Grainau will für besondere Heilandfigur einen guten Platz finden

Wiesheiland zurückgekehrt

Heiland
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Der Wiesheiland mit echten Haaren ist an der Geißelsäule angekettet.

Grainau – Etwas, was sehr selten sein dürfte: Seit einigen Wochen schon wusste Bürgermeister Stephan Märkl, dass eine historische Heilandfigur aus den Beständen des Museums Werdenfels nach Grainau zurückkehrt. Diese frohe Botschaft kam von Museumsdirektor Sepp Kümmerle. Und kürzlich überreichte Kümmerle zusammen mit seinem Stellvertreter Peter Schwarz den „Wiesheiland” an die Gemeinde Grainau.

Vorbild für derartige Christus-Darstellungen ist die bekannte Figur in der berühmten Wallfahrtskirche im Pfaffenwinkel. Die etwa 85 cm hohe Holzschnitzerei, geschätzte 250 Jahre alt, mit echten Haaren, der Heiland dabei angekettet an der Geißelsäule, weist eine interessante Geschichte auf.

Man schrieb das Jahr 1914. Viele Männer und Burschen der damals noch selbständigen Gemeinde Untergrainau mussten für das Vaterland in den 1. Weltkrieg ziehen. Um deren Schutz und eine glückliche Heimkehr zu erbitten, gelobten die Untergrainauer, eine kleine Kapelle zu erbauen. Dazu schafften sie bereits kurz nach Kriegsanfang besagte Heilandfigur an und legten für die Bezahlung zusammen. Der weitere Verlauf des Krieges, die Weltwirtschaftskrise und Geldentwertung verhinderten einen Baubeginn. So übernahm einstweilen Bürgermeister Mathias Bader, der von 1907 - 1919 das Amt ausübte und im alten „Hiasl-Anwesen” beheimatet war, in Ermangelung eines Rathauses oder richtigen Amtsstube, die Aufbewahrung.

Als die Enkelin des besagten Mathias Bader im Jahre 2007 verstarb, vermachte sie die Figur dem Werdenfels-Museum in Garmisch-Partenkirchen. Dabei müsste es jener Anastasia Bader, wie auch ihrem Vater Andreas, bewusst gewesen sein, dass es sich um Allgemeingut handelt. Aber sie verfügte zu Lebzeiten, dass die Figur ins Museum kommen soll. Und wegen diesem notariell verfasstem Schriftstück wanderte der „Wiesheiland” zunächst ins Archiv des Museums an der Partenkirchner Ludwig­straße. Bereits damals versuchten die Grainauer, mit einem Gesuch an den Landrat die Figur im Heimatort zu erhalten.

Ohne Erfolg – bis vor ein paar Wochen. Museumsleiter Sepp Kümmerle stieß bei seinen Rundgängen im Museum immer wieder mal auf die besagte, eingelagerte Figur. Und befand, ebenso wie Landrat und Kreisverwaltung, dass sie in ihrem ursprünglich vorgesehenen Heimatort bestimmt gut aufgehoben wäre.

Dankbar und erfreut nahm jedenfalls Bürgermeister Stephan Märkl die besondere Figur nun entgegen. „Wir werden uns in einem kleinen Gremium zusammensetzen und ausloten, wie wir sie künftig dauerhaft im Sinne unserer Vorfahren präsentieren können”, sagte der Grainauer Gemeinde-Chef. So, wie es sich die Untergrainauer im Jahre 1914 für ihre gefallenen und vermissten Mitbürger gewünscht hätten. mun

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