Gipfelkreuz beschädigt

Drei Bergführer entdeckten Metallteil in Felswand

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Thomas Schmitt nach geglückter Bergungsaktion am Zugspitzgipfel.

Landkreis – Einigen Bergsteigern ist es schon aufgefallen, dass ein Teil des Strahlenkranzes des Gipfelkreuzes auf der Zugspitze fehlt. Es stellt den höchsten Punkt Deutschlands auf dem 2962 Meter hohen Ostgipfel dar. Das fehlende Teil ist nicht den Unbilden des Winters zum Opfer gefallen, sondern einer Enteisungsaktion eines Kranes der Baustelle der neuen Gipfelseilbahn. Beim Schwenk verfing sich eine Kette und der dreiteilige goldene Strahl stürzte in Richtung Platt in die Tiefe.

„Das Gipfelkreuz wird wahrscheinlich abgebaut und ins Tal geflogen. Der Strahlenkranz wird in der Eschenloher Kunstschmiede Würzinger wieder angeschweißt. In dem Zug wird es gleich überarbeitet und wieder aufgestellt. Das Ganze dürfte für die Baufirma eine Versicherungsfrage werden“, so Hansjörg Barth, Wirt des Münchner Hauses. Ihm haben jetzt drei Bergführer der Werdenfelser Bergführervereinigung den vermissten Teil des Strahlenkranzes zu treuen Händen übergeben. Das scheint Tradition zu haben. Sieben Bergführer der selben Vereinigung halfen im August 1882 schon beim Transport des renovierten Gipfelkreuzes. Im Rahmen eines Events mit Führungskräften entdeckten jetzt die Bergführer Thomas Schmitt, Robert Krinninger und Georg Schwarzenberger das ausgeaperte Metallteil in einer Felswand. Sie bargen es gleich vor rund 300 interessierten Zugspitzbesuchern und übergaben das Teil dem Münchner Alpenverein. „Gut, dass die drei das fehlende Teil gefunden haben. Das macht die Sache natürlich billiger. Sonst hätte es neu angefertigt und vergoldet werden müssen“, so erleichtert Hansjörg Barth, der den mutigen Findern spontan eine Maß Bier spendierte. Bergführer sehen nicht nur gut, sondern führen auch gut. In diesem Sinne weist die Werdenfelser Bergführervereinigung auf ihren Beratungsservice in der Garmisch-Partenkirchner Tourist-Info hin. Jeden Dienstag ist das Büro von 16 bis 17 Uhr besetzt und gibt alpine Informationen oder vermittelt Bergschulen und Bergführer.

Historie des Gipfelkreuzes 

Seit 1851 steht auf dem Gipfel der Zugspitze ein Gipfelkreuz. Die treibende Kraft zur Errichtung eines Kreuzes auf dem Gipfel war Pfarrer Christoph Ott. In seiner Eigenschaft als meteorologischer Beobachter auf dem Gipfel des hohen Peißenberg sah der die Zugspitze in der Ferne und ärgerte sich, dass „der erste Fürst der bayerischen Gebirgswelt sein Haupt kahl und schmucklos in die blauen Lüfte des Himmels emporhebt“. Daraufhin organisierte er für den 11. bis 13. August 1851 eine Expedition mit dem Ziel, auf der Zugspitze ein Gipfelkreuz zu errichten. Durch die Partnachklamm und das Reintal erreichten 28 Träger unter der Führung von Forstwart Karl Kiendl die Zugspitze. Die 610 Gulden und 37 Kreuzer teure Unternehmung war erfolgreich. Als Ergebnis stand ein 28-teiliges, 14 Fuß ( ca. 4,7 m) hohes, vergoldetes Kreuz aus Eisen auf dem Westgipfel. Nach 37 Jahren hatte das Kreuz durch zahlreiche Blitzeinschläge Schaden genommen, überdies waren Halterungen stark beschädigt worden. Im Winter 1881 / 1882 wurde es erstmals zu Tal gebracht und renoviert. Am 25. August 1882 brachten es sieben Bergführer der Werdenfelser Bergführervereinigung und 15 Träger wieder nach oben und platzierten es auf dem Ostgipfel. Dort verblieb es 111 Jahre, bis es am 18. August 1993 erneut demontiert wurde. Die Beschädigungen stammten diesmal nicht nur von Wettereinflüssen, sondern auch von amerikanischen Soldaten, die 1945 auf das Kreuz geschossen hatten. Weil es nicht mehr zu reparieren war, wurde es originalgetreu nachgebaut. Nach zwei Monaten transportierte es die Zahnradbahn zum Zugspitzplatt, von wo es mit dem Helikopter zum Gipfel geflogen wurde. Das neue Kreuz hat eine Höhe von 4,88 Meter. Es wurde 2009 für 15.000 Euro renoviert und neu vergoldet und steht seit 22. April 2009 wieder auf dem Ostgipfel und sieht nun dem nächsten Talflug entgegen. 

Von ha

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