Oberes Isartal

Fischsterben in der Isar: Weiterhin keine Lösung in Sicht

Machen sich ein Bild vor Ort am Krüner Wehr (von links): MdL Florian Streibl, Minister Thorsten Glauber, Uniper-Vertreter Dr. Klaus Engels und Landrat Anton Speer.
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Machen sich ein Bild vor Ort am Krüner Wehr (von links): MdL Florian Streibl, Minister Thorsten Glauber, Uniper-Vertreter Dr. Klaus Engels und Landrat Anton Speer.

Krün – Seit 25 Jahren sterben regelmäßig tausende Fische im Oberen Isartal, weil das Krüner Wehr sogenannte Kiesnotspülungen veranlassen muss. Mit der Folge, dass das Flussbett trocken liegt und die Fische verenden. Bis heute wurde keine Lösung gefunden – und es ist auch weiterhin keine in Sicht.

Die Landtagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen Andreas Krahl und Christian Hirneis setzten sich im Krüner Rathaus am „Runden Tisch“ mit Vertretern der Fischereivereine Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen, dem Naturschutz, der Kommune Krün und dem Kraftwerkbetreiber Uniper zusammen. Es ging um die Kiesnotspülungen aus dem Krüner Wehr und dem damit verbundenen Fischsterben. Doch eine Lösung gab es am Ende nicht. Eine Woche später musste auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) vor Ort zugeben, „dass es hier kein schnelles Ergebnis geben wird." Der Minister kam mit seinem Parteifreund Florian Streibl. „Das Thema bewegt“, eröffnete der Landtagsabgeordnete aus Oberammergau die Diskussion, „wir müssen bei diesem für Bayern so systemrelevanten Kraftwerk Lösungen für Natur, Menschen und Energieerzeuger finden." 

Glauber: Regierung soll Gutachten einholen

Minister Glauber zeigte sich gut informiert: „Das Wehr bei Hochwasser langsam öffnen, den Kies gemäß Bewirtschaftungsvertrag ober- oder unterhalb des Wehrs mit einem Kiesfang entnehmen, der nur 30 Prozent zurückhält – das ist für mich keine Lösung." Für die beschriebene Maßnahme setzt sich Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberg ein. Minister Glauber will dagegen, dass die Regierung von Oberbayern ein Gutachten der Hochschule München über die Kiessituation einholt und erneut zu einem Runden Tisch einlädt: „Mein Ziel ist, dieses Projekt bis Herbst mit einer Gesamtidee vorwärtszubringen, denn es darf keine zehnjährige Wartezeit mehr geben." 

Stellungnahme der Wasserwirtschaft

Direktor von Wasserkraft Deutschland bei Uniper Dr. Klaus Engels zeigte sich dankbar, dass dieses Thema aufgegriffen wird: „Unser Krüner Wehr ist nicht irgendein Wehr, sondern der Zufluss für den Walchensee und das Kraftwerk." Er betonte, dass die Inszenierungen der letzten Wochen nicht hilfreich waren. „Wir haben schon einen sechsstelligen Betrag in eine Studie investiert und sind kompromissbereit.“ Für den Uniper-Direktor ist der Kiesfang nicht die beste, aber wenigstens eine umsetzbare Lösung. „Wir wollen das Kraftwerk weiter betreiben."  

Der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim Roland Kriegsch betonte, dass die Abfluss- und Geschiebeautomatik durch das Wehr unterbrochen wird und das Geschiebe im Bereich Krün und Wallgau eine Gefährdung der Wasserversorgung darstellt. „Unser Ziel ist es, Notspülungen und größere Lkw-Fahrten zu reduzieren."  Aus seiner Sicht muss das Gesamtsystem betrachtet werden, „denn ein Kiesfang, bei dem eine Rest-Kiesmenge von 75 Prozent bleibt, bedeutet einen Eingriff mit Auswirkungen auf die Natur." 

Technisches Bauwerk als Lösungsvorschlag

Hans Schanderl vom Fischereiverein Garmisch-Partenkirchen kämpft seit Jahren für einen Kiesfang im Stausee. Er zeigte sich offen für alle Vorschläge. „So manche Notspülung könnte damit verhindert werden.“ Sein Vorschlag: „Ein technisches Bauwerk mit zwei Dämmen würde der Natur nicht schaden und auch interessierte Besucher anziehen." Für einen Kiesfang im Stausee ist auch Roland Weid als Regierungsvertreter der Oberen Naturschutzbehörde. „Die Obere Isar ist einer der letzten Wildflüsse in Deutschland und bietet Lebensräume für spezifische Arten von Pflanzen und Tieren. Deshalb muss ein Geschiebetransport bei Hochwasser im Kontext zum Gesamtsystem Isar geführt werden – aber nicht jetzt." Hier schüttelte nicht nur Schanderl den Kopf. „Sollen wir wieder zehn Jahre darauf warten?“ 

Schwarzenberger nutzt die Gelegenheit, die Verkehrsproblematik anzusprechen

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger war für eine ganzheitliche Betrachtung: „Wir müssen auch die Themen Verkehr und Tourismus berücksichtigen.“ An Minister Glauber gewandt nutzte der Gemeindechef die Gelegenheit, auf die derzeitigen Zustände im Oberen Isartal hinzuweisen: „Der Verkehr nimmt vor allem durch die Zunahme der Tagestouristen überhand und zerstört die Natur“, bat Schwarzenberger um Unterstützung, „schließlich geht es auch um den Erhalt unserer Kultur- und Almwirtschaft.“ Glauber fuhr mit der Erkenntnis nach München zurück, „dass alle Interessen einigermaßen vertretbar sind. Ich werde versuchen, bald eine neue Expertenrunde zu einem Gespräch einzuladen.“

Wolfgang Kunz

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