Großer Moment für die Wissenschaft – "Strauss kompakt": Online-Datenbank mit über 11782 Quellen zum Werk von Richard Strauss

V.li.: Pianist Fritz Schwinghammer und Sopranistin Simone Eisinger umrahmten mit meisterhaft interpretierten Strauss-Liedern den Abend, durch den Dr. Claudia Heine, Adrian Kech und Dr. Jürgen May führten. Fotos (2): Goebel

Es ist ohne zu übertreiben ein Meilenstein, der am vergangenen Donnerstagabend im Richard Strauss-Institut (RSI) der Welt offenbart wurde. Zwei junge Musikwissenschaftler stellten dort die Zwischenbilanz ihrer Arbeit vor: Eine Online-Datenbank, die sämtliche weltweit erreichbaren Strauss-Quellen nach aktuellem Forschungsstand verzeichnet. Ein Projekt, das enorme Maßstäbe setzt und die wissenschaftliche Bedeutung des Institutes mehr als unterstreicht.

„Die Musik ist ein äußerst flüchtiger Gegenstand“, betonte Dr. Jürgen May, wissenschaftlicher Mitarbeiter am RSI, eine Fixierung in Form von Noten sei daher unablässig. Doch wo das Werk anfängt und wo es aufhört, ist nicht immer so einfach zu beantworten. Die Historie eines Werkes kann oft unendlich komplex sein. Es beginnt mit Skizzen, die der Komponist zusammenfügt, unter Umständen gibt es auch mehrere Versionen ein und desselben Werkes und selbst in der fertigen Partitur finden sich oft weitere Zusätze. Deshalb gibt es beträchtlich viele Quellen über ein einziges Werk, die Wissenschaftlern wertvolle Informationen liefern und Zweifel beiseite räumen, ob das Werk tatsächlich so aus der Feder des jeweiligen Komponisten stammt. Die gesamte Quellenlage eines Werkes zu kennen, ist jedoch der Idealfall, der bisher gerade bei Richard Strauss noch nicht gegeben war. Mit dieser Datenbank, so Institutsleiter Dr. Christian Wolf, steht man am Anfang einer längst überfälligen Forschungsarbeit, die bei Komponisten wie Schönberg bereits abgeschlossen sei und so war die Freude umso größer über das gelungene Projekt. Am Anfang des Projektes, das am 1. Oktober 2009 begann, gingen sie noch von einer vorsichtigen Schätzung von etwa 2300 einzelnen Quellen aus. Dazu kamen 150 Skizzenbücher und etwa 200 einzelne Skizzenblätter. Die jetzige Zahl an Datens ist ungleich höher: 11782 Datensätze sind bisher im Quellenverzeichnis gespeichert, sorgfältig recherchiert, beschrieben und verzeichnet. Unter www.rsi-rsqv.de können sich seit letztem Donnerstag Forscher und Interessierte auf Quellensuche begeben. Die Suchmaske erlaubt nicht nur einfache Suchanfragen wie: Welche original Quellen liegen in Garmisch-Partnerkirchen oder in der Münchner Staatsbibliothek, sondern auch kombinierte und sehr spezifische wie etwa: Welche Strauss-Quellen gibt es zum Thema Tondichtungen in Form einer Partitur oder eines Skizzenblattes. Dr. Jürgen May zollte den beiden Wissenschaftlern in seiner Ansprache größten Respekt und gab einen Einblick, wie schwierig so ein Projekt ist. Es gebe zu Strauss’ Werk eine Unmenge an Quellen, die in der ganzen Welt verstreut seien. Zwar befänden sich viele in der Obhut der Strauss-Familie, doch auch Bibliotheken, Archive oder private Sammler besässen einen Anteil, dessen Ausmaß keiner kennt und an die man nicht immer herankomme. Deshalb betonten Dr. Heine und Kech, dass die Datenbank noch weit davon entfernt sei, vollständig zu sein. „Es gibt immer noch viel zu tun, dazu gehört zum Beispiel auch, immer wieder Auktionskataloge zu durchforsten, die laufend Strauss-Quellen zu Tage fördern“, sagt die junge Strauss-Expertin. Das Projekt ist mit insgesamt 390000 Euro bis zum 1. Oktober 2012 gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Dr. May und Institutsleiter Dr. Wolf wollen dann einen Antrag auf Weiterförderung stellen, um dieses bedeutende Arbeit fortzuführen. Auch Bürgermeister Thomas Schmid würdigte dieses Projekt, dessen Erfolg auch für Garmisch-Partenkirchen bedeutend sei.

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