nie was Konkretes“, beteuert der Geschäftsführer. „Ich bin überzeugt, dass Brunner der richtige Feuerwehrmann ist. Das Team hat Potential, nun muss es dies endlich zeigen.“ Brunner begann seine sportliche Aktivität in seiner Heimatstadt beim EC Bad Tölz im Jahre 1970. Weitere Stationen als Spieler waren Preussen Berlin, der EHC 70 München und die SG Nürnberg, bis er 1976 aufgrund einer Verletzung nicht mehr sportlich aktiv im Eishockeysport tätig sein konnte. Ab 1982 trainierte er zahlreiche Nachwuchsmannschaften. 1989 kam er zu der ersten Mannschaft des EHC Klostersee, den er bis 1991 in der 2. Bundesliga coachte. In der darauf folgenden Saison ging er zum TSV Peißenberg, mit dem er jedoch noch in der gleichen Spielzeit 1991/92 in die Oberliga abgestiegen ist. Sein Debüt in der Deutschen Eishockey Liga gab Brunner bei den Kassel Huskies in der Saison 1996/97. Noch im gleichen Jahr gewann er mit den „Huskies“ völlig überraschend die deutsche Vizemeisterschaft und wurde daraufhin zum „Trainer des Jahres“ gewählt. Zur Saison 1998/99 wechselte er dann zu den Star Bulls Rosenheim, mit denen er sich aber in seinen beiden Spielzeiten als Trainer nicht für die Play-Offs qualifizieren konnte. Als der SBR daraufhin die DEL-Lizenz an die Iserlohn Roosters verkauften, wechselte Brunner nach Düsseldorf zur DEG und trainierte die Profimannschaft des Vereins, die im Jahre 2000 wieder in die DEL aufgestiegen ist. Während der Saison 2001/02 trennte sich die DEG allerdings von Brunner. Im Jahre 2002 wurde er dann von den Kölner Haien als Sportlicher Manager verpflichtet. Zum 30. April 2004 gab Brunner jedoch bekannt, den Vertrag als Manager in Köln nicht mehr verlängern zu wollen und beendete damit seine Karriere in der DEL. Sein letzter Verein als Trainer war der EV Ravensburg. Während der Saison 2004/05 wurde er in Oberschwaben als Nachfolger von Jiri Neubauer verpflichtet. Im November 2006 musste er gehen, sein Nachfolger wurde der Ex-Riesserseer Coach Georg Holzmann. Am vergangenen Wochenende hatte sich die Situation beim SCR immer mehr zugespitzt. Zuletzt verlor die Mannschaft sechs Spiele in Folge, ohne einen einzigen Punkt zu gewinnen und fand sich in der Tabelle auf dem letzten Platz wieder. Besonders die Leistungen in den Heimspielen gegen den EHC München (1:5) und Ravensburg (6:7), bei dem das Team schon 1:7 im Rückstand war und dann gegen immer müder werdende Tower Stars, die mit nur vier Verteidiger spielten noch sechs Treffer schoss, waren mehr als mau. Nun sollte am vergangenen Wochenende Besserung einkehren. In Bremerhaven spielte die Mannschaft nicht schlecht, doch sie vergaß es, die Chancen auch in Tore umzumünzen, am Ende verloren die Garmisch-Partenkirchner mit 1:4. Das Team war durch Andrew McPherson in Führung gegangen, doch nur kurze Zeit später war der Ausgleich gefallen. Torschütze war Chris Falloon. Noch im ersten Drittel zogen die Norddeutschen auf 3:1 durch Treffer von Derek Dinger und erneut Faloon davon. Den Schlusspunkt setzte Dimitri Litesov sieben Minuten vor dem Ende. Zwei Tage später dachten die Fans in den ersten Minuten, sie würden ihren Augen nicht trauen. Das Team kämpfte, zeigte eine positive Einstellung und arbeitete sich Chancen heraus, doch diese wurden nicht genutzt. Nach zwei individuellen Fehlern lagen die Gäste nach einer Viertelstunde mit 2:0 in Front. Das 3:0 zwei Minuten später in Überzahl war schon die Entscheidung, die „Leistungen“ der vergangenen Wochen hielten wieder Einzug. „Nach dem dritten Treffer hat sich das Team einfach aufgegeben“, sagte ein enttäuschter und verärgerter Trainer Kim Collins nach dem Spiel am Sonntag. „In solchen Situationen braucht man einen Leader, doch es gab keinen: Kein Wikström, der seit zig Jahren in Deutschland spielt, kein Lindmark kein Ausländer und auch kein Kapitän, der ein erfahrener Spieler ist, waren da.“ Riessersee setzte nichts mehr dagegen, Bietigheim hatte leichtes Spiel. René Schoofs und Andreas Geipel erhöhten im Mittelabschnitt auf 5:0. Im letzten Drittel machte Alexander Serikow das halbe Dutzend voll. Nun wechselte Kim Collins den Torhüter aus, Florian Hechenrieder kam für Mark McArthur. Die Nummer zwei musste auch noch zweimal hinter sich greifen, als Walton und Stephane Robitaille jeweils in Überzahl trafen. Das 8:0 für Bietigheim ging auch in dieser Höhe völlig in Ordnung. Damit standen die Werdenfelser auf dem letzten Platz in der Tabelle. Die Fans forderten die Ablösung des Trainers und verabschiedeten die Blauen erneut mit einem Pfeifkonzert, von dem sie nur Mark McArthur ausnahmen. Nun, nach dem 0:8, der höchsten Heimniederlage unter Baders Regie war Collins Zeit vorbei. Sein Debüt hinter der Bande gibt sein Nachfolger Brunner am Freitag um 20 Uhr in Heilbronn.

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