115 Jahre altes Bauwerk muss weichen

Neue Brücke in der Höllentalklamm

+
Dieses Zeitdokument aus dem Jahr 1905 zeigt die historische Bogenbrücke in der Höllentalklamm. Nun wird sie durch eine neue Brücke ersetzt.

GAP – Unzählige Wasserfälle, verschlungene Pfade und riesige Felsformationen: Vor dieser ganz besonderen Kulisse in der Höllentalklamm werden aktuell eine neue Bogenbrücke sowie zwei Stege errichtet. Die ein Kilometer lange Klamm ist ein Publikumsmagnet in Grainau und wird jährlich von bis zu 100.000 Touristen besucht. 115 Jahre hatten die historische Brücke und die sich anschließenden Stege durch die Klamm dem Besucherstrom standgehalten, nun muss ein Neubau sie ersetzen.

„Ein solches Projekt hat man nicht alle Tage. Nicht nur die Vorfertigung der komplexen Stahlteile, auch der Einbau vor Ort sind außergewöhnlich. Als die Anfrage seitens des Alpenvereins kam, ob wir im Rahmen eines Sponsorings unterstützen können, haben wir sehr gerne ja gesagt“, betont Philipp Schön, der für ZÜBLIN Stahlbau den Einbau vor Ort leitet. Tatkräftig unterstützt werden seine Monteure vom Team der in Grainau ansässigen Firma Florian Dörfler, die auf den Bau im alpinen Gelände spezialisiert ist, bei der Montage und Verankerung im Fels sowie organisatorischen Arbeiten vor Ort. 

Vorzeigeobjekt alter Ingenieurskunst 

Um 1905 errichtet, haben die alte Brücke und die zwei Stege jährlich mehreren Zehntausend Personen auf dem Weg zur Zugspitze gute Dienste geleistet – und spektakuläre Ausblicke geliefert. Auch die neue Brücke folgt daher dem Vorbild dieser Bestandsbrücke, die als ein Vorzeigeobjekt alter Ingenieurskunst gilt. Das neue Bauwerk hat drei Abschnitte: die Bogenbrücke mit einer Spannweite von sieben Metern und zwei sich anschließende Stege. Die Brücke wiederum besteht aus drei Segmenten. Diese werden auf der alten Brücke zusammengebaut, mit oberhalb im Fels verankerten Greifzügen angehoben und nach der Demontage der alten Brücke anschließend auf die Sollhöhe und -lage abgelassen. Der erste Steg, zwischen dem Höllentalklamm-Museum und der Bogenbrücke, ist circa 20 Meter lang. Der zweite Steg führt, auf einer Länge von etwa 23 Metern und einer Steigung von circa 15 Prozent, von der Bogenbrücke zu einem Tunnel. Die Stege bestehen aus einzelnen Tragwerken mit Felsverankerungen. Die Tragwerke können individuell positioniert und – im Falle einer Reparatur – einzeln ersetzt werden. 

Bevor die Segmente per Helikopter in die Klamm geflogen werden konnten, war einiges an Vorarbeit nötig: Im Werk von ZÜBLIN Stahlbau im brandenburgischen Hosena wurden die Stahlteile gefertigt. Das Vormaterial dazu lieferte thyssenkrupp Materials Services. Die Werkstoffexperten erstellten auf Basis der benötigten Bauteile eine geeignete Stückliste und stellten maßgeschneidert Bleche, Stäbe und Rohre in mehr als 20 unterschiedlichen Ausführungen zur Verfügung. Diese Bauteile von bis zu 12.000 Millimetern Länge und 20 Millimetern Dicke kommen beim Brückenneubau als Träger, Stegblech, Pfosten oder Handlauf zum Einsatz. Für optimalen Korrosionsschutz nahmen die Segmente ein circa 500 Grad heißes Zinkbad, bevor sie per Lkw zum Landeplatz des Helikopters gebracht wurden. Geplant ist, die neue Bogenbrücke und die Stege bis zum 9. Mai 2020 fertigzustellen. Momentan läuft alles im Zeitplan. kb

Bilder, Videos und Aktuelles aus der Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Garmisch-Partenkirchen auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesen

DAV: Im Zweifel lieber auf Hüttenbesuch verzichten
DAV: Im Zweifel lieber auf Hüttenbesuch verzichten
Blutspenden ist solidarisch
Blutspenden ist solidarisch
Mittenwald: Brand im Chemielabor
Mittenwald: Brand im Chemielabor
Umfrage: Die Jugend kommt zu Wort
Umfrage: Die Jugend kommt zu Wort

Kommentare