Forstliches Gutachten dient als Grundlage der Abschusspläne 

Forstverwaltung checkt Wildverbiss auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Wildverbiss
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Försterinnen und Förster des AELF Weilheim sind in den kommenden Wochen unterwegs, um junge Waldbäume auf Wildverbiss hin zu kontrollieren. Die Hygieneanforderungen sind wegen Corona hoch: wenn die Abstände nicht eingehalten werden können, müssen Förster, Waldbesitzer und Jäger auch im Wald eine Maske tragen.

Region – Die Försterinnen und Förster des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Weilheim erheben in den kommenden Wochen wieder den Zustand der Waldverjüngung. Mit einer wissenschaftlich fundierten Methode wird ermittelt, wie stark der Verbiss durch Reh, Hirsch und Gams den jungen Bäumchen zusetzt. Diese Informationen sind Grundlage für die Abschussplanung, mit dem Ziel das Aufwachsen einer neuen, an den Klimawandel angepassten Waldgeneration zu ermöglichen. Wegen Corona läuft aber heuer so manches anders als sonst.

Es ist eine Mammutaufgabe, die vor den Mitarbeitern des AELF Weilheim liegt: Von der Zugspitze bis vor die Tore Münchens reicht der Zuständigkeitsbereich. An 840 systematisch über das Gebiet verteilten Stichprobenpunkten kontrollieren die Försterinnen und Förster in den nächsten Wochen junge Waldbäume. Neben moderner Technik wie GPSGerät und robusten Outdoor-Computern die wichtigste Ausrüstung: „Feste Wanderstiefel, Meterstab – und gute Ausdauer!“ fasst Markus Hildebrandt zusammen. Als Leiter des Bereichs Forsten ist er für die Planung des Vegetationsgutachtens am AELF zuständig.

Alle drei Jahre erhebt die Bayerische Forstverwaltung den Zustand der Waldverjüngung. Besonders im Fokus: Bäumchen von zwanzig Zentimeter bis etwa 1,30 Meter Höhe – sie sind am stärksten gefährdet, vom Wild geschädigt zu werden. „Verbiss ist erstmal etwas ganz Natürliches. Aber wenn durch zu viel Verbiss bestimmte Baumarten nicht mehr groß werden können, verlieren wir Artenvielfalt und Klimastabilität im Wald der Zukunft. Dann muss gegengesteuert werden“, bringt es Hildebrandt auf den Punkt. Für das Gegensteuern sind neben den Waldbesitzern vor allem auch die Jäger zuständig. Deswegen auch der dreijährige Turnus: Ebenfalls alle drei Jahre werden neue Abschusspläne für das Rehwild als häufigste Wild-Art in unseren Wäldern erarbeitet. Wichtige Grundlage: Der im faktenbasierten sog. „Vegetationsgutachten“ erfasste Zustand der Waldverjüngung. Wo Wildbestand und Lebensraum noch nicht im Einklang sind, müssen die Revierinhaber ihre Abschuss­planung anpassen. Während die Stichprobenpunkte Daten auf Ebene der Hegegemeinschaften als Zusammenschluss mehrerer Jagdreviere bieten, erstellt das AELF Weilheim zusätzlich noch ergänzende revierweise Kurzgutachten für jedes einzelne Jagdrevier.

Im Zusammenspiel von Waldbesitz, Jagd und Forstverwaltung konnten in den letzten Jahren in rund der Hälfte der Jagdreviere bereits wichtige Erfolge erzielt werden. Wo engagierte Waldbauern und waldfreundliche Jäger zusammenarbeiten, wächst ein gesunder Mischwald heran. Gerade verbissempfindlichen Baumarten wie Tanne, Bergahorn und Eiche kommen dabei im Klimawandel große Bedeutung zu.

Um die Transparenz des Verfahrens zu gewährleisten, bietet die Forstverwaltung den Interessensgruppen üblicherweise viele Beteiligungsmöglichkeiten. Dieses Jahr funktioniert dies wegen Corona nur stark eingeschränkt: „Auf eine große Auftaktveranstaltung müssen wir dieses Jahr verzichten.

Und im Gelände dürfen höchstens je ein Vertreter des Waldbesitzes und der Jagd mitgehen“, erklärt Hildebrandt. Dabei muss Abstand gehalten und wenn das nicht möglich ist Maske getragen werden, auch wenn man im Freien unterwegs ist. Die Mitarbeiter sind angewiesen, auf eine strikte Einhaltung der Hygiene-Regeln zu achten. „Wer sich nicht an die Spielregeln hält, kann nicht mit dabei sein.“ stellt Hildebrandt klar. Gesundheitsschutz für Mitarbeitende und Interessensvertreter hat absoluten Vorrang. Die Jagdgenossenschaften als Vertreter des Waldbesitzes, Jagdausübungsberechtigte und Interessensverbände wurden bereits per Brief im Detail informiert. kb

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