Freiwilligenzentrum koordiniert mit Partnern Einkaufsdienste und mehr

Große Dankbarkeit

Corona Hilfeplattform
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Annett-Maria Jonietz vom Freiwilligen-Zentrum „Auf geht’s!“ hat mit den Partnern Beate Löw Schneyder (LongLeif gGmbH; links) und Iris Asenstorfer vom Seniorentreff Marianne Aschenbrenner (re.), die Hilfeplattform initiiert.

In der zweiten Märzwoche wurde es immer deutlicher. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wurden strenger und die Leidtragenden würden ältere und gesundheitlich belastete Menschen sein. Beim Freiwilligen-Zentrum „Auf geht‘s“ in Garmisch-Partenkirchen wurde die Idee einer Corona-Hilfeplattform geboren.

Die beiden Mitarbeiterinnen des Freiwilligen-Zentrums „Auf geht‘s“ krempelten die Ärmel hoch. Das Datenbanksystem konnte durch Freinet-Online in Verbindung mit der Website schnell und günstig aufgerüstet werden. Leitlinien wurden erstellt, Kooperationspartner gefunden. Am 2. April ging die „Corona-Hilfeplattform“ online. Das System funktionierte ohne Probleme. Innerhalb eines Tages meldeten sich über 50 Freiwillige. Auch die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen setzte für die Regelung von Einkaufsdiensten nun auf das Freiwilligen-Zentrum. 

Momentan sind 275 Freiwillige und 89 vermittelte Bedarfe registriert. Das Corona-Hilfeteam möchte allen Mut machen, nach Hilfe zu fragen, denn die Freiwilligen stehen bereit. Für sie ist es eine bereichernde Erfahrung, die für mehr Miteinander in unseren Orten sorgt. 

Fordern Sie Hilfe an 

Angeboten werden Einkaufsdienste und Besorgungen, mit dem Hund Gassi gehen, Gespräche am Telefon und die BRK-Aktion Masken nähen. Vor allem viele junge Menschen sind im Einsatz. Ganze Belegschaften haben ihre Bereitschaft erklärt, sich einzusetzen. Ärzte, Pädagogen und Psychologen bieten ihr Fachwissen an und die Bereitschaft für Gespräche. Andere erklären sich bereit, für Pfleger zu kochen oder zu backen oder mit ihrem Fahrzeug Transporte zu übernehmen. Auch bei der Organisation halfen viele zusammen: Den Druck von Flyer und Plakate erledigte die Firma Fischer besonders günstig. Eine Grafikerin machte den Entwurf druckreif. Firma Tiefenbacher klebte kostenlos Plakate. Eine unerwartete Spende half Notwendiges zu bezahlen und Bedürftige zu unterstützen. Dank einer jungen Juristin, die Einkaufsdienste übernahm, konnte das Prozedere der Geld­übergabe optimiert werden. Andere halfen mit bei der Verteilung von Werbematerial, wie z.B. Calvin, der mit seinem Rollstuhl alle Supermärkte und Apotheken abgefahren ist. Die LongLeif gGmbH hilft personell und durch Übernahme von Werbekosten. Beeindruckend schnell und zahlreich meldeten sich auch knapp 50 Näherinnen und Näher für die BRK-Nähaktion von Masken. 

Die Hotline übernehmen komplett die Mitarbeiterinnen des Seniorentreffs Marianne Aschenbrenner (Iris Asenstorfer, Christiane Frahm, Bärbel Salfner). Es rufen meist Personen an, die zur Risikogruppe gehören oder in Quarantäne sind und jemanden brauchen, der für sie einkauft. Die Senioren, vor allem die Alleinstehenden, trifft es schwer. Manche wollen sich erst einmal informieren, wie die Hilfeplattform ausschaut. In den Gesprächen erfahren die Helferinnen auch Ermutigendes in schwierigen Zeiten, wenn Senioren von ihren Familien erzählen. In vielen Fällen konnte bereits nötige Hilfe geboten werden. „Eine hochbetagte Dame war von diesem Angebot so gerührt, dass auch mir am Ende Tränen in den Augen standen“, erzählt Christiane Frahm über ihre Arbeit.

Unkompliziertes Verfahren 

Wer Hilfe wünscht, kann sich unkompliziert online registrieren oder zum Telefonhörer greifen und sich über die Hotline informieren. Wird ein Dienst gewünscht, erfolgt ein Rückruf mit einem Vorschlag vom Vermittlungsteam (Katrin Süssenbach, Regina Wäger, Beate Löw-Schneyder). Helfer und Hilfesuchende bekommen die selbe ID-Nummer und besprechen alles weitere telefonisch. Alle Dienste enden vor der Haustür mit Einhaltung des Sicherheitsabstandes. Es wird auch darum gebeten, die Helfer nicht in die Wohnung zu bitten. 

Das Positive mehren 

Katrin Sassenbach, sonst in der Hotelbranche tätig, hat Kurzarbeit und betreut ihre Kinder bei den Erledigungen für die Schule. Zudem kümmert sie sich ehrenamtlich um die Corona Datenbank, ruft Helfer und Hilfesuchende an, sucht auch mal Speziallösungen und erkundigt sich nach den Erfahrungen. Dann schlägt ihr große Dankbarkeit für kleine Hilfen entgegen. „Die Betroffen sind total gerührt! Es ist ja eigentlich nur eine Kleinigkeit, aber die Tatsache, dass dies jemand einfach so tut, löst ein ganz besonderes Gefühl aus.“ Besonders berührend fand Katrin Sassenbach die Anfrage einer älteren Dame, die im Rollstuhl sitzt. Der Einkauf wurde schnell erledigt, sogar ein nebenbei erwähnter Exrtrawunsch für einen Fisch am Karfreitag wurde als Überraschung erfüllt. Die Dame erzählte, dass sie seit zwei Jahren das Haus nicht mehr verlassen kann. Nach den Ausgangsbeschränkungen kann sich nun jemand aus dem Netzwerk um sie kümmern. Katrin Sassenbach ist Kundenkontakt gewohnt und stellt fest: „Freiwilliges Engagement zu verkaufen und das Positive zu vermehren, das ist etwas, das ich zurzeit besonders genieße!“ 

Beate Löw Schneyder berichtet von einer besonderen Vermittlung: „Die Anfrage, ein gehörloses Seniorenpaar in Mittenwald durch Einkaufsdienste zu unterstützen, hatte ich an Alex Künzel vermittelt. Die Anfrage kam von der Schwester, die in Berlin lebt. Mit ihr hatte Alex dann den Kontakt aufgenommen, um den Bedarf abzuklären. Der gehörlose Bruder schickt seiner Schwester per Fax die Einkaufsliste, sie schreibt die Wünsche per WhatsApp an Alex. Alles andere: Klingeln, Geld abholen, Einkauf und Restgeld zurückbringen, läuft ganz normal. Aber das ‚mehr‘ liegt halt in der Beziehung, die dabei entsteht. Und wie so oft sind es zwei Seiten, die dankbar sind: diejenigen, die Unterstützung und Hilfe im Großen oder Kleinen bekommen; und die, die in diesem Tun für sich Neues, Wertvolles entdecken und lernen.“

Regina Wäger ist besonders berührt von Kontakten mit aktiven Ehrenamtlichen, die nun selbst Hilfe brauchen. Einem Murnauer konnte direkt zwei Häuser weiter ein Helfer vermittelt werden. Ein anderer ehrenamtlich Tätiger bedankte sich mehrmals per Mail und gab sein Feedback weiter. Um seine gefährdete Frau zu schützen, verzichtet er auf eigene Einkäufe. Es ist eine interessante Tatsache, dass Menschen, die selbst freiwillig tätig sind, sehr einfühlsam und umso dankbarer für Hilfe sind. 

Annett-Maria Jonietz als Koordinatorin des FWZ, empfindet Dankbarkeit, in Krisenzeiten etwas beitragen zu können und ist froh, bereits aufgebaute Strukturen und Netzwerke nutzen zu können. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, positive Ansätze und Erfahrungen des Füreinander-Da-Seins zum Wachsen zu bringen, gerade jetzt. Auch die gute, selbstverständliche und unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Kolleginnen des Seniorentreffs Marianne Aschenbrenner und mit der LongLeif GmbH kann eine gute Basis sein für künftige Projekte.

Kontakt

• Hotline: werktags von 9-12 und 13-16 Uhr unter Tel. 08821- 7810525 

• Mailkontakt: aufgehts@lebenslust-gap.de;  • Online-Registrierung: www. aufgehts.gap.de        tra

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