Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Oberland in Murnau

Während die Junghandwerker mit ihren Gesellenbriefen ins Berufsleben starten, konnte Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl (links) Persönlichkeiten ehren, die bereits einen langen Weg in ihrem Handwerk zurückgelegt haben; von rechts: Anton Buchner (25-jähriges Bestehen seines Betriebes), Georg Riedle (60-jährige Tätigkeit im Bäckerhandwerk), Georg Gerald (6 Jahre Innungsobermeister), Eugen Winter (14 Jahre Innungsobermeister) Foto: Günter Bitala

Ganz tief in die Geschichtskiste griff Dr. Michael Rapp anlässlich seines Grußwortes zur Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Oberland im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum. Der Bürgermeister hob nämlich hervor, dass Handel und Handwerk seit Gründung der Marktgemeinde Murnau eine zentrale Rolle spielen – er nannte Hans Linus, der als erster Gewerbetreibender um das Jahr 1300 herum in der Ortschronik festgehalten ist. Mehr an der Gegenwart und vor allem an ihrer Zukunft interessiert sind die Junghandwerker und ihre Kolleginnen gewesen, die mit ihren Eltern und Lehrherren gekommen waren, um die Abschlusszeugnisse zur bestandenen Gesellenprüfung entgegenzunehmen: 152 an der Zahl, aus 13 Ausbildungsberufen.

In seiner Festrede tritt Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl engagiert für die Haupt- und Mittelschulen ein. Mit Recht, denn zwei Drittel der Auszubildenden in Handwerksberufen sind Absolventen dieser Schulart. Zirngibl appelliert an die Politiker, unter lautstarkem Beifall des Publikums: „Lasst die Hauptschulen, die jetzt Mittelschulen heißen, einfach einmal ein paar Jahre in Ruhe arbeiten. Doktert nicht an ihnen herum.“ Stefan Zirngibl stellte zudem die Leistungen der selbstständigen Handwerksmeister für die Ausbildung des Berufsnachwuchses heraus. Demnach stellen zwar die Handwerksbetriebe in Deutschland mit 15 Prozent der Gesamtzahl an Firmen eine Minderheit dar; es werden hier aber 33 Prozent der dringend benötigten Fachkräfte ausgebildet. Dem ist sich auch Landrat Harald Kühn bewusst. Er verspricht, dass von Seiten der Kommunalpolitik alle Register gezogen werden, diese Ausbildungsplätze zu erhalten und das Handwerk in seiner Wirtschaftskraft zu stärken. Wichtigste Aufgabe auf Kreis- und Gemeindeebene sei es – so Kühn – in eine zukunftsweisende Infrastruktur zu investieren. Beste Beispiele dafür sind, wie Stefan Zirngibl ergänzt, die Modernisierungen der Berufsschulzentren in Weilheim und Garmisch-Partenkirchen. Studiendirektor Thomas Schütz von der Berufsschule Schongau freute sich, dass die Region Oberland jetzt um 152 Fachkräfte reicher ist. Schütz mahnte die frisch gebackenen Gesellen und Gesellinnen, dass sie ab sofort zwar frei von schulischem Zwang wären, nun aber die „Schule des Lebens“ beginne. Den selben Gedanken griff auch Dr. Michael Rapp auf: „Die Freisprechung ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg des lebenslangen Lernens. Die Junghandwerker werden jetzt lernen, wie sie Verantwortung in Familie, Beruf und Gesellschaft übernehmen können.“ Ein wichtiger Bestandteil der Freisprechungsfeier ist, neben der Zeugnisübergabe, die Ehrung der besten Lehrlinge jeder Innung – das waren diesmal: Marina Grötz (Bäckerei-Fachverkäuferin), Veronika Kößel (Bäckerin), Anna-Maria Kreutzer (Bürokauffrau), Georg Tietze und Leonhard Salcher (jeweils Feinwerkmechaniker), Carolin Jupe (Friseurin), Pirmin Fischer (Metallbauer), Andreas Gerold und Michael Föhr (jeweils Schreiner), Patrick Oswald (Spengler).

Meistgelesen

Ausbildungskompass für die Region
Ausbildungskompass für die Region
Anstieg der Straftaten
Anstieg der Straftaten
25-jähriger Slowene stirbt
25-jähriger Slowene stirbt
Sohn der Pflegekraft festgenommen
Sohn der Pflegekraft festgenommen

Kommentare