Vom Gewinn in die Verlustzone – Passiontheater macht knapp 108.000 Euro Miese – nach Shakespeare wird für 2013 wieder ein biblisches Stück angepeilt

Bühnenarbeiten für „Antonius und Cleopatra“. Bei den gewaltigen Dimensionen der Freilichtbühne im Passionstheater erreichen auch die Kosten andere Dimensionen. Foto: Zinner

Bis ins Detail klärte Walter Rutz, Geschäftsführer der Passionstheater GmbH, im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung die Gemeinderäte und Zuhörer über das wirtschaftliche Ergebnis des Schauspiels „Antonius und Cleopatra“ auf. Mit der positiven Besucherresonanz waren die Veranstalter sehr zufrieden, mit der finanziellen Situation allerdings nicht.

Dazu Spielleiter und Gemeinderat Christian Stückl: „Im ersten Jahr lagen wir mit unserer Kalkulation richtig und sind mit einem Überschuss erfolgreich gewesen. Heuer hatten wir schlechtere Besucherzahlen. Jetzt wissen wir, wo wir Fehler gemacht haben. Vermutlich hat auch Shakespeare nicht die Zugkraft ausgestrahlt, 2013 wird es wieder ein biblisches Stück auf der Passionsbühne geben.“ „Trotz des Verlustes brauchen wir kein Geld von der Gemeinde.“ Diesen Satz werden die Gemeinderäte angesichts der klammen Finanzsituation in den nächsten Jahren gern gehört haben. Dann gehörte Walter Rutz das Wort, sein Bericht ließ kaum Fragen offen, nur ganz vereinzelt hakten die Gemeinderäte nach: 12.756 Besucher kamen zu „Antonius und Cleopatra“ ins Passionstheater, bei einer Auslastung von 80 Prozent wurde eine Einnahme von 405.407 Euro erzielt. Mit 483.389 Euro bei den Produktionskosten blieb man mit knapp 5000 Euro unter den kalkulierten Kosten. Zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft ein Loch von 77.982 Euro. Dazu kommen noch diverse Nebenkosten wie Versicherungen, Steuerberater, Büroaufwand und Mieten, so Walter Rutz. Letztlich blieb man auf einem Minus von 107.926 Euro sitzen. Diese Summe rechnet die GmbH mit dem Gewinn aus dem Jahr 2011 von 50.491 Euro auf, den spielte die Aufführung von „Joseph und seine Brüder“ ein. Bei den Ausgaben entfallen etwa 62 Prozent auf die beiden dicksten Posten: 189.140 Euro nahmen die Bühnenarbeiten in Anspruch und 108.103 Euro wurden für die Werbung ausgegeben. Mit einer Grafik wurde deutlich aufgezeigt, wie die Verkaufskurve aussah, hier fehlte nach der Premiere der gewohnte Schub, die Zahlen stagnierten. Dazu Christian Stückl: „Wir rätseln noch, woran es lag. Trotzdem bin ich zufrieden, wir haben halt mal was neues ausprobiert. Die Mitwirkenden haben ein tolle Leistung gezeigt.“ Anders vorgehen will man mit der Medien- und Pressearbeit. Im letzten Jahr wussten die Medien bereits vor der Pressekonferenz in München, was 2012 in Oberammergau gespielt wird, das Interesse der Medienvertreter ließ zu wünschen übrig. Heuer soll nichts durchdringen, erst am 16. November wird in München das Geheimnis gelüftet. Mit einem Vorurteil räumte Walter Rutz auf, er sagte: „Unser Projekt funktioniert nur mit freiwilligen Leistungen. Ohne die Bereitschaft der vielen Oberammergauer, die sich unentgeltlich zur Mitwirkung bereiterklären, würde das nie und nimmer funktionieren. Die Passionstheater GmbH stopft sich wahrlich nicht die Taschen voll, wie es hin und wieder im Ort heißt.“ Bürgermeister Arno Nunn dankte am Ende der Sitzung allen für ihre Leistung und bezeichnete den eingeschlagenen Weg als den richtigen. Für eine solche Sache, so Nunn, brauche es einfach einen langen Atem.

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